Dr. Sex

20. November 2020 07:28; Akt: 20.11.2020 07:28 Print

«Ich bin verwirrt und verstehe die Welt nicht mehr!»

Miriam ist verwirrt, weil sie widersprüchliche Gefühle und Phantasien hat. Haben diese womöglich etwas mit der Pille zu tun, die sie seit ihrem elften Lebensjahr nimmt?

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Manchmal können einem die eigenen Gefühle zu viel sein. Doktor Sex weiß in solchen Fällen Rat. (Bild: iStock)

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Frage von Miriam (23) an Dr. Sex

Mit elf begann ich, die Pille zu nehmen. Meine Kindheit war problembeladen, und weil ich allein mit meiner Mutter aufwuchs, konnte ich nie wirklich Kind sein. Seit ich ausgezogen bin, mache ich eine Therapie. Meine Psychiaterin meint, dass ich in diesem Prozess wohl nochmals eine Art Pubertät durchmachen werde.

Die Gespräche mit ihr lösen sehr viel aus bei mir. Ich werde überflutet von Gefühlen und auch Verlustängste tauchen auf. Oft bekomme ich Panik und fast keine Luft mehr. Auch ertappte ich mich dabei, wie ich sexuelle Phantasien mit einer Frau hatte. Stimmt es, dass das eine normale Phase in der Pubertät ist?

Ich liebe meinen Freund nämlich sehr und will nichts mit einer Frau haben. Auch wenn ich damit in der Phantasie spiele, die Vorstellung, es zu erleben, ekelt mich. Ich bin völlig überfordert, verwirrt und verstehe die Welt nicht mehr! Eigentlich möchte ich die Pille absetzen, aber ich fürchte, dass dann alles noch schlimmer wird. Was geht hier ab?

Antwort von Dr. Sex

Liebe Miriam

Es ist wahrscheinlich, dass die Achterbahn der Gefühle noch zunehmen wird, wenn du die Pille absetzt. Dies soll dich aber nicht daran hindern, mit dem Medikament aufzuhören. Ich bin sicher, mit der Unterstützung deiner Therapeutin wirst du diese Herausforderung meistern!

Die Hormone, die in der Pille enthalten sind, bringen den Körper in einen schwangerschaftsähnlichen Zustand. Bei einer Frau, die so verhütet, sind daher auch die Körper- respektive Gefühlswahrnehmung ähnlich durcheinander wie bei einer Schwangeren. Und oft ist auch die Lust beeinträchtigt.

Da du mit elf Jahren, das heißt so ziemlich gleichzeitig mit dem Beginn der Pubertät, mit der Einnahme von Hormonen begonnen hast, wurden dein Körper und deine Psyche an einem Entwicklungsprozess frei von künstlich zugeführten Hormonen gehindert. Wenn du die Pille nach zwölf Jahren nun absetzt, hat dies zwangsläufig Folgen.

Eine davon ist das, was deine Psychiaterin wohl meinte, als sie die Möglichkeit einer Art zweiten Pubertät erwähnte. Man könnte es auch so sagen: Durch den Therapieprozess und das Absetzen der Pille wirst du dich zunehmend ungefiltert in deinem vollständig entwickelten weiblichen Körper in der Welt, in der du dich bewegst, erleben.

Wie alles, was neu und ungewohnt ist, kann sich dies erst einmal verwirrend oder gar bedrohlich anfühlen. Lass dich davon aber nicht zu sehr erschrecken und richte deinen Blick auch auf all das Schöne, das damit verbunden ist. Bald schon wird sich Orientierung und damit auch eine gewisse Sicherheit einstellen.

Zu den gleichgeschlechtlichen Fantasien: Es kann, muss aber nicht sein, dass während der Pubertät solche Bilder auftauchen. Entscheidend scheint mir dein bewusster Umgang damit. Eine Fantasie zu haben, bedeutet nicht, diese auch in der realen Welt umsetzen zu wollen. Geniess einfach das Spiel im Wissen darum, dass du dieses nie wirklich umsetzen möchtest. Alles Gute!

(L'essentiel/Bruno Wermuth)

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