Dr Sex

30. Oktober 2019 11:33; Akt: 30.10.2019 11:41 Print

«Ich fühle mich beleidigt, wenn er keinen Sex will»

Céline arbeitet hart an sich und ihrer Beziehung. Trotzdem ändert sich nichts an den Grundproblemen. Braucht sie eine Therapie?

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Wenn ihr Freund unaufmerksam ist und keinen Sex möchte, dann hat Céline rasch Probleme mit dieser Situation. (Bild: Fizkes)

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Frage von Céline (24) an Dr Sex: Ich habe schon seit einem Jahr einen Freund. Wir lieben uns sehr, aber am Anfang war es schwierig, da ich in einer langjährigen Beziehung war, als ich mich in ihn verliebte. Wir sind beide eher extrovertiert und sensibel. Er ist emotional etwas unreif, arbeitet aber sehr an sich. Und wir beide geben uns Mühe in unserer Beziehung.

Vor mir hatte er viele Frauen und wurde von ihnen auch verletzt. Daher ist er eifersüchtig und oft handlungsunfähig. Beides hat mich von Anfang an verunsichert. Ich leide an depressiven Phasen, in denen ich mich ausgeliefert fühle. Ich bin dann schnell beleidigt, zum Beispiel wenn wir keinen Sex haben oder er unaufmerksam ist. Schaut er dann auch noch andere Frauen an, habe ich Eifersuchtsattacken.

Er ist dann verständlicherweise überfordert und weiß nicht, wie er mit mir umgehen soll, weshalb er sich ebenfalls zurückzieht. Wir haben dann große Probleme, wieder zueinanderzufinden. Ich habe Angst, dass ich so unsere Beziehung kaputtmache, was ich auf keinen Fall will. Wie komme ich da raus? Brauche ich eine Therapie? Und falls ja: Was für eine? Danke!

Antwort von Dr Sex

Liebe Céline

Eifersucht und Misstrauen können sehr leidvoll sein und auf Dauer eine Beziehung zerstören. Super, dass du und dein Freund genau hinschauen und ihr eure dunklen Seiten untersucht. Um das eigene Verhalten und damit letztlich die Beziehung zu verändern, ist es nämlich wichtig, aufzudecken, wie man mit sich selbst und dem Partner umgeht und welche Konzepte man anwendet.

Manche Menschen sind überzeugt davon, dass Verlustängste und Eifersucht Zeichen von «richtiger» Liebe sind, denn diese würden beweisen, dass der Partner oder die Partnerin einem wichtig sei und wirklich am Herzen liege. Liebendes Zusammensein ist aber auch ohne diese destruktiven und leidvollen Emotionen möglich.

Der erste Schritt zur Veränderung ist, voll und ganz die Verantwortung für sich zu übernehmen. Also damit aufzuhören, äußere Umstände für das eigene Leid verantwortlich zu machen. Solange man sich als «Opfer» erlebt, ist man versucht, die Lösung beim «Täter», also draußen in der Welt zu suchen. Mir scheint, hier habt ihr bereits wichtige Schritte gemacht.

Nun geht es darum, Zusammenhänge und Hintergründe aufzudecken. Meist spielen die frühen Beziehungen eines Menschen, also seiner Kindheit, eine wichtige Rolle. Prägungen aus dieser Zeit können sichtbar werden, indem man spezifische Erlebnisse und Erfahrungen aufarbeitet.

Allein ist dies nur schwerlich möglich, ich rate deshalb euch beiden, euch fachliche Unterstützung zu holen. Sinnvoll wäre ein Setting, in dem ihr in Einzelsitzungen eure Erfahrungen aufarbeitet, das aber auch die Möglichkeit bietet, den Partner einzubeziehen, wenn dies erforderlich ist. Alles Gute!

(L'essentiel/wer)

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