Corona-Pandemie

03. April 2020 17:27; Akt: 04.04.2020 02:00 Print

«Die Zeit für Lockerungen ist noch nicht gekommen»

LUXEMBURG – Premierminister Xavier Bettel und Gesundheitsministerin Paulette Lenert riefen am Freitag zum Durchhalten auf – und informierten über die Lage in der Krise.

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Paulette Lenert und Xavier Bettel luden am Freitag erneut zur Pressekonferenz zum Thema Corona. (Bild: Editpress)

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«Wir sind noch nicht über den Berg, aber es zeigt sich, dass die Maßnahmen greifen», sagte Premierminister Xavier Bettel am Freitag. Dies, betonte der Staatschef zu Beginn der Pressekonferenz, sei nicht der Verdienst der Politik, sondern der Verdienst des Volkes. Der Verdienst aller, die bisher mit gesundem Menschenverstand handelten und weiter handeln.

Am Freitag wurden in Luxemburg 2608 Covid-19-Fälle bestätigt. Das sind 121 registrierte Erkrankte mehr als noch am Donnerstag. Insgesamt sind nun 31 Corona-Patienten gestorben. 232 Personen werden derzeit aufgrund der Lungenkrankheit Covid-19 im Krankenhaus behandelt, 43 davon auf den Intensivstationen. 174 Krankenhaus-Patienten haben die Infektion überstanden. 500 weitere sind nach 14 Tage langer Quarantäne wieder gesund geworden. Rund 21.500 Menschen wurden hierzulande auf das Virus getestet.

« Die heftigste Zeit kommt noch »

Die Frage, wann die Beschränkungen wieder gelockert werden, werde beantwortet. Allerdings sei dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen. «Wenn wir jetzt die Krise für beendet erklären, war alles, was wir bisher erreicht haben, vergebens. Wir müssen noch durchhalten», sagte Bettel. Sämtliche Bereiche des Lebens würden stets analysiert, es könne aber nicht sein, dass die Wirtschaft in dieser Situation Priorität genieße. Zu gegebener Zeit würden die Restriktionen gelockert. «Die Maßnahmen werden aber nicht alle auf einmal zurückgenommen», so Bettel weiter.

Gesundheitsministerin Paulette Lenert erklärte im Anschluss, dass die Zuwächse bei den täglich registrierten Neuinfektionen auf eine Abschwächung der Krankheit hindeuten: «Wir kommen in eine Phase der Stabilisierung.» Auf das Gesundheitssystem käme nun jedoch «die heftigste Zeit zu». Das Land habe den Höhepunkt der Pandemie noch nicht erreicht. «Es ist wichtig, dass wir jetzt weiter durchhalten», sagte auch Lenert.

« Es herrscht ein nervöser Stillstand »

Ihr Ministerium wolle ab sofort detaillierte Statistiken über die Patienten veröffentlichen, die sich mit dem Virus angesteckt und an Covid-19 erkrankt sind. 1,1 Prozent der Infizierten sind hierzulande gestorben. Das heiße aber nicht, «dass das Virus hierzulande weniger gefährlich ist.» Die niedrige Sterblichkeitsrate in Luxemburg sei auf die vergleichsweise hohe Anzahl der Tests zurückzuführen. Lenert betonte in diesem Zusammenhang noch einmal, dass jeder, der Symptome ausweist, sich testen lassen soll. Das Laboratoire national de santé (LNS) überprüfe derzeit neue Verfahren wie Schnelltests und Immunitätstests.

Lenert hofft, dass es «in Luxemburg nicht zu einer ähnlichen Situation wie in Frankreich kommt», wo die Intensivstationen der Krankenhäuser keine neue Patienten mehr aufnehmen können. Im Gesundheitssystem des Großherzogtums herrsche derzeit «ein nervöser Stillstand», weil das Personal sich für Corona-Patienten bereithalte.

« Wir erwarten weitere Lieferungen »

Desweiteren würden die vier Versorgungszentren des Landes weiter ausgebaut, die Kliniken in Esch/Alzette und Luxemburg haben 43 neue Beatmungsgeräte erhalten. «Es ist schon viel Material eingetroffen. Wir erwarten noch weitere Lieferungen», erklärte die Ministerin.

Nach den Angaben Lenerts haben sich in den vergangenen Tagen zunehmend Menschen im Alter über 70 Jahren mit dem Virus angesteckt. Die Gründe hierfür seien «noch nicht ganz klar». Deshalb sei es umso wichtiger, den Sicherheitsabstand beim Einkaufen einzuhalten und nicht täglich die Supermärkte aufzusuchen. Einkäufe seien keine Ausflüge und keine Freizeitbeschäftigung.

« Die Sache droht sich in die Länge zu ziehen»

Die Gesundheitsministerin teilte mit, dass es auch in Luxemburg vorgekommen sei, dass sich Kranke aus der häuslichen Quarantäne begeben haben und so ihre Mitmenschen gefährdet haben. Dieses Verhalten werde von der Polizei bestraft. Allein am Donnerstag habe die Polizei 60 Verstöße gegen die Maßnahmen festgestellt und protokolliert.

Später ergriff Xavier Bettel noch einmal das Wort. Der Premier sagte, dass er sich den Einsatz von Smartphone-Apps, die den Nutzer in Echtzeit bei einer Begegnung mit einem Infizierten warnen nicht vorstellen kann. Außerdem wolle er keine Maskenpflicht einführen.

Zum Thema Exit-Strategie erklärte Bettel, dass die europäischen Länder nicht gleichzeitig die Maßnahmen herunterfahren könnten. Weil einige Länder noch überhaupt keine Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus ergriffen haben, «droht sich die ganze Sache in die Länge zu ziehen».

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Little Roger am 05.04.2020 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    awer um Muart an der Stadt openeen hänken daat geht,a jo Polfer DP,Bettel DP alles verstaan

  • Einfach Wahnsinn am 03.04.2020 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Jo zéit et an d'Längt, ass eng gudd Saach bis guer näischt méi get. Der Verdienst des Volkes, méi domm get jo och net méi. Bleibt dem Volk ne andere Wahl??? Mengen du hues Corona am Kapp

  • Pit Meier am 03.04.2020 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    "Die niedrige Sterblichkeitsrate in Luxemburg sei auf die vergleichsweise hohe Anzahl der Tests zurückzuführen." Das stimmt, wenn man die Sterblichkeitsrate auf der Basis der Tests oder Positivtests berechnet. Das ist aber ziemlich irrelevant. Bezogen auf die Bevölkerungszahl ist die Sterblichkeitsrate in Luxemburg die zehnthöchste auf der Welt. Vielleicht doch die Altenheime besser schützen, denn von dort stanmen 50% der Sterbefälle!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mer ginn fir domm gehaalen am 06.04.2020 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Leider féelt onser Regierung dat wat éen en gesonden Pragmatismus nennt. Firwat dierf den Cactus Alles verkaafen an aner Geschäfter guer naischt. Firwat hun d'Baumärkt net och mat Konditiounen op fir dat d'Leit dat kaafen kennen fir dohéem eng sënnvoll Beschäftegung ze fannen. Firwat muss eng Waschanlage ob der Tankstell zou sinn? Ech soll dohéem Télétravail machen an meng Kanner e-scooling, awer sämtlech Geschäfter dei Informatik verkaafen mussen zou sinn. ASW ASW. Mer ginn am Moment vill verdommt.

  • kaa am 05.04.2020 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Little Roger Jo, de Maart e Samsteg an der Stad war schon a special event! D’Schickeria, also déi üblech Verdächteg hun mat Kosettercher de passage Muller (fréier Maroquinerie) blockéiert an d’Leit (déi virdrun Ofstand gehaal hun) forcéiert zesummen ze reckelen! E Spaass! An dat ennert den Aaen vun der Buergermeeschtesch déi d’Mairie verloos huet! Wéi gesoot: ee Gaudi! :-(((

  • De Rol am 05.04.2020 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ech well awer mol nach eppes soen, ech denken dat mir dee Virus schons lang an eis hun, an den Uursprong, schon beim Sars oder Mers leit, deen sech zu enger Formmuteiert huet, an iwer Joeren durch Globaliseirung a Reesen mat de Kontakter vun de Menschen sech Verbreet huet an dou, wees net gurch wat bedingt zu desem Corona muteiert huet. Fir wat ech dat denken, as well jo am Ufank gesot gin as, dat Ennerscheeder zweschent dem Chinavirus andem Italienvirus gin. Och hei un all Wessenschaftler, vleicht musse mer mol och esou ee Wee ennersichen. Ech hun awer nach Ideen fir wat ech der Meenung sin.

  • De Rol am 05.04.2020 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ech rufen awer och Behoerden ob, losst an desem Fall mol Leit esou Parken, wou een am Moment net duerf, da get et vill mei Meiglegkeeten, wann de Spuk dann eriwer as, da kenne mer et jo nees aenneren.

  • De Rol am 05.04.2020 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ech denken dat de Corona schons ee Problem as, ech gesin awer muench Reaktiounen, vun Leiden dei schreiwen, wou een de Neid geseit. Bleiwt dach all mol solidaresch, jiddereen huet an deser Situatioun Problemer. Awan een einfach keng loscht huet da soll en einfach an de Boesch. Mir hun hei am Land vill platzen wou et meiglech as spazeiere ze goen, denken einfach a wou et net vill Leit get, a wann een do 5m Afstand haellt da brauch och keen ze faerten, dat en Corona kridd ausser en huet e schons a sech. Gidd einfach ob Platzen wou eben neicht mat Tourismus ze dinn huet.