Künstliche Intelligenz

20. April 2021 17:09; Akt: 20.04.2021 17:49 Print

Darum ist Google Translate zum Teil sexistisch

Der Online-Übersetzer von Google liefert massenhaft Übersetzungen, die Klischees reproduzieren. Warum das so ist und was man dagegen tun könnte.

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Wenn man ins englische Übersetzungsfeld von Google Translate den englischen Begriff «nurse» eintippt, so übersetzt Google auf Deutsch: die Krankenschwester. «Nurse» kann aber auf Englisch auch einen männlichen Angestellten im Gesundheitsbereich bezeichnen.

Ähnlich im umgekehrten Fall mit Französisch. Tippt man auf Deutsch das Wort «Krankenpfleger» ein, übersetzt Google Translate auf Französisch: «l’infirmière». Das aber bezeichnet eine Krankenschwester. Die Übersetzung ist falsch – und zementiert alte Geschlechterbilder. Wer sich um Kranke kümmert, ist eine Frau – diese Deutung schwingt in der Übersetzung mit.

Ungenaue finnische Übersetzungen

Besonders deutlich wird das anhand finnischer Übersetzungen, wie das Online-Magazin Republik (Bezahlartikel) schreibt. Finnisch unterscheidet bei Sätzen in der 3. Person Einzahl nicht zwischen Geschlechtern. Das Personalpronomen «hän» kann sowohl mit «sie» als auch mit «er» übersetzt werden. Ein Beispiel: «Hän on opettaja» kann man übersetzen mit «Er ist Lehrer». Oder auch mit: «Sie ist Lehrerin». Beides ist korrekt. Trotzdem entscheidet sich Google Translate in jedem Fall für eine Variante.

Zahlreiche Geschlechter-Klischees

Bei Berufen, die in den Texten als klassisch männlich gelten, wählt Google Translate später auch die männliche Übersetzung. Bei klassisch weiblich konnotierten Berufen wählt Google Translate hingegen die weibliche Übersetzung. Darum übersetzt der Dienst entsprechende finnische Sätze mit «Er ist Programmierer» und «Sie ist Kindergärtnerin». Solche Resultate bezeichnet man als «Gender Bias». Noch stärker fällt dieser Gender Bias bei Adjektiv-Zuschreibungen aus.

Gender Bias wegtrainieren

Was lässt sich dagegen tun? Es gibt durchaus statistische Möglichkeiten, den «Gender Bias» loszuwerden. In solchen Fällen werden die Wortfelder und Wortkombinationen, die stereotyp auftreten – zum Beispiel «Frau» und «Kindergarten» – maschinell entfernt.

Mit einem anderen Verfahren prüft ein Algorithmus, ob neben der Standard-Übersetzung, die möglicherweise sexistisch ist, eine genderneutrale existiert. Falls ja, wird diese parallel übersetzt. Allerdings funktionieren beide Techniken noch nicht nachwunschlaut.

(L'essentiel/Reto Heimann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Japs am 20.04.2021 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Online-Übersetzer_in Wenn schon Gender, dann aber auch richtig

  • Pit am 20.04.2021 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh maiomai. Wat fir problemer

  • Léonie am 20.04.2021 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    O mei wat hu mir Problemer. Wa mir fäerdeg sinn, si sämtlech Sproochen komplett op der Kopp.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Japs am 20.04.2021 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Online-Übersetzer_in Wenn schon Gender, dann aber auch richtig

  • Pit am 20.04.2021 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh maiomai. Wat fir problemer

  • Léonie am 20.04.2021 19:40 Report Diesen Beitrag melden

    O mei wat hu mir Problemer. Wa mir fäerdeg sinn, si sämtlech Sproochen komplett op der Kopp.