Sperre für Gamer

10. Oktober 2019 08:05; Akt: 10.10.2019 08:08 Print

Hongkong-​​Aussage mit bösen Folgen

Für eine politische Äußerung hat ein E-Sportler aus Hongkong eine Sperre von einem Jahr erhalten. Das hat eine Hate-Welle ausgelöst.

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Ng Wai «Blitzchung» Chung spielt in der weltweit höchsten Liga des Sammelkartenspiels «Hearthstone». Der E-Sportler gehört zu den absoluten Topspielern. Nun hat er abseits des Games für Gesprächsstoff gesorgt. Nach einem Turnier äußerte er sich mit Atemmaske und Skibrille verhüllt in einem taiwanischen Stream: «Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit.»

Die zwei anwesenden Interviewer versteckten sich währenddessen unter ihrem Tisch. Direkt nach seiner Aussage wurde Werbung eingeblendet, wie Heise.de schreibt. Der Auftritt hatte Konsequenzen. Blitzchung wurde vom «Hearthstone»-Entwickler Blizzard Entertainment für ein Jahr gesperrt. Zudem wurden ihm Preisgelder in Höhe von rund 16.000 Euro aberkannt, wie Spiegel.de erklärte.

Fristlose Kündigung

Blizzard Entertainment hat nach der Aktion weitere Schritte unternommen. Die Aufzeichnung wurde von der Streamingplattform Twitch gelöscht. Die US-Firma hat den beiden Interviewern zudem fristlos gekündigt.

Blizzard sei offenbar besorgt über mögliche Auswirkungen auf seine chinesischen Geschäftsinteressen, schreibt der Tech-Blog Theverge.com. Viele Spieler werfen Blizzard nun vor, dass sie wirtschaftliche Interessen in China über die freie Meinungsäußerung stellen.

In einem offiziellen Statement erklärte Blizzard, dass Blitzchung gegen die Turnierregeln verstoßen habe. Diese würden Teilnehmern verbieten, «den Ruf von Blizzard zu schädigen oder einen Teil der Öffentlichkeit zu beleidigen». Er bereue nicht, dass er sich geäußert habe, erklärt Chung bei IGN.com. «Ich habe die Entscheidung von Blizzard erwartet. Ich denke, dass es unfair ist, aber ich respektiere die Entscheidung», sagte er.

Solidaritätswelle für Chung

Der Fall hat eine Hate-Welle gegen Entwickler Blizzard ausgelöst. Im Internet rufen Spieler nun zum Boykott der Firma auf. Auf Reddit kündigten «Hearthstone»-Spieler an, ihr Konto zu deaktivieren. Ein US-Team hat aus Solidarität während eines Livestreams ein «Free Honkong, boycott Blizzard»-Schild in die Kamera gezeigt. Worauf der offizielle Stream allerdings abrupt umschaltete.

Andauernde Proteste

Seit Monaten gehen Demonstranten in Hongkong auf die Straße. Hunderttausende protestieren gegen zunehmende Einflussnahme der chinesischen Regierung aus China. Auslöser der Proteste war eine umstrittene Gesetzesvorlage, die die Auslieferung an China ermöglicht. Hongkong war früher eine britische Kolonie. 1997 ging sie wieder an China über. In Hongkong leben knapp 7,5 Millionen Menschen.

(L'essentiel/tob)

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