Dr. Sex

04. September 2019 11:08; Akt: 04.09.2019 11:09 Print

«Sie verbietet mir, über ihre Probleme zu reden!»

Weil seine Freundin Schwierigkeiten damit hat, ihr Leben zu bewältigen, hat Stan Rat bei einem Freund gesucht. Seitdem ist zu Hause der Teufel los.

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Die Freundin von Stan ist spielsüchtig, das belastet ihn sehr, und er weiß nicht, wie es weitergehen soll.. (Bild: sdi Productions)

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Frage von Stan (29) an Dr. Sex: Meine Partnerin will nicht, dass ich über unsere Beziehungsprobleme mit jemandem spreche. Da sie spielsüchtig ist und mich dies sehr belastet, wollte ich mich unbedingt mit einem Freund darüber austauschen. Ich versprach mir davon Tipps für den Umgang mit ihrer Sucht als Partner. Zumal sie sich weigert, sich in Therapie zu begeben.

Nachdem ich sie darüber und die dahinterliegenden Bedürfnis informiert hatte, war bei uns zu Hause der Teufel los. Sofort wollte sie wissen, warum ich dies gemacht habe. Es gehe doch niemanden etwas an, was sie tue, und dergleichen. Für mich waren ihre Reaktionen völlig unverständlich.

Ihr Verhalten zeigt mir, dass sie null Verständnis hat für meine Sicht. Mich entlastet es nämlich sehr, wenn ich mit jemandem über ihr Problem und dessen Auswirkungen auf mich reden kann. Aber ihrer Meinung nach soll und darf ich dies offenbar nicht tun. Findest du das auch?

Antwort von Dr. Sex

Lieber Stan,

Nein, das finde ich ganz und gar nicht! Wer eine Beziehung eingeht, gibt ja nicht seine Individualität als Person und entsprechend auch nicht seine höchstpersönlichen Rechte oder seine menschlichen Bedürfnisse auf. Im Wissen um die Spielsucht, an der deine Partnerin laut deinen Aussagen leidet, ist ihre Reaktion jedoch verständlich.

Solange eine süchtige Person nämlich sich selber nicht eingestehen kann, dass sie an einer Suchterkrankung leidet, tut sie alles Erdenkliche, um das mit der Sucht in Zusammenhang stehende Verhalten zu vertuschen oder dieses nicht als auffällig oder gar pathologisch erscheinen zu lassen.

Wenn ein Mensch an einer Suchterkrankung leidet, leiden seine Nächsten mit – Kinder oft noch mehr als Erwachsene. Die Sorgen der Menschen im Umfeld sind zwar sehr verschieden, aber alle sind berechtigt! Es ist deshalb auch sinnvoll, wenn sich jemand – so wie du es getan hast – einem Freund oder einer Fachperson anvertraut.

Wichtig ist aber, dass du auch mit deiner Partnerin sprichst. Sag ihr, was du erlebst, aber sprich dabei in der Ich-Form, beispielsweise: «Ich mache mir Sorgen, weil …», «Ich beobachte, wie …», «Mir ist es unangenehm, wenn …» oder «Mich belastet es, dass …». Vermeide es, sie zu beschuldigen oder ihr Vorschriften zu machen.

Erzähle ihr von deinen Wünschen und Erwartungen. Wie stellst du dir die Beziehung zu deiner Partnerin vor, wenn das «Problem» gelöst ist? Aber auch: Was muss sich für dich verändern, wenn die Beziehung weitergehen soll? Beide Fragen erfordern, dass du dich vorgängig mit dir auseinandersetzt: Was bin ich bereit mitzutragen? Wo setze ich Grenzen, um mich zu schützen?

Sei dir bewusst, dass deine Freundin professionelle Hilfe braucht. Dazu zwingen kannst du sie aber nicht. Auch wenn sie sich in absehbarer Zeit nicht Unterstützung holt: Lass ihr Problem nicht dein Leben bestimmen. Tue Dinge, die dir Freude machen, und sprich weiterhin mit deinem Freund.

Und selbstverständlich kannst du dich jederzeit selbst mit einer Fachpersonen oder einer Beratungsstelle in Verbindung setzen und dir Unterstützung holen. Alles Gute!

(L'essentiel/wer)

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