Coronavirus

29. Juni 2020 13:24; Akt: 29.06.2020 13:25 Print

Virus «zombifiziert» Zellen mithilfe von Tentakeln

Ist eine Zelle mit Sars-CoV-2 infiziert, wachsen aus ihr offenbar mit Viruspartikeln übersäte Tentakeln. Diese übertragen das Virus dann auf gesunde Zellen.

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Die Erkenntnis klingt, als sei sie dem Script eines Horrorfilms entnommen. Doch sie stammt tatsächlich aus einer im Fachjournal Cell veröffentlichten Studie. In dieser war ein internationales Forscherteam um Mehdi Bouhaddou von der University of California in San Francisco (UCSF) der Frage nachgegangen, wie das neuartige Coronavirus sich so gut in unserem Körper ausbreitet.

Dabei stießen sie auf zwei Mechanismen, die dem Virus den Weg ebnen.

Außergewöhnliches Verhalten infizierter Zellen

Durch Umprogrammierung von menschlichen Proteinen verhindert Sars-CoV-2 einerseits «die Teilung menschlicher Zellen und hält sie an einem bestimmten Punkt im Zellzyklus fest», erklärt Co-Autor Pedro Beltrao, Gruppenleiter am EMBL (Europäisches Institut für Bioinformatik) in einer Mitteilung. Dadurch erhalte das Virus eine relativ stabile Umgebung, die es ihm erleichtere, sich weiter zu vermehren.

Andererseits wachsen aus einer mit Sars-CoV-2 infizierten Zelle lange, verzweigte, armähnliche Stränge, die mit Viruspartikeln besetzt sind – sogenannte Filopodien. Diese könnten dem Virus dabei helfen, gesunde Zellen zu erreichen, sie zu befallen und sie ebenfalls «zu zombifizieren», wie Latimes.com schreibt. Um diesbezüglich ganz sicher zu sein, so das Team um Bouhaddou, bedürfe es allerdings noch weiterer Studien.

Sollten diese die These der Forscher bestätigen, breitet sich das neuartige Coronavirus nicht nur anders aus als viele andere Viren, die sich über Zellreproduktion vermehren, sondern auch deutlich effizienter.

Schnelle Virusweitergabe

Die Entdeckung, dass das Coronavirus infizierte Zellen zum Wachstum von Filopodien initiiert, lässt vermuten, dass es irgendwann in seiner Entwicklung mehr als eine Möglichkeit entwickelt hat, um sicherzustellen, dass es schnell von Zelle zu Zelle weitergegeben wird.

Das ist laut Nevan Krogan, Professor an der UCSF, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, «unheimlich» – und für den Menschen problematisch. Denn ein schneller Anstieg infizierter Zellen erhöht typischerweise die Viruslast eines Opfers, es lässt sich krank fühlen und fördert die Übertragung des Virus auf andere Menschen.

Alte Medikamente, neue Therapieansätze

Die neuen Erkenntnisse sind jedoch nicht nur negativ: «Die ausgeprägte Visualisierung der ausgedehnten Verzweigung von Filopodien verdeutlicht einmal mehr, wie das Verständnis der Biologie hinter Virus-Wirt-Interaktionen mögliche Eingriffspunkte gegen die Krankheit aufzeigen kann» sagt Krogan in der Mitteilung.

Konkret heißt das: Die Forscher haben in Folge ihrer Studie Dutzende bereits zugelassene Medikamente ausmachen können, die verhindern könnten, dass Sars-CoV-2 menschliche Proteine zu seinem eigenen Nutzen umprogrammiert.

Sieben dieser Verbindungen – in erster Linie krebs- und entzündungshemmende Medikamente – zeigten in Laborexperimenten starke antivirale Eigenschaften. Diese haben laut Krogan «ein großes Potenzial zur Bekämpfung von Covid-19» – entweder allein oder in Kombination mit anderen Mitteln.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarkast-opgepasst! am 29.06.2020 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welche Medikamente?

  • Jean-Claude am 30.06.2020 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe man hat aus meinem Kommentar bei "«L'Europe ne doit pas rater la sortie du vaccin»" einen Artikel gemacht. :) Ich finde man solte die frühe Behandlung von Dr. Raoult zulassen da der Lancet sich für die Fakestudie entschuldigt hat. Die Behandlung von Raoult kostet vielleicht 20 Euro, die von Gilead Sciences Remdesivir 2340 Dollar. Das Verbot von HC hilft Gilead Sciences jetzt zu einem guten Profit. Frühhzeitig genommen kann HC mit Zinksulfat bei jedem die Vierenzahl drasstig reduzieren. Alle positiv getesteten COVID-Kranke sollten HC bekommen.

  • Bilderberger am 29.06.2020 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jo an deen virus soll aus der natur kommen? Wer's glaubt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jean-Claude am 30.06.2020 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Ich sehe man hat aus meinem Kommentar bei "«L'Europe ne doit pas rater la sortie du vaccin»" einen Artikel gemacht. :) Ich finde man solte die frühe Behandlung von Dr. Raoult zulassen da der Lancet sich für die Fakestudie entschuldigt hat. Die Behandlung von Raoult kostet vielleicht 20 Euro, die von Gilead Sciences Remdesivir 2340 Dollar. Das Verbot von HC hilft Gilead Sciences jetzt zu einem guten Profit. Frühhzeitig genommen kann HC mit Zinksulfat bei jedem die Vierenzahl drasstig reduzieren. Alle positiv getesteten COVID-Kranke sollten HC bekommen.

  • Bilderberger am 29.06.2020 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jo an deen virus soll aus der natur kommen? Wer's glaubt!

    • Jean-Claude am 30.06.2020 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      Ja seltsam. Seltsam man fand das COVID-19 Virus schon in den 800ml Probeflaschen von Kläranlagen Wochen oder gar Monate vor dem Ausbruch in Wuhan in vielen europäischen Städten. (Puzzling study detects coronavirus in Spain wastewater from March 2019) Vielleicht hatte das Virus noch nicht die D614G Mutation die Ihre Spikes sehr flexibel machten so dass sie nicht so leicht abbrachen und damit erst richtig infektiös für den Menschen wurden. Auch gab es erste COVID-19 Kranke in Paris im November 2019.

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  • Sarkast-opgepasst! am 29.06.2020 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welche Medikamente?

  • Jhempy am 29.06.2020 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neben allen anderen alltäglichen Artikeln mal ein lobenswerter interessanter Artikel aus dem Cambridge Network. Wenn auch nicht selbst verfasst, bitte mehr solch fundiertes Wissen.