Dr Sex

12. September 2018 14:14; Akt: 12.09.2018 14:17 Print

«Ich kann nicht mehr als drei Tage ohne Sex sein»

Seit Irma einen neuen Freund hat, kann sie der Lust kaum noch widerstehen. Was kann sie tun, um ihr Begehren wieder in den Griff zu bekommen?

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Mehr Sex führt nicht automatisch zu mehr Befriedigung. Filmszene aus Love and other drugs. Bild: Twentieth Century Fox

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Frage von Irma (26) an Dr Sex: Ich habe schon seit ein paar Monaten einen neuen Freund. Seit ich mit ihm zusammen bin, habe ich einen sehr ausgeprägten Drang nach Sex entwickelt. Aus meiner vorherigen Beziehung kenne ich das nicht. Da war ich eher lustlos, wenn es um Sex ging.

Mit meinem neuen Partner möchte ich eigentlich fast täglich schlafen. Er hingegen hat immer weniger Lust darauf und blockt meine Verführungsversuche immer häufiger ab. Das frustriert mich und deshalb möchte ich meine Lust auf Sex auch dringend loswerden.

Ich erhoffe mir davon auch, dass die Leidenschaft wieder zurückkehren wird, die durch den häufigen Sex komplett verloren gegangen ist. Leider schaffe ich es aber nicht, länger als drei Tage enthaltsam zu sein. Wie kann ich diesen Drang loswerden? Oder kann ich etwas tun, um der Lust länger zu widerstehen?

Antwort von Dr Sex

Liebe Irma

Deine Rezepte in Sachen Sex scheinen nicht zu dem zu führen, was dir schmeckt und das Gefühl gibt, satt oder – um beim eigentlichen Thema zu bleiben – sexuell befriedigt zu sein. Dass dieser Mangel an Befriedigung nicht mit immer noch mehr Sex ausgeglichen werden kann, hast du ja bereits selber gemerkt.

Auch Studien bestätigen, dass mehr Sex nicht automatisch zu mehr Zufriedenheit führt. Am wohlsten scheinen sich Paare zu fühlen, wenn sie sich einmal in der Woche dem Liebesspiel hingeben. Sobald die Frequenz geringer ist, sinkt auch die Zufriedenheit. Ist sie höher, steigt sie jedoch nicht an.

Was dein Problem angeht, ist es für mich daher naheliegend, den Blick erst einmal ganz auf die Qualität der sexuellen Interaktion zu werfen. Also auf die Frage, was für ein Menü ihr da jeweils gemeinsam – oder möglicherweise auch jeder für sich – zubereitet; welche Zutaten ihr dafür verwendet und mit welcher Geschwindigkeit ihr es verspeist.

Zuerst einmal empfehle ich euch, ab sofort weniger Sex zu haben, dabei aber mehr von dem zu machen, was euch wirklich berührt – auch im Herzen. Ohne mit dem Gegenüber auf der Herzensebene in einer tiefen Beziehung zu sein, dürfte es nämlich auf Dauer ziemlich schwierig oder gar unmöglich sein, eine tief empfundene Befriedigung zu erleben.

Wichtig scheint mir aber auch, dass ihr eure individuellen Konzepte von Sex genauer unter die Lupe nehmt und sie danach gemeinsam besprecht. Es ist nämlich sehr wahrscheinlich, dass dein Freund andere Ansprüche hat, sowohl an den Inhalt als auch an die Häufigkeit. Und dass es mehr dein Aktivismus ist – und nicht der Sex an sich –, der ihm in letzter Zeit zu viel wurde.

Weniger, aber dafür stimmiger Sex, der in einem Raum von gegenseitiger Wertschätzung, Respekt und Liebe stattfindet, wird sich mit Bestimmtheit anders anfühlen und möglicherweise in die Nähe von dem führen, was du dir wünschst. Probiers aus – und wenn es nicht auf Anhieb klappt: Bleib geduldig dran. Alles Gute!

(L'essentiel/wer)