Facebook kauft Giphy

19. Mai 2020 19:48; Akt: 19.05.2020 19:57 Print

GIFs zu teilen, könnte sich bald drastisch ändern

Für rund 400 Millionen Dollar will Facebook die GIF-Sharing-Plattform Giphy übernehmen. Das bringt eine Reihe von Problemen mit sich.

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Was ist passiert?

Der Social-Media-Gigant Facebook hat am Freitag angekündigt, dass er die GIF-Sharing-Plattform Giphy für 400 Millionen Dollar kaufen will. Selbst wer die Giphy-Website noch nie besucht hat, ist wohl nicht darum herumgekommen, deren Inhalten an verschiedensten anderen Orten im Internet zu begegnen. So machen viele bekannte Apps wie beispielsweise Apples iMessage, Tiktok und Twitter von Giphys Angebot Gebrauch. Laut der Plattform, die 2013 gegründet wurde, benutzen rund 700 Millionen Menschen täglich Inhalte, die auf Giphy geladen wurden. Es handelt sich dabei um kleine, animierte Bilder, die oftmals Textnachrichten untermalen, Memes verbreiten oder Reaktionen nachstellen sollen, die anders nur schwer zu kommunizieren sind.

Warum kann das zu einem Problem werden?

Giphy soll neu bei Instagram, das ebenfalls zu Facebook gehört, integriert werden. «Instagram und Giphy zusammenzubringen, macht es für die Nutzer einfacher, die perfekten GIFs und Sticker für ihre Storys und Direktnachrichten zu finden», sagte Vishal Shah, der Vizepräsident von Instagram, laut einer Mitteilung.

Dies könnte für andere Apps, die bisher Giphy-Inhalte integriert haben, problematisch werden. So ist es anzunehmen, dass gewisse Anbieter davor zurückschrecken werden, weiterhin einen Service zu nutzen, hinter dem nun auf einmal ein Internet-Gigant wie Facebook steht. Dies nicht zuletzt, weil Facebook in der Vergangenheit immer wieder mit Privatsphäre-Probleme seiner Nutzer zu kämpfen hatte. Je nach Plattform könnte sich daher die Art, wie wir GIFs versenden, schon bald stark verändern.

Werden jetzt alle Zuckerberg-GIFs gelöscht?

Kurz nach der Ankündigung des Verkaufs machte ein Gerücht die Runde, dass Giphy nun jegliche GIFs des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg löschen müsse. Dies entspreche nicht der Wahrheit, erklärte Giphys Head of Content auf Twitter: «Das stimmt nicht. Wir löschen nur Inhalte, die gegen unsere Richtlinien verstoßen.» Auch wenn Facebook künftig keine Zuckerberg-GIFs löschen wird, stellt sich doch die Frage, wie das Unternehmen mit der Moderation der Giphy-Inhalte umgehen wird. Denn die Facebook-Richtlinien, was Inhalte angeht, sind um einiges strikter als jene der GIF-Plattform. Viele der Bilder, die dort zu finden sind, stammen nämlich direkt aus urheberrechtlich geschützten Filmen oder Serien. Wie Facebook mit diesen Inhalten umgehen wird, ist noch unklar.

Was sagt Facebook zum Deal?

Laut Facebook werden User und Anbieter anderer Services Giphy weiterhin wie gewohnt benutzen können. «Die Leute werden nach wie vor GIFs hochladen können, Entwickler werden weiterhin dieselben Zugänge zur Plattform haben wie zuvor und die Giphy-Community kann wie gewohnt ihre großartigen Kreationen auf der Plattform teilen», erklärte Vishal Shah von Instagram.

Bisher wurden auf Giphy keine Cookies gesammelt oder sogenannte Tracker genutzt. Zwar konnte die Plattform die eingegebenen Suchbegriffe sehen, die Persönlichkeitsdaten der Nutzer blieben aber stets privat. Nun hat Facebook versprochen, dass dies auch in Zukunft so bleiben soll. Garantien, dass sich dies nicht irgendwann trotzdem ändert, gibt es allerdings keine. Außerdem kann Facebook mit der Integration von Giphy nützliche Informationen über Nutzer-Gewohnheiten überall im Internet sammeln, wie Wired.com berichtet.

Welche Apps sind betroffen?

Einer der meistgenutzten Services, der Giphy-Inhalte integriert hat, ist iMessages von Apple. Wer über diese Plattform GIFs versendet, stößt bei der Auswahl in der Bildergalerie auf viele Giphy-Inhalte. Bislang ist nicht klar, wie Apple auf den Verkauf der GIF-Plattform reagieren wird.

Auch Social-Media-Apps wie Snapchat, Tiktok und Twitter arbeiten mit Bildern von Giphy. Wie sich diese Unternehmen bezüglich des Facebook-Kaufs positionieren werden, ist unklar. Bei Tiktok können sich Nutzer allerdings bereits jetzt mit ihrem Facebook-Login registrieren, was darauf hinweisen könnte, dass Tiktok offener gegenüber der amerikanischen Plattform ist. Bei Twitter sieht dies anders aus. Das Unternehmen befindet sich schon länger in einem Disput mit Facebook. So hat Twitter beispielsweise den Zugang zu Instagrams Software-Schnittstellen (APIs) im Jahr 2012 gesperrt, nachdem Instagram von Facebook aufgekauft wurde.

Slack wurde bereits vor der Zeit des Social Distancing in vielen Büros als Kommunikationsmittel benutzt, hat nun aber nochmals einiges an Popularität gewonnen. Auch GIFs, die über diese Plattform geteilt werden, stammen direkt von Giphy. Laut Theverge.com will Slack auch in Zukunft die Privatsphäre ihrer Nutzer, die GIFs verschicken, schützen.

Eine weitere Nachrichten-App, die von Giphy-Inhalten Gebrauch macht, ist Signal. Die Plattform legt höchsten Wert auf die Privatsphäre ihrer Nutzer und betont immer wieder, dass die Nachrichten, die über Signal verschickt werden, end-to-end verschlüsselt sind. Der Gründer von Signal hat sich zum Giphy-Verkauf auf Twitter gemeldet. Er schreibt: «Jetzt, da Facebook Giphy gekauft hat, fragen viele nach, ob wir nun über die Giphy-Suche besorgt sind. Signal benutzt aber bereits jetzt eine Herangehensweise, was die GIF-Suche betrifft, die die Privatsphäre der Nutzer schützt.»

GIFs sind auch dann aussagekräftig, wenn man den Gesprächspartner nicht gut kennt. Daher machen auch Nutzer auf Tinder regelmäßig Gebrauch von Giphy-Inhalten. Wie die Dating-Plattform gegenüber dem Facebook-Aufkauf eingestellt ist, ist nicht bekannt.

(L'essentiel/Dominique Zeier)

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