Krawall-Simulator

07. Juni 2013 10:01; Akt: 07.06.2013 10:16 Print

Ein Game macht Randale

Die Aufstand-Simulation «Riot» versetzt Spieler in die Haut von Demonstranten und Polizisten. Hinter dem Projekt stehen politische Absichten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es kracht rund um die Welt. Von den aktuellen Demonstrationen in der Türkei über die regelmäßigen Proteste in Griechenland, deren Bürger unter rigorosen Sparmaßnahmen leiden, bis hin zu den Aufständen in den nordafrikanischen Ländern. Bisweilen entsteht der Eindruck, die halbe Welt stünde in Flammen.

Echte Demo als Initialzündung

Während die gesellschaftliche Realität immer mehr in PC- und Konsolen-Spielen Einzug hält und gemordet, gesoffen und gevögelt wird, dass den Göttern die Schamröte ins Gesicht steigt, sind Themen wie politische Proteste und Aufstände bisher kaum in Games anzutreffen. Gameentwickler versuchen in der Regel, sich aus der Politik rauszuhalten.

Nicht so der Italiener Leonard Menchiari, früherer Kameramann und Filmcutter beim Gamepublisher Valve. Zusammen mit dem Gamedesigner Mattia Traverso, einem Komponisten sowie zwei Sounddesignern hat sich Menchiari zum Ziel gesetzt, die Mechanik von Demonstrationen zum Gamethema zu machen – im Aufstand-Simulator «Riot».

Die Initialzündung sei eine Demo in Norditalien gewesen, an der er teilgenommen habe, verriet der Italiener gegenüber dem Spiele-Portal Gamespot.com. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er sich Auge in Auge der Polizei gegenüber, habe das Unbehagen in deren Gesichtern gesehen und sein eigenes in seinem Magen gefühlt.

«Riot» kommt als Download-Spiel

Die Erfahrung inspirierte Menchiari: Er wollte laut eigenen Angaben ein Spiel machen, das die Hintergründe von Protesten ausleuchtet. Echte Demos sollen als Ausgangslage dienen. Was steckt hinter den Protesten? Wie fühlt sich der Straßenkampf an? Was geht in den Köpfen der Demonstrierenden und den Polizisten vor? Laut Aussagen auf der Gamewebsite Riotgame.org gehe es nicht darum, Partei für eine Seite zu ergreifen. Thematisiert wird allerdings, wie ökonomische und politische Ungerechtigkeiten Ursache für die Proteste sind.

Ein Bedürfnis für das Game scheint offensichtlich zu bestehen: Auf Greenlight, der Teststation des PC-Game-Anbieters Steam, hat «Riot» von den Benutzern grünes Licht erhalten. Dies bedeutet, dass Steam das Game als Download anbieten wird, sobald es erschienen ist – was heutzutage der wichtigsten Vertriebsmöglichkeit gleichkommt. Auf der Crowdfunding-Plattform IndieGoGo.com wurden die angepeilten 15'000 Dollar am Ende um mehr als das Doppelte übertroffen – über 36'000 US-Dollar sind zusammengekommen.

Geld fürs Reisen an die Brennpunkte

Das Geld wollen die Macher nicht nur für die Spielentwicklung, sondern auch zur Recherche einsetzen: Mit Hilfe des Geldes wollen sie an die Hotspots des Geschehens reisen – nach Griechenland, Ägypten und weiteren Orte – um an echten Protesten originale Stimmen einzufangen. Ob Menchiari und seine Kollegen so nicht einfach Geld für die finanzierte Teilnahme an den Demos erschwindelt haben, lässt sich derzeit nicht feststellen – wiederholte Anfragen blieben unbeantwortet.

Die Machart des Games, die ersten Bilder, die davon zu sehen sind und die Professionalität des Auftritts sprechen indessen gegen die Vergoldung des eigenen Protest-Tourismus. Auf Unterstützung aus dem Rest der Welt seien sie nicht zuletzt deshalb angewiesen, weil sich mit dem italienischen Staat derzeit kein Geld machen lasse. Italien versinke derzeit in einem Sumpf aus Korruption und Schulden.

Am Ende ergreift das «Riot»-Team dann aber doch Partei. «Hör auf, auf die Lügen der Medien zu hören, schalte den Fernseher aus und tritt in die Reihen jener, die für die Freiheit der Rede kämpfen», schreiben die Macher auf ihrer Website. Wie ernst es Menchiari und sein Team mit der Objektivität meinen, wird sich bei Erscheinen des Games für PC, Mac, iOS- und Android-Geräte zeigen.

Gametrailer von «Riot»

(L'essentiel Online/jag)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.