Kein Lockdown

02. April 2020 18:42; Akt: 02.04.2020 18:48 Print

Schweden setzen auf riskanten Corona-​​Plan

In Schweden sind Kindergärten und Restaurants weiter geöffnet. Trotz internationaler Kritik setzt man hier auf einen riskanten Corona-Plan.

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Menschenleere Straßen in den Metropolen rund um den Globus durch strenge Quarantäne-Maßnahmen: Ein Anblick, an den man sich fast schon gewöhnt hat. In Schweden setzt man auf jedoch auf einen anderen Kurs. Die rot-grüne Minderheitsregierung unter Stefan Löfven setzt dabei ganz auf die Expertise des schwedischen Gesundheitsamts, zu dem auch der Staatsepidemologe Anders Tegnell gehört, der einen Lockdown und Grenzschließungen als «völlig sinnlos» bezeichnete.

Dem 63-Jährige geht es primär um den Schutz von Alten und Menschen mit Vorerkrankungen, sonst soll das Leben so normal wie möglich weiter laufen. Man wolle aber auch «eine gewisse Herdenimmunität» erreichen. Haben sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert, gilt das Virus als besiegt. Der riskante Plan: Die Bevölkerung soll eine eigene Einsicht entwickeln. «Es gibt eine individuelle Verantwortung, die muss jeder für sich selbst, für seine Mitmenschen und sein Land übernehmen», sagte Löfven.

«Sehr, sehr kniffliges Experiment»

Dafür bleiben die Kindergärten, Grundschulen und Restaurants in dem skandinavischen Land geöffnet, EU-Bürger dürfen weiter einreisen. Einzig Gymnasien, Universitäten und Berufsschulen sind geschlossen und setzen auf digitalen Fernunterricht.

«Es ist ein sehr, sehr kniffliges Experiment, das ganze Volk für vier bis fünf Monate einzuschließen», so Johan Carlson, der Chef des schwedischen Gesundheitsamts. Die Infektionskurve aber flacht nicht ab, sie steigt tendenziell weiter an. Bisher sind 24.500 Personen getestet worden, 4.435 davon positiv, 180 Schweden sind an einer Covid-19-Infektion gestorben.

Experten sagen italienische Verhältnisse voraus

«Solange die Kinder in den Schulen herumspringen und sich anstecken, wird es auch in der Gesellschaft zu einem Anstieg der Infektionen kommen», meint etwa die pensionierte Virologie-Professorin der Universität Oslo, Björg Marit Andersen. Die Nachbarländer Dänemark und Norwegen haben einen Lockdown nach Vorbild des Kontinents in Kraft gesetzt, ebenso Finnland.

Das schwedische Gesundheitsamt spricht von einem «konstanten Anstieg». Dennoch: Seit letzten Freitag sind Versammlungen von mehr als 50 Personen verboten. Die Skigebiete müssen am kommenden Montag schließen und auf das lukrative Ostergeschäft verzichten.

In Stockholm wurde ein großes Feldlazarett auf dem Messegelände aufgebaut, mit einer Intensivstation und 140 Betten, die auf 600 erweitert werden könnten. Zu wenig, befürchten Experten und sagen Schweden bald italienische Verhältnisse voraus.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SRAS V1 survivor! am 03.04.2020 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Le confinement des malades et un système de notification permet d'arrêter toutes les épidémies. Comme dans le passé. La globalisation en générale mais en particulier des quarantaines est totalement inefficace.

  • Unsinn am 03.04.2020 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    wenn wir suchen, finden wir

  • Julie am 03.04.2020 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    90 % der Toten sind alte und kranke Leute, die "verstopfen" die Intensivbetten. Diese alten Leute (alle in Rente) sollte man maximal schützen, so werden 90% der Betten frei, damit schafft man Platz für eventuelle jüngere Patienten. Bei freier Ausbreitung verläuft die Pandemie exponentiell (Verdoppelung alle 4 Tage ) und so könnte man eine Herdenimmunität in etwa 35 Tagen erhalten! der Spuk wäre also innerhalb 2 Monaten vorbei! Es werden auch einige Kinder sterben (Jedes Jahr sterben tausende Kinder an Grippe, bei Corona werden nur Einzelfälle gemeldet) Schweden könnte richtig liegen !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • On vera am 03.04.2020 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Attendez, ça ne va pas durer longtemps, prenez l'exemple de l'Angleterre ils sont partis sur ce principe , mais ont vite fait marche arrière...

  • Unsinn am 03.04.2020 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    wenn wir suchen, finden wir

  • SRAS V1 survivor! am 03.04.2020 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Le confinement des malades et un système de notification permet d'arrêter toutes les épidémies. Comme dans le passé. La globalisation en générale mais en particulier des quarantaines est totalement inefficace.

  • Gänsefüßchen am 03.04.2020 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    "Plan".

  • Julie am 03.04.2020 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    90 % der Toten sind alte und kranke Leute, die "verstopfen" die Intensivbetten. Diese alten Leute (alle in Rente) sollte man maximal schützen, so werden 90% der Betten frei, damit schafft man Platz für eventuelle jüngere Patienten. Bei freier Ausbreitung verläuft die Pandemie exponentiell (Verdoppelung alle 4 Tage ) und so könnte man eine Herdenimmunität in etwa 35 Tagen erhalten! der Spuk wäre also innerhalb 2 Monaten vorbei! Es werden auch einige Kinder sterben (Jedes Jahr sterben tausende Kinder an Grippe, bei Corona werden nur Einzelfälle gemeldet) Schweden könnte richtig liegen !

    • Veritas am 05.04.2020 00:38 Report Diesen Beitrag melden

      Nur 4% der Bevölkerung stirbt (wie sie gesagt haben, eher ältere und kranke Menschen), wenn jeder die nötige nötige medizinische Unterstützung bekommt. Wird das System überlastet, so erhält 20% der Bevölkerung keine notwendige medizinische Hilfe, so dass 20% der Bevölkerung wegstirbt, auch junge und ansonsten gesunde Menschen. Schweden könnte für ein Massensterben seiner eigenen Bevölkerung verantwortlich sein.

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