«Jackye Justice»

17. September 2021 11:00; Akt: 14.10.2021 18:12 Print

«Wann zahlt meine Kfz-​​Versicherung nicht?»

LUXEMBURG – Auto geklaut oder die Scheibe eingeschlagen und Navi weg? In einigen Fällen kann – trotz Kasko-Schutz – die Entschädigung ausbleiben. Das könnte folgende Gründe haben.

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Wenn Autos oder persönliche Gegenstände aus einem Wagen gestohlen werden, kann es vorkommen, dass die Versicherungsgesellschaft den Diebstahl trotz Kaskodeckung nicht vollständig ersetzen möchte. Dies entweder, weil der Betroffene unterversichert ist, oder weil die gestohlenen Gegenstände nicht oder nur teilweise gedeckt sind. In solchen Fällen neigen wir dazu, die Schuld beim Versicherer zu suchen. Kann der Versicherer die volle Entschädigung für den Schaden tatsächlich verweigern?

«Fälle der Unterversicherung…»

Von einer Unterversicherung spricht man, wenn die Versicherungssumme geringer ist als der tatsächliche Wert der versicherten Gegenstände. In solchen Fällen wendet die Versicherungsgesellschaft bei Schäden die so genannte Proportionalitätsregel an und entschädigt den Versicherungsnehmer nur im Verhältnis zur Unterversicherung – ergo nicht vollständig.

Mit anderen Worten: Für die Entschädigung wird das Verhältnis zwischen dem Versicherungswert und dem Wert, der hätte versichert werden müssen, berücksichtigt. Wenn zum Beispiel ein Fahrzeug für 10.000 Euro versichert ist, sein tatsächlicher Wert aber 20.000 Euro beträgt, sind nur 50 Prozent des eigentlichen Wertes versichert. Sofern der Versicherungsvertrag nichts anderes vorsieht, erstattet der Versicherer daher nur die Hälfte des geschuldeten Betrags.

«...unterscheiden sich von den besonderen Vertragsbedingungen»

In der Regel schützt beispielsweise eine Diebstahlversicherung den Versicherten im Falle des Diebstahls seines Fahrzeugs. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass er auch gegen den Diebstahl von Gegenständen aus dem Auto versichert ist. Selbst mit einer Zusatzoption unterliegt der Erstattungsbetrag für gestohlene Güter manchmal einer restriktiven Obergrenze.

In diesem Fall sind persönliche sowie Gegenstände im Auto schlicht von der Deckung ausgeschlossen. Um das Zubehör und/oder die Ausrüstung zusätzlich zu versichern, ist es in der Regel erforderlich, mit dem Versicherer besondere Bedingungen zu vereinbaren. Diese werden dann in die besonderen Vertragsbedingungen aufgenommen und eine spezifische Deckungssumme wird festgelegt. Daher ist es auch unerlässlich, den festgelegten Versicherungswert und den Deckungsumfang zu kennen und die Bedingungen des Vertrags zu verstehen.

«Beweislage entscheidet, wer haftet»

Dies wirft die Frage auf, wer den Wert der versicherten Güter bestimmen soll und wer im Falle einer falschen Risikoeinschätzung haftet. Liegt kein Verschulden des Versicherers vor, so muss der Versicherungsnehmer den Schaden selbst tragen. Dieser muss dem Versicherer nach Treu und Glauben alle ihm bekannten Elemente der Risikobewertung sowie alle neuen Umstände, die zu einer erheblichen und dauerhaften Erhöhung des Risikos führen können, mitteilen. Darüber hinaus werden im Falle eines Rechtsstreits seine besonderen juristischen oder technischen Fähigkeiten berücksichtigt.

Der Versicherer muss seinerseits informieren und beraten und ist verpflichtet, jede Garantie und Option sowie die Einschränkungen oder Ausschlüsse dieser Garantien zu definieren. Zudem muss er nachweisen, dass er dieser besonderen Informationspflicht nachgekommen ist. Sollte er allerdings nachweisen können, dass der Versicherte beim Vertragsabschluss keine vollständigen und wahrheitsgemäßen Angaben gemacht hat, kann der Versicherer nur dann haftbar gemacht werden, wenn sein Verschulden nachgewiesen werden kann.

Abschließend ist es wichtig zu betonen, dass die Vertragsklauseln entscheidend sind. Der Versicherungsnehmer muss alle Elemente der Risikobewertung angeben, die als solche angesehen werden können. Vor allem aber sollte er den Umfang des Versicherungsschutzes sowie die Modalitäten seines Vertrags verstehen. Um den Versicherer haftbar zu machen, sollte nachgewiesen werden können, dass dieser seine Informations- und Beratungspflicht verletzt hat.

Du hast auch eine «Ist das eigentlich legal»-Frage? Dann wende Dich doch einfach an «Jackye Justice»!

Maître Jackye Elombo

... erhielt 2003 ihre Zulassung in Luxemburg und praktiziert als «Avocat à la Cour». Die Spezialgebiete der Allgemeinanwältin mit Kanzlei in Schüttringen sind Arbeits- und Unternehmensrecht. Als Jackye Justice beantwortet die Juristin Fragen der L'essentiel-Leser, die viele Menschen betreffen oder interessieren könnten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Prost ! am 19.09.2021 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fass t'... ? 'N'e Mal ... Si ...

  • realdusninja am 19.09.2021 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kann man die Fragen auch auf Deutsch stellen? Und sowieso, hätte man den ganzen Text hier abkürzen können: Schau auf die Klauseln im Vertrag, zu 90% haben die Versicherer eine Klausel imVertrag, dass sie nicht bezahlen müssen. Genauso hat sie die Fahrlässigkeit vergessen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Prost ! am 19.09.2021 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Fass t'... ? 'N'e Mal ... Si ...

  • realdusninja am 19.09.2021 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kann man die Fragen auch auf Deutsch stellen? Und sowieso, hätte man den ganzen Text hier abkürzen können: Schau auf die Klauseln im Vertrag, zu 90% haben die Versicherer eine Klausel imVertrag, dass sie nicht bezahlen müssen. Genauso hat sie die Fahrlässigkeit vergessen.