Recht auf Vergessen

08. August 2014 11:27; Akt: 08.08.2014 11:46 Print

Wikipedia macht Link-​​Löschungen publik

Google hat fünf Wikipedia-Links in seiner Suche gelöscht. Um Transparenz zu schaffen, hat das Online-Lexikon nun veröffentlicht, welche Artikel es betrifft.

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Wikipedia sieht in dem EU-Urteil eine Zensur. (Bild: Keystone) (Bild: Keystone)

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Als «Zensur» und gar als «Tyrannei» beschreibt die Enzyklopädie Wikipedia das EU-Urteil auf Recht auf Vergessen. In der vergangenen Woche hat Google fünf Wikipedia-Links gelöscht. Das bringt den Gründer Jimmy Wales auf die Palme, wie der englische «Guardian» berichtet. «Wir finden diese Art von Zensur inakzeptabel. Aber es ist unentschuldbar, wenn dies ohne Benachrichtigung geschieht.»

Wikipedia versucht deshalb auf Transparenz zu setzen. So hat die Seite alle Mitteilungen zu Löschantragen von Google veröffentlicht. Wikipedia weist dabei darauf hin, dass sie selbst nicht wissen, wer die Entfernung beantragt hat. «Man sollte nicht annehmen, dass der Gegenstand des Artikels den Antrag gestellt hat, da auch andere die Möglichkeit haben könnten, eine Entfernung zu verlangen.» Laut Google ist in vielen Fällen der Name der Person, die eine Löschung will, auch gar nicht prominent zu sehen. Es komme durchaus vor, dass der Name beispielsweise nur in den Kommentarspalten erscheine.

Erst fünf Artikel betroffen

Bei den betroffenen Wiki-Artikeln handelt es sich um zwei englischsprachige, zwei italienische und drei niederländische Beiträge. Darunter ein Foto eines jungen Mannes, der Gitarre spielt, eine Seite über den ehemaligen Kriminellen Gerry Hutch und einen Artikel über den italienischen Verbrecher Renato Vallanzasca.

Google meldet den Website-Betreibern jeweils, wenn es einen Link entfernt. Dies tun jedoch bei Weitem nicht alle Suchmaschinen. In den aktuellen Fällen wisse man von der Löschung, allerdings sei es sehr gut möglich, dass auf anderen Suchmaschinen bereits Wikipedia-Links gelöscht wurden. «Suchmaschinen sind nicht rechtlich verpflichtet, Löschungen zu melden», sagt Geoff Brigham, Justiziar bei Wikipedia, gegenüber dem «Guardian».

Auch wenn Google die Löschanträge den Website-Betreibern meldet, haben die Wikipedia-Chefs an der größten Suchmaschine wenig Freude. Von 91'000 Löschanträgen hat Google 53 Prozent umgesetzt. Viel zu viel in den Augen von Wikipedia. Die Enzyklopädie habe selbst 304 Anfragen auf Entfernung von Inhalten erhalten, jedoch keine einzige bewilligt, so die Betreiber des Online-Lexikons.

(L'essentiel/dia)

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