Doktor Sex

12. August 2018 15:43; Akt: 12.08.2018 16:10 Print

«Er hat versaute Vorstellungen von Sex!»

Flavias Freund hatte vor ihr noch nie Sex und daher etwas weltfremde Vorstellungen davon. Nun befürchtet sie, dass er bald fremdgehen könnte.

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Flavia wünscht sich manchmal, ihr Freund hätte schon Sex mit anderen Frauen gehabt. (Szene aus «Sex Tape»/CTMG Inc.)

Zum Thema

Frage von Flavia (23) an Doktor Sex: Ich habe seit zwei Jahren einen Freund. Er hatte vorher noch nie eine Beziehung und auch noch keinen Sex. Ich habe jedoch schon einige Erfahrungen gesammelt. Mit unserem Sexleben zeigt er sich zufrieden. Ich habe jedoch immer wieder Angst, dass er eines Tages sexuell doch noch mehr ausprobieren will und unsere Beziehung deswegen in die Brüche geht.

Er meinte dazu, dass letztlich alle Männer gern andere Frauen bumsen würden. Er tue dies aber nicht, da er genau wisse, was er an mir hat. Ich finde seine Vorstellungen von Sex ziemlich pornografisch und ich wünsche mir darum manchmal, er hätte vor mir schon eine Andere gehabt, um seine Ideen etwas zu relativieren. Wie kann ich mit meiner Angst und der ganzen Situation umgehen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Flavia

Ehrlichkeit und Treue sind Eigenschaften, die sich die meisten Menschen bei ihrem Partner oder ihrer Partnerin wünschen. Aus biologischer Perspektive gibt es aber keinen Grund zur Annahme, dass Menschen monogam sind. Für die Arterhaltung ist es nämlich nicht entscheidend, in welcher Beziehungskonstellation der Nachwuchs gezeugt wird. Hauptsache ist, er wird gezeugt.

Lebenslange Treue ist der kultureller Gegenentwurf zum natürlichen Fortpflanzungstrieb. Er wird durch Kitschromane, Hollywoodfilme sowie sentimentale Schlager am Leben erhalten und macht Paaren das Zusammenleben zur Hölle. Wer seiner Natur folgt, landet unweigerlich im Chaos. Und handelt er oder sie auch noch nach dem Prinzip «Wenn schon nicht treu, dann wenigstens ehrlich», ist die Katastrophe perfekt.

Wie lautet der Treueanspruch?

Über kurz oder lang ist kein Mensch davor sicher, sexuelle Fantasien und Wünsche auf andere Personen zu projizieren. Paare suchen daher besser von Anfang an einen für sie gangbaren Mittelweg, indem sie aushandeln, wie sie mit dem Treueanspruch umgehen wollen. Dabei tun sie gut daran, sich nicht primär an moralischen Prinzipien zu orientieren, sondern die sich im Laufe der Beziehung wandelnden Bedürfnisse und ihre individuellen Wünsche zu berücksichtigen.

Hör auf, dir den Kopf zu zerbrechen und dich am Entweder-oder-Schema emotional und gedanklich abzuarbeiten. Du wirst dadurch nicht zur Ruhe kommen. Wichtiger scheint mir, dir bewusst zu machen, dass eine wertvolle Beziehung nicht zwingend zu Ende gehen muss, wenn der Partner oder die Partnerin auch mal Sex mit jemand anderem hat. Schließlich geht es zwischen zwei Menschen definitiv um mehr, als sich aneinander zu reiben und Körpersäfte auszutauschen.

Genießt einfach, was jetzt ist, und redet weiterhin achtsam und offen über das, was euch bezüglich dem Sex in eurer Beziehung umtreibt. Dazu gehört meiner Meinung nach auch, dass du deinen Freund bald einmal ansprichst auf seine – wie du es nennst – pornografische Vorstellung von Sex. Teile ihm deine Sicht der Dinge mit und lade ihn dazu ein, sich vermehrt mit den sexuellen Bedürfnissen und Wünschen der Frau auseinanderzusetzen, mit der er in einer Beziehung ist. Macht es euch gut!

(L'essentiel/wer)