Prozess gegen Jihad-Reisende

09. April 2019 16:33; Akt: 09.04.2019 16:55 Print

Ließ IS-​​Frau Fünfjährige verdursten?

In München begann gestern der Prozess gegen eine IS-Rückkehrerin: Jennifer W. (27) wird Terrorismus und Mord vorgeworfen.

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2014 verließ Jennifer W. Deutschland, um sich im Irak dem IS anzuschließen. Wie sie selbst vor ihrer Festnahme Ende Juni 2018 gegenüber einem V-Mann des FBI prahlte, soll sie dort monatelang als Sittenwächterin des Islamischen Staats (IS) gearbeitet haben: Mit Kalaschnikow, Pistole und Sprengstoffweste ausgestattet, habe sie Frauen, die nicht nach islamistischer Sitte gekleidet waren, ermahnt und bestraft.

Im Sommer 2015 soll sie laut Anklage mit ihrem Mann auf einem Sklavenmarkt ein in Kriegsgefangenschaft geratenes fünfjähriges Mädchen, eine Jesidin, und dessen Mutter als Sklaven für den Haushalt gekauft haben. Beide seien wiederholt misshandelt worden.

Kind in praller Sonne angekettet

Als das Kind krank wurde und auf eine Matratze urinierte, habe der Ehemann von Jennifer W. es zur Strafe in praller Sonne vor dem Haus angekettet. Bei 45 Grad sei das Kind dann qualvoll verdurstet – die Angeklagte habe nichts dagegen unternommen und sich damit des Mordes durch Unterlassen schuldig gemacht.

Der Vorsitzende Richter unterbrach den Prozess nach der Verlesung der Anklage bis zum 29. April: Es sollen weitere belastende Unterlagen geprüft und die Anklage eventuell auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Freiheitsberaubung und Folter ausgeweitet werden.

Wichtiges Verfahren für jesidische Gemeinschaft

W.s Verteidiger Ali Aydin bestritt die Vorwürfe: «Es gibt keine Beweise, dass sie je bei der Sittenpolizei war.» Zudem sei fraglich, ob sie den Tod des Kindes hätte verhindern können.

Es ist der erste Prozess gegen eine deutsche IS-Rückkehrerin. Zudem wertete Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, selbst Überlebende von Versklavung und Folter durch IS, den Prozess «als wichtiges Verfahren für alle jesidischen Überlebenden.»

(L'essentiel/sda)

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