Dr Sex

08. Juli 2018 09:00; Akt: 06.07.2018 13:52 Print

«Ich habe Angst vor der Zukunft mit ihm!»

Carmela ist seit drei Jahren mit ihrem Jugendfreund verheiratet. Sein Kinderwunsch versetzt sie in Panik. Was nun?

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Carmela denkt viel darüber nach, wie ihr Leben ohne Beziehung aussehen könnte. Ein Leben ohne ihren Mann kann sie sich gut vorstellen. Wie weiter nun? (Bild: iStock/Martin-dm)

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Frage von Carmela (23) an Dr Sex: Ich bin seit fünf Jahren mit meinem heutigen Mann zusammen und seit drei Jahren mit ihm verheiratet. Ich lernte ihn im Teenageralter kennen. Damals war alles sehr schön und wir waren verliebt. Das sind wir zwar immer noch, aber mittlerweile quälen mich Zukunftsängste.

Seit Monaten denke ich immer wieder darüber nach, wie mein Leben aussehen könnte, wenn ich nicht in einer Beziehung wäre. Ich merke dabei oft, dass ich mir eine Zukunft auch ohne meinen Mann vorstellen kann.

Er ist gut zu mir und behandelt mich super. Nun hat er neulich einen Kinderwunsch geäußert. Für mich wäre es ein Albtraum, wenn wir jetzt Kinder hätten. Warum habe ich solche Gedanken, wenn ich doch so einen tollen Mann an meiner Seite habe?

Antwort von Dr Sex

Liebe Carmela

Die Jugend ist kompliziert geworden, seit der US-Rapper Drake 2012 in seinem Song «The Motto» den Begriff YOLO – You Only Live Once – kreiert hat. Das Akronym wurde von der Teenie-Kultur aufgenommen und zum modernen «Carpe diem» – Geniesse den Tag – umfunktioniert, das im letzten Jahrhundert der 68er-Bewegung als Mantra diente.

Der potenziell durchaus positive Sinn in diesem Begriffs-Konstrukt ist jedoch längst zu einem Witz geworden. Mittlerweile wird der Ausdruck nur noch leichtfertig benutzt, um damit die eigene Verantwortungslosigkeit zu rechtfertigen oder sich für einen begangenen Blödsinn zu entschuldigen.

Durch die Heirat deiner Jugendliebe mit 20 hast du einen atypischen Weg gewählt. Während nämlich deine Altersgenossen in vollen Zügen ihre sogenannte Freiheit genießen und bestenfalls noch «Freundschaften mit Vorzügen» pflegen – man könnte sie auch als «Bumsfreundschaften» bezeichnen –, übst du dich in Verbindlichkeit.

Kein Wunder, dass auch du diese gesellschaftliche Tendenz zur Unverbindlichkeit spürst und dir manchmal vorstellst, wie dein Leben aussehen könnte, würdest du dich ebenfalls ganz der YOLO-Mentalität unterordnen. Dies ist auch total okay, solange du nicht den Kopf verlierst und wirklich zu glauben beginnst, du würdest etwas verpassen.

Das Gras scheint immer grüner auf der anderen Seite des Zauns. Aber auch die freakigste Party geht einmal zu Ende – und der Kater danach unterscheidet sich in nichts von demjenigen nach einem banalen Besäufnis mit Freunden. Du tust daher gut daran, dich nicht blenden zu lassen.

Ich rate dir, das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen. Verheiratet zu sein bedeutet ja nicht, nur noch zu Hause zu sitzen und TV zu gucken. Geh aus – mit deinem Partner und auch allein. Triff dich mit Freunden und lass dich auch mal auf einen Flirt ein. Ich denke, du wirst dann bald merken, dass auch in diesem «anderen Leben» nicht alles Gold ist, was glänzt. Alles Gute!

(L'essentiel/wer)