USA

15. Mai 2020 11:59; Akt: 15.05.2020 11:59 Print

Was passiert, wenn Donald Trump an Covid-​​19 erkrankt?

Trotz zwei Covid-19-Fällen im Weißen Haus tragen weder der Präsident noch sein Vize Schutzmasken. Das Protokoll sieht genau vor, wer im Krankheitsfall die Vertretung werden würde.

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Das Coronavirus ist ins Weiße Haus eingedrungen: Die Sprecherin von Vizepräsident Mike Pence und ein Butler von Donald Trump sind letzte Woche positiv getestet worden. Kommt dazu, dass nun Zweifel am Schnelltest aufgekommen sind, den der US-Präsident bei fast jeder Gelegenheit als Wunderwaffe im Kampf gegen das Coronavirus anpreist. Sein Land teste mehr als jedes andere, das Ergebnis stehe nach Minuten fest und überhaupt: Auch er, sein Vize und die Mitarbeiter im Weißen Haus würden täglich mit den Schnelltests des Pharmakonzerns Abbot Laboratories getestet, erklärt Trump gerne.

Fehlerhafte Tests im Weißen Haus?

Doch jetzt stellte eine Studie fest, dass diese Tests eine hohe Fehlerquote aufweisen. Das galt für fast jeden zweiten Test mit einem Negativergebnis. So waren 48 Prozent der negativen Testresultate unzuverlässig, wenn das für den Abstrich benutzte Stäbchen, wie vom Hersteller empfohlen, trocken war. Wurde das Stäbchen in Flüssigkeit gelagert, war demnach etwa ein Drittel der Negativergebnisse fehlerhaft. Die Studie muss noch von anderen Forschern gegengeprüft werden und ist bislang nur vorläufig veröffentlicht worden.

Testhersteller Abbot Laboratories wies die Ergebnisse der Untersuchung zurück. Das Unternehmen habe mehr als 1,8 Millionen der Tests verteilt, so ein Konzernsprecher. Dabei hätten sie nur 0,02 Prozent Rückmeldungen über fehlerhafte Negativergebnisse erhalten.

«Es gibt ein Protokoll für alles»

Es wird sich zeigen, wer recht hat. Doch der Umstand, dass Covid-19-Fälle nun auch im Weißen Haus aufgetreten sind und die dort täglich verwendeten Schnelltests möglicherweise falsche Ergebnisse anzeigen, zieht eine delikate Frage nach sich: Was passiert, wenn der US-Präsident an Covid-19 erkrankt? Oder noch schlimmer: Was, wenn der Präsident und sein Vize gleichzeitig erkranken würden?

«Es gibt ein Protokoll für alles», sagt David Axelrod zur Nachrichtenagentur Bloomberg. «Wir machten Routinedrills für den Fall eines Terroranschlags oder eines nuklearen Angriffs. Ich hätte aber ehrlich nie gedacht, dass das Weiße Haus so wie jetzt von einer Pandemie bedroht sein könnte», so der Berater von Trumps Vorgänger Barack Obama.

Was, wenn der Präsident nicht mal mehr twittern könnte?

Nachrichten einer Covid-19-Ansteckung des US-Präsidenten würden mit Sicherheit einen Börsenabsturz nach sich ziehen, prognostiziert der renommierte Politberater Ian Bremmer. «Aber dass der britische Premier Boris Johnson sich relativ schnell von seiner Krankheit erholt hat, dürfte Händler trösten.» Solange Trump die Regierungsgeschäfte weiterhin leiten könne, seien die Auswirkungen auf den Markt minimal – «selbst wenn ein positiv getesteter Trump sich in Quarantäne begeben müsste und vom Bett aus wie verrückt twittert».

Für den Fall, dass Trump einen schweren Krankheitsverlauf durchmachen müsse, und er «zu krank wäre, um zu twittern», gibt es immer noch den 25. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung. Dieser besagt, dass der Präsident die Regierungsleitung an seinen Vize weitergeben und später wieder übernehmen kann.

So geschehen, als der 43. Präsident der USA, George W. Bush, sich zwei medizinischen Eingriffen unterziehen musste oder als Ronald Reagan 1981 bei einem Attentat in Washington verletzt worden war. In beiden Fällen übernahmen die Vizes Dick Cheney respektive George H. Bush.

Die Albtraumnachfolgerin der Republikaner

Im statistisch gesehen wenig wahrscheinlichen Worst-Case-Szenario erkranken der US-Präsident und sein Vize gleichzeitig so schwer, dass keiner mehr die Regierungsverantwortung übernehmen kann. Auch in diesem Fall ist die Nachfolge durch die Verfassung klar geregelt: Die Sprecherin des Abgeordnetenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, würde übernehmen – für Trump und seine Republikaner ein absolutes Albtraumszenario.

Das Weiße Haus beruhigt derweil, es gebe keinen Grund zu Alarmismus. Ohne Details zu nennen, betonte eine Sprecherin, es stünden Pläne für alle Eventualitäten bereit. Dennoch sind Mitarbeiter im Weißen Haus besorgt, weil Trump, Vize Pence und ihre Mitarbeiter schon seit Wochen eng miteinander verkehren. Viele tragen im Weißen Haus keine Masken, zuletzt der Präsident. «Pence sollte dem Weißen Haus fern bleiben, so wie es Vizepräsident Dick Cheney bei 9/11 tat», sagt ein ehemaliger Trump-Mitarbeiter. Doch Pence arbeitet täglich weiter im Weißen Haus – nur vom Präsidenten hält er sich fern, nachdem seine Pressesprecherin erkrankt war.

Masken für alle – außer Trump und Pence

Berater wie der Immuniologe Anthony Fauci hingegen begaben sich nach Bekanntwerden des Falles in die Selbstisolation. Präsident Trump dürfte diese Vorsichtsmaßnahme wenig passen. Mitarbeitern zufolge will er den Anschein der Normalität im Weißen Haus möglichst aufrechterhalten. Das solle die Bevölkerung davon überzeugen, dass sie ihre Häuser verlassen und wieder Geld ausgeben können, um die angeschlagene Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Immerhin geht es Trump um nichts Geringeres als seine Wiederwahl im Herbst.

So hat er mittlerweile eine Maskenpflicht für das Weiße Haus erlassen. Sie gilt für alle Mitarbeiter, nicht aber für den Präsidenten.

(L'essentiel/Ann Guenter)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WhaleWhisperer am 15.05.2020 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    «selbst wenn ein positiv getesteter Trump sich in Quarantäne begeben müsste und vom Bett aus wie verrückt twittert» Wenn das Risiko besteht, dass Trump in der Isolation / im Krankenschein unkontrolliert twittert und eventuell medialen Schaden anrichtet, könnte die Netzwerkadministration im Weissen Haus ihm doch wahrscheinlich ein internes Proxy-Twitter auf einem internen Server auf sein Telefon spiegeln, wo jeglicher Post nochmal von einem internen Moderator der Presseabteilung des Weissen Hauses validiert wird bevor er ins öffentliche Twitter gesendet wird...

  • Nancy am 15.05.2020 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Trump wird nicht an Covid-19 erkranken. Dann auch ein Virus hat seinen Stolz.

    einklappen einklappen
  • Niemand am 15.05.2020 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Um auf die Frage zu antworten: Dann sind wir alle glücklich . . . .

Die neusten Leser-Kommentare

  • Léon am 17.05.2020 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Un bon départ un fou en moins

  • QAnon am 16.05.2020 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wat där hei en Shit schreift. Gott sei dank liesen net vill leit deen shit hei

  • Wéi laang nach am 16.05.2020 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    den Donald Trump kann keen Corona kréien ! Och e Virus huët séin Stolz ....

  • honga am 16.05.2020 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das eine Fangfrage?

  • Greta am 15.05.2020 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Corona mag gefährlich sein. Aber viel gefährlicher ist der Umstand dass Trump, Putin und der verrückte Kim die Macht über 500 Millionen Menschen haben.