Was ist ein Leben wert?

25. März 2020 22:06; Akt: 25.03.2020 22:19 Print

Lieber die Wirtschaft oder die Großmutter retten?

In den USA tobt eine erbitterte Debatte darüber, was schädlicher ist: eine tiefe Rezession oder eine höhere Zahl von Corona-Toten.

Donald Trump will die Coronakrise und die massiven Einschränkungen schnell hinter sich lassen. Parteifreund Dan Patrick freut sich darüber. (Video: Twitter/Tamedia).

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Die Zahl der Corona-Infizierten steigt in den USA rasant: Am Mittwoch wurden bereits 55.000 Fälle und mehrere Hundert Tote gezählt, viele Bundesstaaten oder Städte verhängten Ausgangssperren.

Gleichzeitig ist im Land aber eine Debatte darüber entbrannt, was besser für das Land sei: die Zahl der Toten zu minimieren oder eine tiefe Rezession. So fordern Vertreter der Republikaner, dass die USA möglichst schnell wieder die Wirtschaft hochfahren sollten.

Vize-Gouverneur nimmt Opfer in Kauf

Besonders weit aus dem Fenster lehnte sich der Vize-Gouverneur von Texas, Dan Patrick. Auf dem TV-Sender Fox News sagte er: «Wir werden den wirtschaftlichen Kollaps haben. Lasst uns zurück zur Arbeit gehen. Opfert nicht das Land.» Niemand habe ihn als älteren Mitbürger gefragt, ob er bereit sei, sein Leben zu riskieren im Tausch gegen den Erhalt des geliebten Amerika für die Kinder und Urenkel. Er wäre dazu bereit, meinte Patrick. Er habe sechs Enkel. Und wie er würden viele Großeltern da draußen denken. Die Frage, ob es Schlimmeres gebe, als zu sterben, bejahte er.

Trump warnt vor Suiziden

In eine ähnliche Richtung hatte bereits US-Präsident Donald Trump argumentiert. Er will offenbar bis zum 12. April wieder in den Normalzustand übergehen. Auf Twitter schrieb er, die Heilmethode dürfe nicht «stärker als das Problem selbst» sein.

Gegenüber Fox News sagte er, man müsse schauen, wo man in 15 Tagen stehen werde. Er machte aber auch klar, dass man das «größte und erfolgreichste Land der Welt» nicht einfach schließen könne. «Man wird mehr Menschen verlieren, indem man das Land in eine massive Rezession oder Depression stürzt.» Er warnte vor Instabilität und vor «Tausenden von Suiziden».

Auf der anderen Seite steht der demokratische Gouverneur des US-Bundesstaates New York, Andrew Cuomo. Er rechnet damit, dass man in seinem Staat in zwei bis drei Wochen rund 140.000 Betten brauchen wird. Er schlug Alarm und forderte in Washington Tausende Beatmungsgeräte an. An die Adresse von Trump schrieb er auf Twitter: «Meine Mutter ist unentbehrlich. Ihre Mutter ist unentbehrlich.» Niemand solle den Aktienmärkten zuliebe vom Sozialdarwinismus reden . In einem anderen Tweet schrieb er: «Wir sind nicht bereit, 1 bis 2 Prozent der New Yorker zu opfern.»

(L'essentiel/daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jean Muller am 26.03.2020 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwo hat Trump ja Recht: wenn die Heilung schlimmer ist als die Krankheit, dann stellt sich halt die Frage was vorzuziehen ist: ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende. "Er warnte vor Instabilität und vor «Tausenden von Suiziden»" ... und er weiss auch, dass ein neuer Bürgerkrieg das Land auf Jahrzehnte hinaus zerstören kann; von der - grösseren - Anzahl der möglichen Todesopfer mal abgesehen. Viele Amis vertrauen ihrer Regierung und ihrem Militär inzwischen weniger als wir hier unseren Ratten (und NEIN, damit sind nicht unsere hiesigen Politiker gemeint!!).

  • Claude am 25.03.2020 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an den Usa waerten et wuel eischter 6 bis 10 %gin weint der gesonter liewensweis.

  • kaa am 26.03.2020 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fir déi Leit déi dem Trump sénger Arithmétique Beifall spenden, just eng Fro: „sidd dir och bereet ab engem gewessen Alter knallhart éliminéiert ze gin oder bei X Joren iech emzebrengen zum Notzen fir Economie, Nikkei Index, usw?“

Die neusten Leser-Kommentare

  • kaa am 26.03.2020 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fir déi Leit déi dem Trump sénger Arithmétique Beifall spenden, just eng Fro: „sidd dir och bereet ab engem gewessen Alter knallhart éliminéiert ze gin oder bei X Joren iech emzebrengen zum Notzen fir Economie, Nikkei Index, usw?“

  • Jean Muller am 26.03.2020 00:20 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwo hat Trump ja Recht: wenn die Heilung schlimmer ist als die Krankheit, dann stellt sich halt die Frage was vorzuziehen ist: ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende. "Er warnte vor Instabilität und vor «Tausenden von Suiziden»" ... und er weiss auch, dass ein neuer Bürgerkrieg das Land auf Jahrzehnte hinaus zerstören kann; von der - grösseren - Anzahl der möglichen Todesopfer mal abgesehen. Viele Amis vertrauen ihrer Regierung und ihrem Militär inzwischen weniger als wir hier unseren Ratten (und NEIN, damit sind nicht unsere hiesigen Politiker gemeint!!).

  • Claude am 25.03.2020 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an den Usa waerten et wuel eischter 6 bis 10 %gin weint der gesonter liewensweis.