Möglicher Verkauf

03. August 2020 17:55; Akt: 03.08.2020 18:09 Print

Gibt es bald keine US-​​Superstars mehr auf Tiktok?

Andere Emojis und keine Inhalte mehr aus den USA: So könnte sich Tiktok verändern, wenn Microsoft die US-Geschäfte der Kurzvideo-Plattform kauft.

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Donald Trump will Tiktok in den USA verbieten. Denn die App sei ein Sicherheitsrisiko: Die chinesische Tiktok-Eigentümerin Bytedance würde die Nutzerdaten an Chinas Regierung weitergeben. Jetzt will Microsoft die US-Geschäfte von Tiktok kaufen. Bis zum 15. September soll ein Deal stehen. Was bedeutet das für die Nutzer? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum ist Tiktok plötzlich umstritten?

In China werden seit Jahren soziale Medien wie Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp oder YouTube gesperrt, aus Sorge vor regierungskritischen Inhalten. So gibt es TikTok in China nur als zensierte Version mit dem Namen Douyin. Ähnlich wie im Falle von Huawei besteht Spionageverdacht gegen das Unternehmen. Indien hat TikTok deshalb bereits verboten. Wegen des Argwohns im Ausland bemüht sich die chinesische App-Eigentümerin Bytedance schon länger seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen.

Wieso will Trump TikTok verbieten?

Der US-Präsident unterstellt der Firma ByteDance, Tiktok-Nutzerdaten an die chinesische Regierung weiterzugeben. China könne über die Kurzvideo-App auch in den US-Präsidentschaftswahlkampf einmischen. Eine Gruppe von republikanischen Senatoren warnte, dass die Regierung in Peking politische Diskussionen manipuliere, um Uneinigkeit unter den Amerikanern zu schüren und ihr bevorzugtes Ergebnis zu erzielen. Im Juni war zudem über Tiktok ein Zuschauerboykott bei einer Wahlkampfveranstaltung Trumps organisiert worden. Die US-Armee hat Tiktok als eine Cyber-Bedrohung eingestuft und bereits gesperrt.

Was passiert, wenn Microsoft übernimmt?

Microsoft will das Geschäft von Tiktok in den USA übernehmen. Der Kaufpreis liegt angeblich bei 50 Milliarden Dollar. Mit dem Kauf will Microsoft sicherstellen, dass alle privaten Nutzerdaten in den USA bleiben. Laut der Agentur Bloomberg könnte der Kauf für Microsoft der «Deal des Jahrzehnts» werden. Es wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg, den Konzern in den führenden Cloud-Anbieter zu verwandeln. Wie Tiktok zwischen Bytedance und Microsoft aufgeteilt werden soll, ist noch unklar. Das zuständige US-Justizministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Offen bleibt auch, was Bytedance mit dem Rest von Tiktok vorhaben könnte.

Welche Inhalte sehe ich dann noch?

Übernimmt Microsoft einen Teil von Tiktok, ändert sich inhaltlich nicht viel für die Nutzer, wie der Schweizer Datenschutzexperte Stefan Thöni erklärt. Es würden lediglich die Nutzungsbedingungen angepasst: «Das könnte dazu führen, dass einzelne Emojis auf Tiktok nur in den USA genutzt werden können», so Thöni. IT-Jurist David Rosenthal geht davon aus, dass der Verkauf an Microsoft schwerwiegendere Folgen haben könnte: «Es gibt dann wahrscheinlich zwei Tiktoks: eine amerikanische Version und eine für den Rest der Welt.» Inhalte amerikanischer Tiktoker wären laut Rosenthal hierzulande nicht mehr zugänglich und umgekehrt.

Was passiert, wenn der Deal mit Microsoft platzt?

Zurzeit verhandeln Bytedance und Microsoft den Verkauf von Tiktok. Donald Trump hat nun eine 45-tägige Frist für einen Deal gesetzt. Kommt dieser bis dann nicht zustande, sperrt Trump die Kurzvideo-Plattform in den USA. «Ich nehme an, Tiktok wird dann aus dem US-App-Store verbannt», erklärt Thöni. Amerikanische Tiktoker gäbe es dann nicht mehr. «Einige könnten das Verbot auf illegale Weise umgehen, aber die Mehrheit der US-Nutzer würde die Plattform dann nicht mehr nutzen.»

(L'essentiel/Barbara Scherer)

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