«Detroit: Become Human»

29. Mai 2018 18:13; Akt: 29.05.2018 18:16 Print

Wenn Androiden zu Verbrechern werden

Wie menschlich dürfen Androiden sein? «Detroit: Become Human» stellt diese Frage auf kluge Weise und macht Spieler hinterhältig fies zu Mittätern.

«Detroit: Become Human»: Wie viel Mensch darf in einem Androiden stecken?

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«Träumen Androiden von elektrischen Schafen?», fragte der Schriftsteller Philipp K. Dick in seinem berühmten, gleichnamigen Sci-Fi-Roman, auf den sich der Kultfilm «Blade Runner» sowie die Fortsetzung «Blade Runner 2049» beziehen. Die zentrale Frage: Können Androiden Gefühle entwickeln und menschlich werden?

Diesem Thema widmet sich auch das Action-Adventure «Detroit: Become Human» von Quantic Dream. Das Mastermind des Studios, David Cage, ist bekannt für Spielideen, die nicht einfach nur den Markt bedienen: Immer war es ihm ein Anliegen, Games für Erwachsene zu entwickeln, die intelligenten und spannenden Fragen nachgehen. Quantic Dreams ist bekannt für Games wie «Heavy Rain» und «Beyond: Two Souls», in denen stets auch psychologische Abgründe ausgelotet wurden. Das gilt ebenso in «Detroit: Become Human», das im Jahr 2038 spielt.

Das eigene Bewusstsein

Spieler schlüpfen darin in die künstliche Haut von drei verschiedenen Androiden. Ihre Aufgabe ist es, den Menschen zu dienen: In der Rolle der künstlichen Wesen putzen Spieler Wohnungen, erledigen Einkäufe oder servieren das Essen. Einer der Androiden ist Polizist, in seiner Rolle untersucht man Tatorte. Gesteuert werden alle Handlungen durch einfache Buttonbefehle, einzelne Sequenzen verlangen schnelle Reaktionen mittels Quick-Time-Events, die allerdings Frustpotenzial bergen. In Dialogszenen werden mittels einer Buttonauswahl zudem Gespräche mit Menschen und anderen Androiden geführt, wobei jeweils nur die Tonalität der Antwort gewählt werden kann, beispielsweise «empathisch», «sachlich» oder «nachdrücklich». Entsprechend wohlwollend oder verärgert reagiert das Gegenüber.

In der futuristischen Welt zeichnet sich nun aber eine gewichtige Verschiebung ab: Einige Androiden entwickeln ein eigenes Bewusstsein. Oder handelt es sich nur um Programmierfehler? Die Androiden beginnen zu fühlen, sich erratisch zu benehmen und das Grundgesetz, den Menschen zu dienen, auszuhebeln. Manche begehen sogar Verbrechen. Kurz: Sie entwickeln nur allzu menschliche Züge. Spieler steuern dies mit, indem sie an Schlüsselstellen Entscheidungen für ihren Spielhelden treffen und über die Zukunft der Figur mitbestimmen.

Ein fieses Spiel

Genau hier beginnt «Detroit» hintergründig zu greifen: Es sind nämlich die Spieler selbst, die die Androiden menschlich agieren lassen. Als Spieler gerät man damit in die Zwickmühle, denn die Situation wirft fiese Fragen auf: Wie gefühlsvoll sollen meine Androiden agieren? Wie ähnlich lasse ich sie mir, dem Menschen, werden? Ein Paradox: Da ich als Spieler selbst Mensch bin, kann ich gar nicht anders als menschlich handeln! Dass am Ende jeder Spielsequenz ein Flowchart mit den gewählten Wegen inklusive Alternativen mit anderem Ausgang gezeigt wird, macht die Sache nicht einfacher: Wie im richtigen Leben können getroffene Entscheidungen nicht rückgängig gemacht werden; das Game geht weiter, selbst wenn der gespielte Android in Teufels Küche gerät. Dies erhöht zum einen den Frust, sorgt aber auch für Abwechslung, wenn man das Game mehrmals spielt.

Dadurch hinterlässt «Detroit: Become Human» bisweilen aber auch das Gefühl, «falsch» gespielt zu haben. Zudem beschränken sich die Spielsequenzen aufs Drücken weniger Buttons und das Werk gleicht eher einem interaktiven Film als einem Spiel. Was Durchdachtheit, relevante Fragen und hintersinniges Erzählen betrifft, ist das Action-Adventure ein brillantes Stück Arbeit und nicht zu schlagen.

Game-Trailer «Detroit: Become Human»

(L'essentiel)

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