Sprunghafter Kurs

25. Februar 2021 10:40; Akt: 25.02.2021 11:28 Print

Gamestop-​​Aktie schießt erneut durch die Decke

Der Trubel um die Gamestop-Aktie scheint kein Ende zu nehmen. Nach einer kurzen Ruhephase stieg der Kurs wieder sprunghaft an. Experten beobachten die Entwicklung mit Sorge.

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Die Aktie des Unternehmens Gamestop gibt erneut zu reden und Anlass zu Spekulationen. (Bild: 20 Minuten/Matthias Spicher)

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Nach der spektakulären Spekulationsschlacht zwischen Hobby-Anlegern und Hedgefonds schien die Luft bei Gamestop raus. Nun geht die Aktie plötzlich wieder durch die Decke. Warren Buffetts Stellvertreter Charlie Munger sieht eine «irritierende Blase» am Finanzmarkt.

Die Aufregung um den kriselnden Videospielhändler Gamestop findet am US-Finanzmarkt kein Ende. Nach starken Verlusten in den Vorwochen verdoppelte sich quasi der Aktienkurs des zum Spielball von Spekulanten gewordenen US-Unternehmens am Mittwoch, ohne dass auf Anhieb ein klarer Grund ersichtlich gewesen wäre. Angesichts der Zustände an den US-Börsen warnte der langjährige Partner des legendären Staranlegers Warren Buffett, Charlie Munger, vor Exzessen.

Handel kurzfristig ausgesetzt

Der Vizechef von Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway sieht die jüngsten Turbulenzen am US-Finanzmarkt offenbar mit großer Sorge. Kurskapriolen wie bei den Aktien von Gamestop seien Anzeichen einer «irritierenden Blase», die irgendwann einmal ein böses Ende nehmen müsse, sagte der 97-Jährige am Mittwoch bei der jährlichen Hauptversammlung des US-Medienkonzerns Daily Journal Corporation.

Die Aktien von Gamestop wurden zur Wochenmitte vorübergehend vom Handel ausgesetzt und schlossen letztlich mit einem Plus von 104 Prozent bei fast 92 US-Dollar. Nachbörslich ging es mit heftigen Schwankungen weiter, zeitweise schoss der Kurs dabei um weitere rund 100 Prozent nach oben. Am Vortag hatte Gamestop den Abgang von Finanzchef Jim Bell angekündigt, ohne einen Grund zu nennen.

Kritik am Run auf Gamestop-Aktien

US-Medien berichteten später, dass der Manager auf Druck einflussreicher Anteilseigner seinen Rücktritt habe einreichen müssen, weil es Unstimmigkeiten über die Strategie gegeben habe. Dabei soll Investor Ryan Cohen, der im Januar einen Posten im Verwaltungsrat übernommen hatte, eine Schlüsselrolle gespielt haben. Er gilt vielen Spekulanten als Hoffnungsträger für ein Comeback, weil er bereits den Tierbedarfshändler Chewy erfolgreich umgekrempelt hatte.

Börsen-Altmeister Munger hält vom Gamestop-Hype indes gar nichts. Der Spekulationsrausch offenbare, so seine Kritik, eine gefährliche neue Kultur, bei der Menschen von Billig-Brokern wie Robinhood ermutigt würden, wie bei Pferdewetten mit Aktien zu zocken. Tatsächlich steckt Gamestop eigentlich schon länger in der Krise, doch angetrieben von im Internet organisierten Hobby-Anlegern hatten die Aktien der Firma im vergangenen Monat eine atemberaubende Rallye hingelegt.

US-Behörden ermitteln

Das wiederum brockte einigen Hedgefonds, die auf einen Kursverfall gewettet hatten, milliardenschwere Verluste ein. Ende Januar hatte die Aktie ein Rekordhoch von über 483 Dollar erreicht, doch der Höhenflug war rasch wieder vorbei. Die Kursturbulenzen rund um Gamestop und einige andere Unternehmen an den US-Börsen hatten bereits ein Nachspiel, das weiter andauert. US-Behörden untersuchen die Vorfälle und ermitteln wegen möglicher Marktmanipulationen.

Dabei geriet auch der mit seiner einfach zu bedienenden App vor allem bei jüngeren Anlegern beliebte Discount-Broker Robinhood ins Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem die Tatsache, dass Robinhood den Handel mit heißgelaufenen Aktien wie denen von Gamestop während der Kursexplosion im vergangenen Monat so beschränkte, dass diese nur noch verkauft werden konnten, sorgte für viel Ärger. Den Verdacht von Absprachen mit Hedgefonds wies Robinhood jedoch entschieden zurück.

Charlie Munger übte nun ebenfalls heftige Kritik an Robinhood, aber nicht wegen der Handelsbeschränkungen, sondern weil er die App eher für eine Art Glücksspiel-Anbieter als für einen seriösen Broker hält. Robinhood betreibe ein «dreckiges» Geschäft, bei dem Nutzer mit Gebührenfreiheit gelockt würden, während das Unternehmen für die Vermittlung ihrer Transaktionen Geld von Wall-Street-Akteuren erhalte und deshalb zu möglichst viel und auch riskantem Handel ermutige.

Bitcoin derzeit ähnlich unstet

Den Höhenflügen des Elektroautobauers Tesla und der digitalen Währung Bitcoin kann der Buffett-Vize auch nichts abgewinnen. Er wisse nicht, welche Kursrallye er schlimmer finde, so Munger. Der Bitcoin tauge wegen seiner starken Kursschwankungen nicht als Zahlungsmittel. Tesla-Chef Elon Musk ist großer Fan von Kryptodevisen, das Unternehmen hatte zuletzt für 1,5 Milliarden Dollar Bitcoins gekauft und den Kurs der bekanntesten Digitalwährung so weiter befeuert.

(L'essentiel/DPA)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Korinth am 25.02.2021 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Den Artikel fennt een 1zu1 um Wort an op Heise. An ganz suspekt: Keen Wuert iwert den short squeeze, keen Wuert dass GME iwer 100% geshort gouff, keen Wuert dass giereg Hedgefonds mat hierem aggressivem Shorting Firmen an d'Insolvenz dreiwen, well keen Mensch keeft Aktien wou et vill short positions dofir gin. An emmer sin et déi béiss Redditer, wann Leit an engem öffentlechem Forum den Marché diskutéiren dann ass et Manipulatioun, wann Hedgefonds et hannert zouenennen Dieren machen, dann ass et normal. Den fräie Marché gett et net, d'Regele gellen just soulang se den Milliardären déngen.

  • Rüdiger am 25.02.2021 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wéi gudd, dass den Publique näischt heivun versteht well elo hätten se mol wirklech e Grond op d'Strooss ze goen. 2008 léisst gréissen. D'HFs hun an hierem eegene faule Spill eng Partie verluer, mais den Béisen ass anscheinend den klengen Mann vun der Strooss deen fir seng puer Euro, déi en investéiert huet, hard geschafft huet.

  • Neck am 25.02.2021 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Puer Spekulatioun.

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  • Rüdiger am 25.02.2021 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wéi gudd, dass den Publique näischt heivun versteht well elo hätten se mol wirklech e Grond op d'Strooss ze goen. 2008 léisst gréissen. D'HFs hun an hierem eegene faule Spill eng Partie verluer, mais den Béisen ass anscheinend den klengen Mann vun der Strooss deen fir seng puer Euro, déi en investéiert huet, hard geschafft huet.

  • Korinth am 25.02.2021 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Den Artikel fennt een 1zu1 um Wort an op Heise. An ganz suspekt: Keen Wuert iwert den short squeeze, keen Wuert dass GME iwer 100% geshort gouff, keen Wuert dass giereg Hedgefonds mat hierem aggressivem Shorting Firmen an d'Insolvenz dreiwen, well keen Mensch keeft Aktien wou et vill short positions dofir gin. An emmer sin et déi béiss Redditer, wann Leit an engem öffentlechem Forum den Marché diskutéiren dann ass et Manipulatioun, wann Hedgefonds et hannert zouenennen Dieren machen, dann ass et normal. Den fräie Marché gett et net, d'Regele gellen just soulang se den Milliardären déngen.

  • Neck am 25.02.2021 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Puer Spekulatioun.