Covid-19

01. Oktober 2020 14:07; Akt: 01.10.2020 14:07 Print

Forschende finden Erklärung für schwere Verläufe

Manche merken nicht, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben, andere erkranken schwer. Forschende scheinen nun 14 Prozent der heftigen Verläufe erklären zu können.

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In den letzten Monaten hat die Menschheit viel über das neue Coronavirus Sars-CoV-2 dazugelernt. Bislang weitgehend unklar ist jedoch, warum der Erreger, der viele Menschen nur mild erkranken lässt, andere jedoch schwer trifft.

Zumindest einen Teil dieser Fälle könnten nun zwei im Fachjournal Science publizierte Studien erklären. In beiden spielt eine bestimmte Art von Signalstoffen eine Rolle, die sogenannten Typ-1-Interferone. Die Autoren der beiden Arbeiten können so immerhin fast 14 Prozent der schlimmen Verläufe erklären, und auch, warum es Männer häufiger schwer trifft. Die Erkenntnisse geben außerdem Hinweis darauf, wie man die Behandlung verbessern könnte.

Unerkannte Immunschwäche

In der einen Studie untersuchten Forschende um Jean-Laurent Casanova, Infektionsgenetiker an der Rockefeller University in New York, das Blut von 987 schwer an Covid-19 erkrankten Personen. Dabei entdeckten sie bei jedem Zehnten sogenannte Autoantikörper – Antikörper, die sich gegen die Interferone richten, diese also als feindlich wahrnehmen und sie bekämpfen. Bei der Kontrollgruppe, zu der 663 Corona-Patienten mit leichten oder asymptomatischen Verläufen gehörten, waren die Antikörper dagegen nicht zu finden.

Auffällig war auch: Von dieser Fehlfunktion des Körpers, die zu einer Immunschwäche führt, sind vor allem Männer betroffen. 95 der 101 Autoantikörper-Träger waren männlich. Dies könnte erklären, warum ihnen Sars-CoV-2 stärker zusetzt als Frauen.

Genmutationen als Ursache

Die andere Studie liefert eine Erklärung dafür, was die Immunschwäche verantwortet. Für die Arbeit untersuchten die Autoren 13 Genabschnitte, von denen man weiß, dass Mutationen darauf bei anderen Infektionskrankheiten zu schwerwiegenden Verläufen führen können.

Tatsächlich konnten die Forschenden auch bei 23 der 659 schwer an Covid-19 erkrankten Teilnehmer Veränderungen auf acht der Erbgutabschnitte nachweisen. Bei diesen Patienten war auch der Interferon-Spiegel sehr niedrig. Die Forschenden vermuten, dass bei ihnen ein genetisch bedingter Interferon-Mangel die Corona-Infektion hat schlimmer werden lassen. Die Probanden der Kontrollgruppe wiesen keine Genveränderungen auf.

«Zusammen erklären die beiden Arbeiten fast 14 Prozent der schweren Verläufe», fasst Qiang Pan Hammarström, Klinische Immunologin am Karolinska Institut in Stockholm und Co-Autorin der zweiten Studie, die Bedeutung der beiden Studien gegenüber dem Science-Magazin zusammen. «Das ist ziemlich erstaunlich.»

Therapien verbessern

Und nicht nur das: Das Wissen um die Bedeutung der Interferone kann nun helfen, die Behandlung von schwer erkrankten Personen zu verbessern. So könnten Ärzte etwa gezielt nach den Autoantikörpern suchen. Forscher könnten Therapien entwickeln, mit denen die Autoantikörper unschädlich gemacht werden. Bereits jetzt, so berichtet es Zeit.de, laufen weltweit Studien, in denen Patienten synthetische Interferone verabreicht werden, um das Immunsystem zu unterstützen.

Zudem bieten die neuen Erkenntnisse Medizinern die Chance, nicht unbeabsichtigt zur Verschlimmerung der Verläufe beizutragen. Zum Beispiel durch konsequente Testung von potenziellen Blutplasma-Spendern. Dabei identifizierte Träger der Autoantikörper könnten dann von der Spende ausgeschlossen werden, damit sie die Interferon-hemmenden Stoffe nicht weitergeben können und so statt für Verbesserung für eine Verschlechterung des Zustands des Empfängers sorgen.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • alles bekannt am 03.10.2020 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    unbekannte Immunschwäche durch unbekanntes Junkfood u Gendefekte durch undeklarierte Gentech im Food ...

  • Dr.Ingo Ossendorff am 02.10.2020 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Durch Vermeidung der Infektion kann man einen Teil der Probleme lösen. Feiern mit hundert und mehr Personen sollten unterbleiben oder aber auf mehrere von zwanzig bis fünfzig aufgeteilt werden, zumindest bis sich die Lage entspannt hat. Dabei ist es leichter möglich, Abstand zum Nachbarn zu halten und Ansteckung zu vermeiden und dennoch seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dr.Ingo Ossendorff

  • Déiwessenochnetwatsewellen am 01.10.2020 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Den Moien sooten se nach et géing un den Neanderthal Genen leien.

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  • alles bekannt am 03.10.2020 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    unbekannte Immunschwäche durch unbekanntes Junkfood u Gendefekte durch undeklarierte Gentech im Food ...

  • Dr.Ingo Ossendorff am 02.10.2020 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Durch Vermeidung der Infektion kann man einen Teil der Probleme lösen. Feiern mit hundert und mehr Personen sollten unterbleiben oder aber auf mehrere von zwanzig bis fünfzig aufgeteilt werden, zumindest bis sich die Lage entspannt hat. Dabei ist es leichter möglich, Abstand zum Nachbarn zu halten und Ansteckung zu vermeiden und dennoch seinen Verpflichtungen nachzukommen. Dr.Ingo Ossendorff

  • Déiwessenochnetwatsewellen am 01.10.2020 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Den Moien sooten se nach et géing un den Neanderthal Genen leien.

    • die Natur lässt sich nicht belügen am 02.10.2020 07:56 Report Diesen Beitrag melden

      u weil wir den Neandertaler in uns falsch ernähren, der an Steinzeitkost gewohnt ist, u wir ihn nur noch mit genverändernder Gentech, Industriechemifood & Zuckersprudeldrinks belügen u betrügen, ist unser Neandertalerimmunsystem überlastet u gestresst u kann abgeschwächt seiner Arbeit als Sicherheitsarmee des Körpers nicht mehr nachkommen, kann keine Gifte u deformierte Zellen mehr rausschmeissen, weil es zu Hause krank im Bett liegt u genauso fiebert, wie wir u unsere Erde, die wir Tag für Tag mehr zerstören u so verfallen wir alle in einen verwirrten Fieberzustand, ehe die Erde vereist!

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