Coronavirus

09. April 2020 19:45; Akt: 09.04.2020 19:53 Print

«Nach 30 Tagen bin ich immer noch positiv»

Ist die Quarantänedauer ausreichend? Das fragt sich Alessandro Politi. Bei ihm ist das Virus einen Monat nach der Diagnose immer noch nachweisbar.

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Fieber, starke Kopfschmerzen und heftiges Halsweh: Als Alessandro Politi Anfang März 2020 mit diesen Symptomen erwacht, setzt er alles daran, auf das Coronavirus getestet zu werden. «Als Reporter stehe ich schließlich täglich mit zahlreichen Menschen in Kontakt», so der Italiener in der Sendung «Le Iene», für die er sonst eigentlich tätig ist (siehe Video unten). Das Ergebnis sei positiv gewesen.

Da Covid-19 bei Politi einen milden Verlauf nahm, «der mich an eine Grippe erinnerte», habe er sich für die in Italien angesetzten 15 Tage in häusliche Quarantäne begeben und sich anschließend erneut testen lassen. «Obwohl ich mich bereits gut fühlte und die Symptome verschwunden waren, war mein Ergebnis noch immer positiv», berichtet Politi. Genauso bei zwei weiteren Abstrichen in den darauf folgenden Tagen.

Damit gilt der 30-Jährige auch einen Monat nach der Diagnose noch immer als krank. Denn um als geheilt zu zählen, müssen auch in Italien zwei Tests negativ ausfallen.

Hypothese und Frage

Darauf angesprochen, ob sie das häufig sähen, «stellten meine Ärzte die Hypothese auf, dass ich möglicherweise eine besonders aggressive Viruslast abbekommen hätte», sagt Politi. «Zwar käme mein Körper offensichtlich gut damit zurecht, aber es dauert länger, sie zu beseitigen.»

In der Folge habe er sich gefragt, ob die vorgegebene Quarantänedauer nicht noch einmal überprüft werden müsste: «Wie viele Menschen werden nicht getestet, sondern begeben sich nach der vorgegebenen Frist wieder nach draußen? Vielleicht ist das der Grund, warum sich so viele Menschen infizieren? Ist man sicher, dass 15 Tage Isolation ausreichen?»

Wie lange ist man ansteckend?

Eine vor wenigen Tagen im Fachjournal «Nature» veröffentlichte Studie gibt darauf Antwort. In dieser waren Forscher um Christian Drosten von der Berliner Charité der Frage nachgegangen, wie lange Covid-19-Patienten überhaupt ansteckend sind.

Dazu wurden diesen bis zu 28 Tage nach Beginn der Symptome täglich Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum und Proben des Husten-Auswurfs entnommen. Zusätzlich sammelten sie Stuhl-, Blut- und Urin-Proben. Alle Proben wurden dann unabhängig voneinander in zwei Labors auf Sars-CoV-2 hin analysiert, heißt es in einer Mitteilung.

Acht Tage infektiös

Ergebnis: Die Virusausscheidung im Rachen der Covid-19-Erkrankten war in der ersten Woche nach Beginn der Symptome sehr hoch. Auch im Husten-Auswurf konnten große Mengen Virus-Erbgut nachgewiesen werden. Sowohl aus den Rachen-Abstrichen als auch aus dem Husten-Auswurf ließen sich infektiöse Virus-Partikel isolieren.

Ab dem 8. Tag fanden die Forscher keine infektiösen Viruspartikel mehr – selbst dann, wenn die Patienten – wie Alessandro Politi – noch positiv getestet wurden. Dies liege daran, erklärt Marylyn Addo, Leiterin Infektiologie am Universitätsklinikum Eppendorf gegenüber N-tv.de, dass das PCR-Verfahren, das man für die Abstriche verwende, «nicht nur lebendes Virus, sondern auch totes» und damit nicht mehr ansteckendes anzeige.

Damit zeigt die Studie, dass die Anweisungen des Bundesamts für Gesundheit BAG zur Selbstisolation gerechtfertigt sind. Laut diesen darf die häusliche Quarantäne aufgehoben werden, «wenn seit den ersten Symptomen mindestens 10 Tage verstrichen sind» und man 48 Stunden lang keine Krankheitssymptome mehr hatte.

(L'essentiel)

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