Zukunftsmusik

16. August 2018 15:57; Akt: 16.08.2018 15:58 Print

K.I. verbessert Lippensynchronisierung

SAARBRÜCKEN — Schlecht synchronisierte Filme sollen dank einer künstlichen Intelligenz bald der Vergangenheit angehören. Aber die Technik birgt auch Gefahren.

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Unter anderem durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz haben Informatiker des Max-Planck-Instituts für Informatik, Saarbrücken, ein Softwarepaket entwickelt, das den Gesichtsausdruck von Schauspielern an eine synchronisierte Filmversion anpassen kann; der Filmindustrie entstehen dadurch erheblich weniger Kosten und Zeitaufwand. Die Software kann auch zur Korrektur von Blick- und Kopfhaltung in Videokonferenzen verwendet werden und eröffnet neue Möglichkeiten der Video-Postproduktion und visuelle Effekte.

Hyeongwoo Kim vom Max-Planck-Institut für Informatik erklärt: «Wir arbeiten mit modellbasierten 3D-Gesichtsaufnahmen, um die detaillierten Bewegungen der Augenbrauen, des Mundes, der Nase und der Kopfposition des Synchronsprechers in einem Video aufzuzeichnen. Das System überträgt diese Bewegungen auf den Ziel-Akteur im Film, um die Lippen und Gesichtsbewegungen exakt mit dem neuen Ton zu synchronisieren.»

Die Forschung befindet sich derzeit im Proof-of-Concept-Stadium und muss noch in die Praxis umgesetzt werden, doch die Forscher gehen davon aus, dass dieser Ansatz Teile der visuellen Unterhaltungsindustrie massiv verändern könnte.

Benjamin Button wäre damit deutlich günstiger jung geworden

Professor Christian Theobalt vom Max-Planck-Institut für Informatik sagt: «Trotz umfangreicher Postproduktionsanstrengungen produziert die Synchronierung von Filmen in Fremdsprachen noch immer ein Missverhältnis zwischen dem Schauspieler auf der Leinwand und der synchronisierten Stimme. Unser neuer Ansatz Deep Video Portraits ermöglicht es uns, das Aussehen des gezeigten Schauspielers realistisch zu verändern, indem wir Kopfhaltung, Mimik und Augenbewegungen übertragen.»

Ein großartiges Beispiel hierfür ist «Der seltsame Fall des Benjamin Button», wo das Gesicht von Brad Pitt in fast jedem Frame des Films durch eine modifizierte Computergrafikversion ersetzt wurde. Diese Arbeit bleibt ein sehr zeitaufwendiger Prozess, der oft viele Wochen Arbeit von ausgebildeten Künstlern erfordert.

Fälschungen müssen erkennbar sein

«Deep Video Portraits zeigt, wie ein solcher visueller Effekt in Zukunft mit weniger Aufwand erzeugt werden kann. Mit unserem Ansatz können sogar die Platzierung des Kopfes des Schauspielers und sein Gesichtsausdruck problemlos verändert werden, um den Kamerawinkel zu ändern oder den Rahmen einer Szene subtil zu verändern, um die Geschichte besser zu erzählen.»

Parallel dazu entwickelt das Forschungsteam mit derselben Technologie Neuronale Netze, die darauf trainiert sind, synthetisch erzeugte oder bearbeitete Videos mit hoher Präzision zu detektieren; Fälschungen lassen sich dadurch viel leichter erkennen. Die Autoren haben derzeit nicht vor, die Software öffentlich zugänglich zu machen, sondern erklären, dass jede Software, die solche kreativen Anwendungsfälle implementiert, Wasserzeichen enthalten sollte, um Änderungen klar zu kennzeichnen.

(L'essentiel)

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