Aufbaustrategie

11. Oktober 2019 14:23; Akt: 11.10.2019 14:23 Print

«Frostpunk» für PS4 im Test: Eiskalt am Punkt

Werden PC-Strategiespiele auf Konsolen portiert, kann das in der Katastrophe enden. Wie man es richtig macht, zeigt «Frostpunk» neu auf PS4 und Xbox One.

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Eine Viertelmillion Mal hat sich die «Frostpunk» innerhalb von nur drei Tagen verkauft, als es im April 2018 erschienen ist – und wurde wegen der düsteren Steampunk-Atmosphäre ebenso gelobt wie für moralischen Konflikte, vor die das Game den Spieler stellt. Bei jedem anderen Spiele-Genre wäre eine folgende Konsolen-Umsetzung die logische Konsequenz gewesen, doch bekanntlich ist das bei Strategiespielen kein leichtes Unterfangen.

Die plötzliche Umstellung von Maus und Tastatur auf Gamepad und die wegfallende Übersichtlichkeit durch geringere Zoom- und Minimap-Möglichkeiten haben bei Konsolen-Ports schon ganz andere Strategie-Perlen floppen lassen. Mit Spannung wird deswegen auch der Konsolenumsetzung des Strategie-Giganten Sid Meier's Civilization VI am 22. November 2019 entgegengefiebert.

Schon jetzt ist «Frostpunk» für Playstation 4 und Xbox One zu haben. Der Titel spielt in einer alternativen Vergangenheit, in der katastrophale Schneestürme und eisige Temperaturen im Jahr 1886 Millionen an Menschen an Kälte und Hunger sterben ließen. Wer Glück hatte – wie unsere Spielfigur samt einer kleinen Gruppe Begleiter – konnte sich zu einem Hitze-Generator retten. Dabei handelt es sich um einen gewaltigen Heizkessel mitten im Eis. Doch auch dort droht Gefahr.

Überleben in der Eiswelt

Einerseits zeigt sich «Frostpunk» als klassisches Aufbaustrategiespiel. Mit den knappen Ressourcen kann eine kleine Siedlung errichtet und immer weiter ausgebaut werden. Unter den Siedlern befinden sich Arbeiter und Ingenieure ebenso wie Zivilisten und Kinder. Je nach Aufgabenbereich versuchen sie, in Minen Kohle und Stahl oder in kargen Feldern Obst und Gemüse anzubauen sowie Holz zu schlägern.

Ein Auge muss der Spieler darauf haben, dass er den Temperaturlevel der Siedlung trotz wachsender Größe konstant hält und auch für die wachsende Gruppe Nahrung bereit stellt – das Ziel ist schließlich, bis zum rettenden Frühling, mag er denn kommen, durchzuhalten. In vier einstellbaren Schwierigkeitsgraden lässt sich entweder locker flockig oder mit Schweißperlen auf der Stirn zocken. Bis zu diesem Punkt zeigt «Frostpunk» bis auf die sehenswerte, düstere Steampunk-Grafik auch wenig Unterschiede zu so gut wie jedem anderen Aufbaustrategie-Titel.

Das «The Walking Dead» der Spiele

Spannend macht «Frostpunk» aber, dass es auch das «The Walking Dead» der Spielewelt ist. Nahrung ist immer knapp und kann zu Kämpfen unter den Siedlern führen. Kranke können mit Extra-Versorgung auf Kosten der Gesunden gepflegt oder einfach ignoriert werden, weil die Medizin sowieso nicht für alle reicht.

Ankommende kann man aufnehmen, auf die Gefahr hin, dass die knappen Ressourcen gänzlich weg sind. Oder man schickt sie weg, um die eigenen Bürger zu schützen, obwohl man weiß, dass draußen nur der Tod wartet.

«Frostpunk» führt nach und nach immer stärkere politische, religiöse und ethische Mechaniken ein, die den Spieler jeweils vor eine Wahl stellen, bei der es keinen «richtigen» Weg gibt und die immer zu einem moralischen Konflikt führt. Befiehlt man den Überlebenden die Aufgaben und lässt Kinder schuften – oder lässt man sie nach ihrem Glauben handeln und schützt die Schwächsten? Das lässt der Titel dem Spieler offen, und schafft dabei durch die Kälte ein ähnlich atmosphärisches Abenteuer, wie es «The Walking Dead» mit den Zombies macht.

Auch Grausig-Realistisches nicht ausgespart

«Frostpunk» spart auch grausige, aber realistisch gestaltete Details nicht aus. So stellt sich etwa die Frage, was mit den Toten der Gruppe passieren soll. Ein Friedhof wäre moralisch notwendig, doch der kostet Arbeitskräfte und Ressourcen. Wirft man die Toten dagegen einfach ins Eis, setzt das der Psyche zu, spart aber Kräfte. Oder soll man gar in den Leichen selbst noch wertvolle Ressourcen bei der Nahrungs- und Medizin-Knappheit sehen?

«Frostpunk» würde nicht funktionieren, wenn das Spiel und nach jeder getroffenen Entscheidung auf die Finger klopfen würde. Auf eine Belehrung verzichten die Macher aber zum Glück, sondern belohnen die getroffene Entscheidung. Sicher, jede Wahl hat gute wie schlechte Auswirkungen, aber auch ihre ganz eigenen Möglichkeiten, die sich im weiteren Spielverlauf freischalten. Wer etwa als gütiger, fast gottgleicher Beschützer auftritt, schaltet andere Werkzeuge und Funktionen frei als Alphatiere, bei dem die Schwächsten auch am wenigsten zählen.

Geniale Konsolen-Steuerung

Da sich das eher kurze Spiel (nach rund sieben bis acht Stunden ist man durch) so schnell verzweigt, macht es auch immer wieder spielbar. Je nach Wahl wird man eine andere Geschichte mit neuen Spielmechaniken und zumindest eine teilweise unterschiedliche Storyline erleben. Außerdem bietet das Spiel noch weitere Modi, in denen sich der Spieler Spezialaufgaben stellen soll, sowie einen Endlos-Modus oder einen Art Sandbox-Modus.

Genial ist der Machern von 11 bit Studios die Portierung der PC-Version auf die Konsole gelungen und man merkt dem Titel an, dass sich die Entwickler detailliert Gedanken über die Steuerung mit dem Gamepad gemacht haben. Nirgendwo anders geht Simulation auf der Konsole so gut. Per Radialmenü werden die wichtigsten Funktionen ohne komplizierte Menüs aufgerufen, per Schultertasten switcht man zwischen Gebäuden hin und her und im Baumodus platziert sich der Cursor automatisch an passenden Stellen. Spitze: in der Konsolenedition sind auch gleich alle Zusatzinhalte der PC-Version enthalten. Wir sind rundum überzeugt: «Frostpunk: Console Edition» ist auch auf der Konsole ein Strategie-Gigant, den man sich nicht entgehen lassen darf.

(L'essentiel)

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