Studie angelaufen

18. Mai 2020 14:24; Akt: 18.05.2020 14:32 Print

Schützt dieser Impfstoff auch gegen Covid-​​19?

In Deutschland werden 1000 Menschen gegen Tuberkulose geimpft. Aber nicht um sie vor der Lungenkrankheit zu schützen. Der Stoff soll sie vor Sars-CoV-2 schützen.

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Eine Frau lässt sich gegen Tuberkulose impfen. (Bild: DPA/Fredrik von Erichsen)

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Zunächst war es nur eine Beobachtung: In Regionen, wo es keine Impfpflicht gegen Tuberkulos (TBC) gibt, schlägt Sars-CoV-2 deutlich härter zu. Dies sei etwa in Italien oder den USA der Fall, wie Forscher um Gonzalo Otazu vom New York Institute of Technology in ihrer noch nicht von externen Fachleuten begutachteten Studie berichten.

Auch in Deutschland ist diese Auffälligkeit zu sehen. So sind die östlichen Bundesländer deutlich weniger vom Coronavirus betroffen, wie Lothar Wieler, Direktor des Robert Koch-Instituts, während einer Pressekonferenz festhielt. In der DDR wurde die Impfung gegen Tuberkulose (BCG) ab 1953 flächendeckend bei allen Neugeborenen am dritten Lebenstag verabreicht. Im Westen, wo die Zahl der Corona-Infizierten und -Toten wesentlich höher ist, gab es diese Pflicht nicht.

Entsprechend sehen Forscher darin ein klares Indiz dafür, dass die Impfung Sars-CoV-2 bremsen kann.

Ein Impfstoff, der gegen vieles schützt

Tatsächlich ist seit Jahren bekannt, dass der TBC-Impfstoff nicht nur gegen den Tuberkulose-Erreger, sondern gegen eine Vielzahl Erreger schützt. Dänische Forscher kamen sogar zu dem Schluss, dass bis zu ein Drittel aller Infektionskrankheiten durch durch die Impfung gegen TBC verhindert worden ist. Dies, indem der Impfstoff das Immunsystem allgemein stimuliert und die Immunantwort verbessert, wie die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) schreibt.

An ihr wollen Mediziner nun das Potenzial des Vakzins gegen Covid-19 testen. Dafür sollen 1000 Personen geimpft werden, die beruflich mit Sars-CoV-2 in Kontakt kommen: Ärzte sowie Mitarbeiter im Pflege- und Rettungsdienst.

Große Hoffnungen

«Im Idealfall verringert die Impfung die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken», erklärt Christoph Schindler, MHH-Professor und Leiter der Studie. Der Wirkstoff gelangt über das Blut in die Lymphknoten und verändert dort die körpereigenen Abwehrzellen. Wenn dann Coronaviren die Lunge befallen, werden weiße Blutkörperchen aktiv. Die als Fress- und Killerzellen bekannten Immunzellen bekämpfen die Viren in der Lunge und hindern sie daran sich zu vermehren – wenn alles gut läuft.

« Im Idealfall verringert die Impfung die Wahrscheinlichkeit, an Covid-19 zu erkranken »

Das so geimpfte Krankenhauspersonal wäre dann zwar nicht gegen Sars-CoV-2 immun, könnte dank der auch gegen Virusinfektionen gestärkten Abwehrzellen aber besser geschützt sein und es gäbe weniger Ausfälle in der Krankenversorgung.

Komme es doch zu einer Infektion, könnte die verbesserte unspezifische Immunantwort den Verlauf der Covid-19-Symptome deutlich abschwächen und sogar dann noch helfen, wenn sich das Coronavirus verändern sollte, hofft der Mediziner. Das käme auch Risikopatienten zugute, etwa vorerkrankten oder älteren Menschen.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jean Muller am 18.05.2020 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre nett, vor allem weil der Impfstoff offensichtlich nicht mal gegen TB hilft: ca. 10.000.000 Erkrankungen pro Jahr, davon 1.500.000 Tote. (offizielle Statistik der WHO!)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jean Muller am 18.05.2020 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre nett, vor allem weil der Impfstoff offensichtlich nicht mal gegen TB hilft: ca. 10.000.000 Erkrankungen pro Jahr, davon 1.500.000 Tote. (offizielle Statistik der WHO!)

    • WhaleWhisperer am 18.05.2020 18:09 Report Diesen Beitrag melden

      Da müsste man aber auch mal schauen: wie viele TBC-Erkrankte waren vor ihrer Infektion gegen TBC geimpft? Und zwar regelkonform d.h. mit den nötigen Auffrischungen? Richtige TBC Prävention und -Behandlung versagt vielerorts in der Welt aus Kostengründen wegen mangelhafter oder inexistenter Sozialversicherung.

    • Jean Muller am 18.05.2020 21:58 Report Diesen Beitrag melden

      Da hier nicht genug Platz ist um eine extensive Antwort zu schreiben und Direktlinks gelöscht werden, suchen Sie nach 'Tuberculosis who fact-sheets detail'. Oben rechts klicken für die französische Version. Laut WHO wurden 58 Millionen Menschen zwischen 2000 und 2018 gerettet. Eine genaue Impzahl habe ich nicht gefunden, aber die allermeisten Fälle stammen aus Entwicklungsländern (97%), davon Afrika (67%). Wenn die 1,5 Millionen Todesfälle egal sind, dann müssten wir mal unsere Einstellung zu Menschenleben allgemein überprüfen! Denn wenn sie auch für CoVid-19 gilt schwahnt mir sehr Böses :(

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