Belastend

26. Februar 2021 07:59; Akt: 26.02.2021 07:58 Print

Darum sind Zoom-​​Meetings so anstrengend

Andauernder Blickkontakt, das eigene Gesicht und wenig Bewegung: All diese Faktoren sorgen dafür, dass man sich nach einem Online-Meeting oft stark erschöpft fühlt.

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Seit rund einem Jahr kommt man nicht an ihnen vorbei: Meetings über Zoom, Skype, Google-Meets oder andere Video-Chat-Programme gehören in vielen Unternehmen mittlerweile zur Tagesordnung. Vielen Personen fällt aber auf, dass sie sich nach einem solchen virtuellen Meeting viel müder und ausgelaugter fühlen, als sie dies von Treffen im realen Leben gewohnt sind. Dafür gibt es gute Gründe, wie Professor Jeremy Bailenson von der Stanford University herausgefunden hat.

Er untersucht, welche Auswirkungen Videokonferenzen auf die Teilnehmenden haben und weshalb es zu einem Phänomen kommt, das im Internet als «Zoom Fatigue» (Zoom-Erschöpfung) bekannt ist. Tatsächlich konnte der Wissenschaftler vier Gründe ausmachen, die die Ermüdung während Video-Calls erklären.

Ständiger Blickkontakt

Eine wichtige Rolle bei der wahrgenommenen Erschöpfung spiele beispielsweise der lang anhaltende, intensive und oft sehr nahe Blickkontakt. In einem normalen Meeting blicken die Teilnehmendem gewöhnlich nur auf jene Person, die gerade spricht. In einem Video-Chat schaut man aber ständig alle möglichen Teilnehmenden an und es wirkt, als ob sie einen alle direkt zurück anschauen würden. «Für das Gehirn ist es eine stressige Erfahrung, wenn einen alle auf einmal anstarren», erklärt Bailenson gegenüber «Daily Mail».

Noch schlimmer mache dies die Tatsache, dass das menschliche Gehirn eine so starke Nähe zu anderen Personen interpretiert, als ob es gleich zu einem Konflikt oder zu einem Paarungsritual käme. «Daher befindet man sich während Zoom-Meetings in einem hyper-erregten Zustand, der je nach Treffen über Stunden hinweg andauern kann.»

Das eigene Gesicht

Ein zweiter Grund, wieso virtuelle Meetings ermüdend sein können, ist die Tatsache, dass man sich selbst ständig mit im Blick hat. «In der echten Welt wäre es total verrückt, wenn uns ständig jemand mit einem Spiegel verfolgen würde, in dem wir uns selbst sehen», erklärt Bailenson. Denn wenn wir uns selbst sehen, stellt sich sofort ein Kritiker-Modus ein, der für das menschliche Gehirn auf längere Sicht hinweg anstrengend ist. «Außerdem zeigen verschiedenste Studien, dass es negative Konsequenzen haben kann, sich selbst über eine längere Zeit hinweg im Spiegel zu betrachten», so der Forscher.

Um diesen ersten beiden Punkten entgegenzuwirken, rät Bailenson, das Video-Fenster zu verkleinern, sodass die Köpfe der anderen Teilnehmenden nicht allzu groß erscheinen und wann immer möglich den eigenen Video-Feed zu verbergen. So sei es den anderen Teilnehmenden nach wie vor möglich, einen zu sehen, man selbst starre sich aber nicht ständig ins Gesicht.

Anstrengende Gestik

Ein weiterer Faktor, der zur Ermüdung beiträgt, ist laut Bailenson die Tatsache, dass man sich vor und nach den Online-Meetings nicht bewegen muss. In einem Büro müssen die Mitarbeitenden oft von ihrem Pult aufstehen und ins Sitzungszimmer laufen. Dies regt den Kreislauf an und sorgt für ein abwechselndes Umfeld. Bei Zoom-Meetings fällt dies weg. Dies könne auf längere Zeit hinweg erschöpfend sein.

Und zuletzt sei die kognitive Belastung in Video-Chats viel größer als in Sitzungen, bei denen die Teilnehmenden physisch anwesend sind. Grund dafür ist, dass man bei Online-Chats viel stärker an nicht-verbalen Kommunikationswegen arbeiten müsse. Sitzt man einer Person physisch gegenüber, ergeben sich Gesten, Gesichtsausdrücke und andere Bewegungen des Körpers ganz automatisch. In einem Video-Call geschehen solche Ausdrücke oft viel bewusster, denn sie müssen in einem Rahmen geschehen, der von der Kamera aufgenommen werden kann.

Aus all diesen Gründen rät Bailenson Personen, die häufig an langen Online-Meetings teilnehmen müssen, ab und zu die Kamera einfach ganz auszuschalten. So habe man einige Minuten Zeit, sich einzig auf das Gesprochene zu konzentrieren und der ganze visuelle Aspekt falle weg. Aber dies hat natürlich andere Konsequenzen. So erscheint ein Online-Call ohne Video oft viel unpersönlicher, als wenn man daen Gegenüber sieht. Die Lösung liegt also irgendwo in der Balance zwischen «Zoom Fatigue» und sozialer Isolation.

(L'essentiel/Dominique Zeier)

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