Dr Sex

15. Oktober 2018 10:26; Akt: 15.10.2018 10:31 Print

«Wie sage ich, dass ich mehr Abwechslung will?»

Finn möchte beim Sex mit seinem Freund aktiver sein, befürchtet jedoch, damit die Beziehung zu gefährden.

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Finn (24) möchte beim Sex auch mal den aktiven Part übernehmen. Er traut sich aber nicht, dies seinem Freund zu sagen. Er befürchtet, seinen Freund zu verlieren. (Bild: Beyond the Walls/Frakas Productions)

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Frage von Finn (24) an Dr Sex: Ich lebe nun schon seit einem halben Jahr in einer schwulen Beziehung mit meinem Freund. Wir sind glücklich und lieben uns. Seit einiger Zeit verspüre ich nun aber den Wunsch, etwas mehr den aktiven Part in unserem Sexleben zu übernehmen. Oder anders gesagt, dass wir uns in den Rollen etwas mehr abwechseln.

Ganz grundsätzlich hätte ich kein Problem damit, die Thematik anzusprechen. Wir gehen mit unseren sexuellen Wünschen und Vorstellungen sehr offen um. Da ich aber weiß, dass seine letzte Beziehung an genau diesem Punkt gescheitert ist, nämlich als sein Ex-Freund merkte, dass er doch aktiver ist als angenommen, habe ich Angst, das Thema aufzubringen.

Ich möchte unter keinen Umständen, dass wir am selben Ort landen und er mich verlässt, weil ich bei der Äußerung meines Wunsches alles vermassle. Wie kann ich mit meinem Partner über diesen Wunsch sprechen, ohne eine glückliche Beziehung in Gefahr zu bringen?

Antwort von Dr Sex

Lieber Finn

Viele Menschen neigen dazu, möglichst viel über die letzte Beziehung des Partners oder der Partnerin in Erfahrung zu bringen. Wohl bei den meisten ist diese als Neugier getarnte Aktion von purem Egoismus motiviert, denn letztlich steht dahinter nur das Bedürfnis, herauszufinden, ob man genügt und die Sache «gut» macht.

Jedoch werden manche die Geister nicht mehr los, die sie gerufen haben. Während einige danach mit Eifersucht zu kämpfen haben, kommen andere, so wie du auch, in Not, weil sie durch ihre Recherchen erkannt zu haben glauben, dass es Bedürfnisse gibt, die nicht kompatibel sind mit denen des neuen Gegenübers.

Je nachdem, wie die Partner mit solchen gefühlten Differenzen zu Beginn einer Beziehung umgehen – also ob sie in der Lage sind, in offenen Gesprächen zu klären, was es damit auf sich hat und ob es diese so überhaupt gibt, oder ob sie versuchen, sich damit zu arrangieren –, installieren sie mehr oder weniger bewusst eine Kultur für den künftigen Umgang damit.

Auch du scheinst nun am Punkt angelangt zu sein, wo es darum geht, diese grundsätzliche Entscheidung zu fällen. Jedoch droht dir die Sorge vor dem Beziehungsabbruch durch deinen Partner einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Werde dir bewusst, dass Angst eine schlechte Ratgeberin ist, denn sie kann sich immer nur an der Vergangenheit orientieren, also an den Erfahrungen, die bereits gemacht wurden. Diese werden dann in Gedanken mit einer aktuellen Situation verknüpft und in die Zukunft projiziert. Logisch, dass dies nur eine Wiederholung des bereits Bekannten zur Folge haben kann.

Wer über längere Zeit eine Beziehung führen will, benötigt, was der 2017 verstorbene Schweizer Philosoph Hans Saner als Differenzverträglichkeit bezeichnet hat: Die Fähigkeit, Unterschiede zu ertragen und respektvoll damit umzugehen – auch wenn diese die persönlichen Wertvorstellungen und die eigene Machtposition infrage stellen.

Trau dich, zu sagen, was nicht ungesagt bleiben kann – auch auf die Gefahr hin, dass dadurch Spannungen entstehen. Sollte dein Freund danach die Beziehung abbrechen, war das mit dem von dir gepriesenen Glück wohl ein Missverständnis. Alles Gute!

(L'essentiel/wer)

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