Erntehelfer fehlen

01. April 2020 07:23; Akt: 01.04.2020 09:48 Print

Wird das Gemüse im Supermarkt bald teurer?

Wegen der geschlossenen Grenzen fehlen auf den Feldern in Deutschland etwa 300.000 Saisonarbeiter. Das wird sich auch auf den Preis für Gemüse auswirken.

storybild

Erntehelfer stechen die ersten Spargelstangen auf einem Feld. Aber wer holt den Spargel aus der Erde, wenn die Saisonarbeiter ausbleiben? (Bild: DPA/Peter Steffen)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Spargelbauer Jörg Heuer hat schnell reagiert: Als die Bundesregierung vergangene Woche ankündigte, ausländischen Saisonarbeitern wegen des neuen Coronavirus die Einreise zu verweigern, charterte der 49-Jährige kurzerhand ein eigenes Flugzeug. Für eine fünfstellige Summe, wie er sagt, ließ er rund 120 Rumänen einfliegen, um seine Ernte - und damit sein Geschäft - zu retten.

Er hat einen Personalengpass bei der Ernte in diesem Jahr gerade noch abgewendet. «Wir kommen zurecht», sagt er. In der Branche allerdings gebe es dieses Jahr deutlich weniger Erntehelfer als sonst. Auch ihm hätten viele bewährte Helfer diesmal abgesagt. Spargel ist ein Luxusgemüse, man kann auch ohne ihn gut leben. Für Heuer aber ist der Spargel die wirtschaftliche Existenzgrundlage. «Wir leben von diesen drei Monaten», sagt Heuer über die Ernte. «Das können wir nicht verlegen wie die Messen oder ein Fußballspiel.»

Verbraucher müssen sich auf höhere Preise für Gemüse einstellen

Der Einreisestopp treffe Obst-, Gemüse- und Weinbaubetriebe, aber auch größere Betriebe in der Tierhaltung «sehr hart», sagt auch der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied. Die Einschränkungen müssten daher «so kurz wie möglich» gehalten werden. Einige Obst- und Gemüsesorten drohen Rukwied zufolge sogar knapp zu werden. «Die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln ist nicht gefährdet, dennoch kann es durchaus bei verschiedenen Kulturen im Obst- und Gemüsebereich zu Versorgungslücken kommen.» Die Verbraucher müssten sich zudem auf höhere Preise einstellen: «Diese Verknappung wird auch Auswirkungen auf den Preis haben.»

Hennies, Vizepräsident des Landvolks, dem niedersächsischen Bauernverband betont, dass es schnelle Lösungen brauche, um Engpässe auf den Feldern abzuwenden. Der Spargel müsse jetzt geerntet werden. Aber: «Keiner weiß, wer's machen soll.» Ähnliches gilt für die Aussaat anderer Gemüsesorten, etwa Brokkoli und Kohl.

Das Agrarministerium setzt derweil auf Unterstützung aus dem Inland. «Die Bauern alleine können das nicht schaffen», heißt es. «Wir brauchen jetzt Menschen, die bereit sind, aushilfsweise in der Landwirtschaft zu arbeiten.» Dafür wurden die Rahmenbedingungen erleichtert: Saisonarbeiter können nun länger sozialversicherungsfrei arbeiten - statt wie bisher 70 Tage sind jetzt 115 Tage möglich.

Wer soll das Gemüse ernten?

Doch wer soll die Arbeit machen? Mehrere Online-Plattformen helfen bei der Vermittlung, um überhaupt noch Saisonarbeiter zu finden. Der Bauernverband und der Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) bieten diesen Service jetzt kostenlos an. Auf einem anderen Portal der Landwirtschaftskammern meldeten sich binnen Tagen bereits rund 1000 Interessierte.

Die Hilfsangebote freuen die Landwirte. Sie sind allerdings nur eine Notlösung, wie Landvolk-Vize Hennies erklärt. «Spargelstechen ist eine Technik, die muss man können. Da muss man auch eine gewisse Leistung pro Stunde erbringen, und es muss eine vernünftige Qualität dabei herauskommen», sagt er. Die Vorstellung, dass ungelernte deutsche Helfer die Saisonkräfte aus Osteuropa ersetzen, hält er für «nicht unmöglich, aber schwierig». Spargelbauer Heuer sagt, er setze die Deutschen lieber im Verkauf und als Fahrer ein als auf dem Feld.

(L'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iris Gläser am 01.04.2020 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ja auch nicht so, als wäre Gemüse in diesem Land bisher ein Schnäppchen gewesen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Iris Gläser am 01.04.2020 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist ja auch nicht so, als wäre Gemüse in diesem Land bisher ein Schnäppchen gewesen.