Restaurantbesuch

24. April 2020 13:12; Akt: 24.04.2020 13:29 Print

Klimaanlagen können Virus weiterverbreiten

Abstand halten ist das Gebot der Stunde. Wenn die Klimaanlagen angeschmissen werden, sollte dieser laut neuer Studie noch größer sein.

Dieses Video der Bauhaus-Universität Weimar zeigt, wie sich sich Atemluft beim Husten ausbreitet.

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Bereits zwei bis drei Tage vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen können an Sars-CoV-2 Infizierte hochgradig infektiös sein können. Das ist mit ein Grund, warum sich das Virus innerhalb weniger Monate weltweit ausbreiten konnte. Denn wer nicht weiß, dass er erkrankt ist, geht sorglos vor die Tür.

Welche Folgen das haben kann und welche Rolle dabei zu wenig Abstand und eine laufende Klimaanlage spielt, zeigt nun eine im Fachjournal «Emerging Infectious Diseases» veröffentlichte Studie. In dieser zeichnen die Autoren um Jianyun Lu von der Gesundheitsbehörde in Guangzhou nach, wie ein asymptomatischer Patient am 24. Januar 2020 während eines Restaurantbesuchs zur Mittagszeit zehn weitere Personen angesteckt hat.

Ein Restaurantbesuch, zehn Neuinfektionen

Der Infizierte, der von den Forschern A1 genannt wird, war mit vier Familienmitgliedern (A2-A5) auswärts essen. Die erst vor Kurzem aus Wuhan in die chinesische Stadt Guangzhou gereiste Gruppe sass am mittleren von drei Tischen. An den beiden anderen Tischen waren zwei weitere Familien platziert (B und C). Alle drei Tische befanden sich im Luftstrom von ein und derselben Klimaanlage.

So waren die drei Familien platziert. (Foto: Emerging Infectious Diseases)

Wie Lu und seine Kollegen schreiben, entwickelte A1 noch am selben Tag die ersten Symptome: Mit Fieber und Husten suchte er das Spital auf und erhielt die Diagnose Covid-19. In den Tagen nach dem Restaurantbesuch erkrankten dann auch seine vier Begleiter, genauso wie drei Mitglieder der Familie B und zwei Mitglieder der Familie C.

Die restlichen 73 Gäste des Restaurants blieben dagegen gesund. Sie hatten laut den Forschern nicht im Luftstrom der Klimaanlage gesessen. Auch die acht Mitarbeiter des Betriebs wurden nachfolgend negativ auf Covid-19 getestet.

Klassische Tröpfcheninfektion ausgeschlossen

Diese Auffälligkeit deutet gemäß dem Team um Lu auf eine Beteiligung der Klimaanlage hin, in deren Luftstrom die drei Familien gesessen haben. Dieser sei zunächst über den Tisch der Familie C geströmt, dann über den der Familie des Erkrankten, bevor er schließlich den Tisch von Familie B erreichte. Offenbar sei die Luft danach wieder vom Klimagerät angesaugt worden. Anders ist nicht zu erklären, warum nicht nur Mitglieder der Familie B erkrankten, sondern auch Angehörige der Familie C, so die Forscher.

Die Klimaanlage verströmt Luft, saugt sie aber auch wieder an. (Foto: Emerging Infectious Diseases)

Für ein Mitwirken spricht noch ein weiterer Punkt, so die Forscher: «Die Virusübertragung kann nicht allein durch Tröpfchenübertragung erklärt werden.» Voraussetzung für eine solche sei nämlich ist, dass sich die andere Person in direkter Nähe befindet. Ansonsten würden die Tröpfchen aufgrund ihres Gewichts zu Boden sinken.

Mehr Abstand in klimatisierten Räumen

Da die Abstände zwischen den Tischen der Familien A, B und C aber alle größer waren als Tröpfchen fliegen können, käme das als Erklärung nicht in Frage. «Der Luftstrom aus der Klimaanlage könnte die Tröpfchen jedoch über eine größere Distanz als üblich befördert haben.»

Schwäche der Studie: Lu und seine Kollegen weisen darauf hin, dass nicht erwiesen ist, dass sich alle Patienten im Restaurant bei A1 infizierten. Dieser könnte seine Angehörigen genauso gut außerhalb angesteckt haben. Ebenso könnte sich in den Familien B und C zunächst eine Person infiziert und das Virus später zuhause an die anderen weitergereicht haben. Da die Erkrankungen jedoch alle in etwa zur gleichen Zeit auftraten, sei davon nicht auszugehen. Die Forscher betrachten es als gesichert, dass A1 im Restaurant mindestens je eine Person an den beiden Nachbartischen übertragen hat.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dusninja am 25.04.2020 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Julie: So eon Unfug, wenn man die Funktion eine Klimaanlage kennen würde. Da wird entfeuchtet, befeuchtet, lauter Keimschleudern. Deswegen ist es mitnichten wie Wind schon nicht wegen dem bewegtem Volumen. Erste Vermutungen gab es schon wegen den +Fahrtschiffen. Es gibt auch (teure) Heparfilter, die das vermeiden, manchem zu teuer

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  • Julie am 24.04.2020 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ob eine Klimaanlage die Luft bewegt oder die Menschen im Raum umherlaufen (Einkaufszentrum) kommt aufs gleiche raus, im Freien ist es der Wind der den Virus weiterträgt, ausserdem werden Viren von allem was in der Luft schwebt transportiert, das gilt für Staub, Pollen, Wasserdampf respektiv Rauch, am meisten Angst macht mir allerdings Nebel, spätestens im Herbst ist er wieder da sein, der steht so schon in der Luft ( Nebel des Grauens )

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dusninja am 25.04.2020 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Julie: So eon Unfug, wenn man die Funktion eine Klimaanlage kennen würde. Da wird entfeuchtet, befeuchtet, lauter Keimschleudern. Deswegen ist es mitnichten wie Wind schon nicht wegen dem bewegtem Volumen. Erste Vermutungen gab es schon wegen den +Fahrtschiffen. Es gibt auch (teure) Heparfilter, die das vermeiden, manchem zu teuer

    • Julie am 26.04.2020 17:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Dusninja : Klimatechnik ist genau mein Ding. Der Effekt der in diesem Artikel beschrieben wurde ist einfach nur der dass die Luft von einem Tisch zum nächsten geblasen wird, sowie im Bild dargestellt handelt es sich wahrscheinlich um das Innenteil einer Splitanlage da ist nix mit Befeuchtung. Ja genau die von einer Klimaanlage bewegte Luft kann weder in Volumen noch in Geschwindigkeit mit der Natur mithalten, habe jedenfalls noch keine Klimaanlage gesehen die Häuser abdeckt oder Bäume ausreisst.

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  • Julie am 24.04.2020 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ob eine Klimaanlage die Luft bewegt oder die Menschen im Raum umherlaufen (Einkaufszentrum) kommt aufs gleiche raus, im Freien ist es der Wind der den Virus weiterträgt, ausserdem werden Viren von allem was in der Luft schwebt transportiert, das gilt für Staub, Pollen, Wasserdampf respektiv Rauch, am meisten Angst macht mir allerdings Nebel, spätestens im Herbst ist er wieder da sein, der steht so schon in der Luft ( Nebel des Grauens )