Kies und Schotter

08. September 2019 16:52; Akt: 08.09.2019 16:55 Print

Instagram zeigt «Gärten des Grauens»

Ein Kies- oder Schottergarten mag ästhetisch aussehen. Ökologisch betrachtet ist er fast immer eine Katastrophe.

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Kies- und Schottergärten liegen schwer im Trend. Sie entstehen vor Einfamilienhäusern, Mietskasernen und auf Firmengeländen. Kiesverkäufer und Gartengestalter werben mit nur wenigen Wartungsstunden pro Jahr.

Wer einen Garten hat, muss pflanzen, jäten, giessen. Das Kiesbett in Grau, Braun, Rosa und anderen Steinfarben dagegen verspricht ewige Freiheit von Gärtnern, Nachbarschaftsstreit, Insekten und Unkraut.

Ein Kies- oder Schottergarten ist ästhetisch schlicht, aufgeräumt und mit nur wenig Arbeit immer tipptopp gepflegt. Wenn sich die Eigentümergemeinschaft nicht einigen kann, die Mieter sowieso nicht und alles andere viel zu teuer ist, greifen immer mehr Haushalte zu Stein.

Um Bewuchs zu verhindern, wird der Boden mit einem Vlies oder einer Plane bedeckt, auf der Kies oder Schotter verteilt wird, damit nichts, aber auch gar nichts wurzelt. Wem Schotter nicht farbig genug ist, der greift zu Glasbruchstücken.

Ökologisch ist das fast immer eine Katastrophe. Die Steine stammen meist aus dem fernen Ausland, zum Beispiel aus Asien. Zur Auflockerung werden oft nicht heimische, pflegeleichte Zierpflanzen gepflanzt. Zum Ärger von Imkern, Stadtgärtnern, Biologen und Klimaspezialisten.

Mit einem Steingarten, der so gestaltet wird, dass zum Beispiel Gebirgspflanzen dort eine passende Umgebung vorfinden, hat ein Schotterbett übrigens nichts zu tun.

Kiesgarten ist das Endgame im Ökopoker

Was dermaßen grünreduziert ist, benötigt weder CO2 zum Wachsen noch Regenwürmer, die den Boden auflockern. Die Artenvielfalt bleibt überschaubar, über den Boden fließt kaum noch Wasser ab. Im Hinblick auf den nächsten und übernächsten Hitzesommer sollten sich die Bewohner urbaner Häuserschluchten zudem gut überlegen, ob sie sich dem Trend anschließen wollen.

Im Vergleich zu einer Straße mit Bäumen und Sträuchern kann es laut Greenpeace auf einer nicht begrünten Straßen um die 20 Grad mehr haben. Gut geeignet wäre ein Schottergarten eher dafür, sich die Auswirkungen von Klimawandel und Artensterben täglich vor Augen zu halten.

Für die nachbarschaftliche Gemeinschaft kann Kies ebenfalls negative Folgen haben. Forscher in Philadelphia haben in einer Studie an 500 Brachflächen herausgefunden, dass es in der Nähe begrünter Fläche weniger Kriminalität gibt. Warum das so ist, wissen sie nicht.

«Gärten des Grauens»

Die erfolgreiche Wüstengestaltung liegt auch nicht jedem im Blut. Gutes Anschauungsmaterial bieten da die Instagram- und Facebookseite «Gärten des Grauens», die regelmäßig Bilder steiniger Gartensünden postet, zum Teil mit ironischen oder fast poetischen Kommentaren. Kieswüsten neben Garagentoren, auf denen sich neben einer bepflanzten Schubkarre drei todsicher nie besetzte Klappstühle langweilen, wechseln sich mit Gartenleuchten im Kiesbett und Kunstpflanzen ab.

Wer einen Schottergarten besitzt, muss nebenbei trotzdem aufräumen. Was auf die Steinwüste fällt, muss weg. Seien es Bonbonpapierchen, Blätter, Hundehaufen, Staub oder tote Insekten. Daraus bildet sich früher oder später eine hauchdünne Humusschicht, die nach Arbeit oder Pestiziden verlangt. Sonst gibt die Natur alles und es wächst noch ein wenig Moos. Oder womöglich sogar ein Grashalm.

Kennen Sie auch solche Beispiele in Luxemburg? Senden Sie uns gerne ihre «Gärten des Grauens» an web@lessentiel.lu.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • changeons am 09.09.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    il est plus que grand temps de mettre des fleurs pour notre biodiversité que d avoir ses monstruosité.

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  • dusninja am 08.09.2019 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fast immer? Immer, denn es sind dann auch nur Koniferen vornhanden...super (schlecht) für Bienen. Einige Städte in Deutschland haben diese Unart deswegen bereits per Satzung bereits verboten.

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  • Julie am 09.09.2019 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    um der Betonwüste der Stadt zu entfliehen aufs Land gezogen und in der Schottenwüste gelandet

Die neusten Leser-Kommentare

  • Stch am 11.09.2019 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    L'année passée il y a eu des inondations dans notre rue...eh ben des voisins disposent d'un tel desert de cailloux...faut pas s'étonner :-(

  • Leute sind einfach nur faul... am 10.09.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine mini quadratmeter kann ich ja noch verstehen... jedoch was spricht gegen eine einfache Wiese also nur Gras an statt Blumen und Pflanzen falls man keine Lust hat. zumals auf eine riesengroßen fläche? Rasenmähen kann doch nicht so anstrengend sein... Leute sind einfach nur faul...

    • für faule Rasenmähertypen am 10.09.2019 16:32 Report Diesen Beitrag melden

      der Biodiversität dient eine Rasenmäherfläche nichts, da sie keine Nahrung für Insekten hergibt, nur aus Gras besteht und das Rasenmähen verseucht die Umwelt ... für faule Rasenmähertypen ist es daher ratsamer für die Umwelt eine Blumenwiese anzulegen, die nicht gemäht werden muss u Sträucher, deren Früchte Vögel Nahrung u Schutz bieten ...u/ o einen Gemüsegarten anlegen, Obstbäume u -sträucher ... Vielfalt ist keine einfältige Monokulturgraslandschaft, sondern eine diverse bunte Blütenvielfalt übers ganze Jahr ...

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  • Peter am 10.09.2019 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Je vis à la campagne, 2 de mes voisins ont changé leur pelouse pour ça. Je pense que c'est pour ne pas avoir à tondre...résultat c'est moche, ont dirait un payasage lunaire avec du gravier gris.

  • changeons am 09.09.2019 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    il est plus que grand temps de mettre des fleurs pour notre biodiversité que d avoir ses monstruosité.

    • agissons am 09.09.2019 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      parfaitement, ce n est que demonstration de regardé mon beau parterre sans un seul brin d'herbe comme il est beau et en plus c est bourré de pesticide. rien de mieux que des belles fleures.

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  • Julie am 09.09.2019 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    um der Betonwüste der Stadt zu entfliehen aufs Land gezogen und in der Schottenwüste gelandet