Schneeballsystem

16. Februar 2018 14:25; Akt: 16.02.2018 14:24 Print

Bitcoin-​​Sekte knöpft Österreichern Millionen ab

Mit unrealistischen Renditen hat eine Firma aus Österreich Krypto-Investoren geködert. Mit dem System soll die Firma 100 Millionen Euro ergaunert haben.

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Eine Rendite von bis zu vier Prozent pro Woche: Das versprachen die Betreiber der dubiosen Firma Optioment den Investoren. Wer neue Mitglieder anwarb, sollte zusätzlich profitieren. Reißerische Versprechen und abenteuerliche Renditen deuten auch in diesem Fall auf ein klassisches Schnellballsystem hin. Ende November 2017 kollabierte die Plattform. Für die Anleger bedeutete dies einen Totalverlust. Das Geld ist weg, ebenfalls die Hintermänner.

«Die Presse» schreibt zu Optioment vom «größten Kriminalfall im Zusammenhang mit der Kryptowährung Bitcoin, die Europa bisher gesehen hat». Das Epizentrum soll in Österreich liegen.

Österreicher waren beteiligt

Wie viel Geld die Investoren insgesamt hinein gesteckt haben, ist noch unklar. Beteiligte sprechen von bis zu 12.000 Bitcoins, die verschwunden seien. Mit dem aktuellen Kurs wären das weit über 100 Millionen Euro. Bei einer Anwaltskanzlei in Wien liegen Meldungen von mehr als 100 Opfern vor. Insgesamt dürften rund 10.000 Personen der dubiosen Plattform ihr Geld anvertraut haben.

Wie Recherchen von Die Presse und dem Wirtschaftsmagazin Eco ergaben, sollen auch drei Personen aus Österreich an dem Vertrieb der Plattform maßgeblich beteiligt gewesen sein. Für die Story wurden zahlreiche Dokumente, Fotos, Chat-Verläufe und Videos gesichtet. Die Beschuldigten – zwei Brüder aus der Steiermark und ein Niederösterreicher – würden sich jedoch selber als Opfer sehen. Hinter Optioment stünden ein Däne und ein Lette, sagen die Österreicher. Sie hätten die beiden bereits im Dezember wegen Betrugs angezeigt.

Sektenartige Veranstaltungen

Die drei Österreicher, die als die «drei Musketiere» aufgetreten seien, haben ihrerseits eine Anwaltskanzlei engagiert. Diese lässt verlauten: «Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass unsere Mandanten nicht in den Zahlungsfluss eingebunden waren. Unsere Mandanten haben von den Investoren daher weder Geld noch Bitcoins entgegengenommen noch Gelder oder Bitcoins weitergeleitet, sodass sie mit dem Verschwinden der Bitcoins nichts zu tun haben können.»

An Veranstaltungen von Optioment warb die Firma für das System. Eine Frau, die 10.000 Euro investiert hatte, sagte der Zeitung: «Ich habe mich dort gefühlt wie bei einer Sekte.» Zwischen Rollenspielen sei die Einlagensicherung erwähnt worden. Man behauptete, dass Optioment mit 35.000 Bitcoins abgesichert sei. Einige Monate habe es Auszahlungen gegeben, bis das System Ende 2017 zusammenbrach. Ende Januar wurde das dubiose Unternehmen von der Finanzmarktaufsicht mit dem Verdacht auf Betrug und Verletzung des Kapitalmarktgesetzes angezeigt. Auch Interpol ermittelt in dem Fall.

Die Wirtschaftspsychologin Julia Pitters erklärt gegenüber Eco, wieso es selbst für kritische Personen nicht leicht sei, bei solchen Angeboten Nein zu sagen. «Man tut das, was andere tun, und fühlt sich darin bestärkt. Es ist ein klassisches Herdenverhalten», sagt sie. Zudem habe es eine Art künstliche Verknappung gegeben. Man habe sich an den Veranstaltungen entscheiden müssen, ob man investiere. Das habe bei den Anwesenden die Angst ausgelöst, den Zug zu verpassen – und so zu den Verlierern zu gehören.

(L'essentiel/tob/gp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • artemis am 16.02.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Für alle die so blöd sind daran zu glauben. Traurig, dass sowas existiert. Kryptowährung funktioniert nur auf Vertrauens Basis und ist meistens nur für die die das verkaufen ein Geschäft. Für die meisten nur eine bittere Enttäuschung. Wenn die bis reguliert wird fällt das ganzen Kartenhaus zusammen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • artemis am 16.02.2018 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Für alle die so blöd sind daran zu glauben. Traurig, dass sowas existiert. Kryptowährung funktioniert nur auf Vertrauens Basis und ist meistens nur für die die das verkaufen ein Geschäft. Für die meisten nur eine bittere Enttäuschung. Wenn die bis reguliert wird fällt das ganzen Kartenhaus zusammen.

    • dartagnan am 19.04.2018 15:13 Report Diesen Beitrag melden

      Regulierung wird kommen. Das steht fest. Doch diese technologie wird nicht aussterben oder verschwinden! Dafür ist diese zu revolutionär und bringt wegen der Blockchain den bestbekannten schutz bis dato mit sich. Eine Regulierung wird nur die kleineren Tokens betreffen. Bitcoin und Ethereum z.b. werden mit grösster wahrscheinlichkeit erhalten bleiben.

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