Neuer Hype

19. Februar 2017 14:35; Akt: 19.02.2017 14:38 Print

Ist die Zeit der kleinen Indie-​​Games vorbei?

Indie-Games treten in die Fußstapfen der großen Studios. Dies und weitere Einblicke zweier renommierter Gamedesignerinnen über Game-Trends.

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Als Electronic Arts 1982 aus der Taufe gehoben wurde, bestand die Firma gerade mal aus einer Handvoll Leute. Activision wurde 1979 von nur vier Personen gegründet. Und Ubisoft wurde 1985 von fünf Brüdern gegründet. Was die Firmen gemeinsam haben? Sie alle begannen klein, gehören heute aber zu den größten Game-Publishern und -Entwicklern. Dieser Zyklus könnte sich bald wiederholen.

«Im Lauf der Zeit verschwanden die mittelgroßen Studios», sagt Fleur Marty, Produzentin bei Eidos und zuständig für alle zusätzlichen Inhalte des Actiongames «Deus Ex». Im Gegensatz zu den sogenannten Triple-A-Games (AAA) wie «Uncharted» oder «GTA V» , die mit riesigen Budgets und Teams hergestellt werden, stellen AA-Studios Games mit kleineren Teams und weniger Geld her. Die Spiele können aber ebenfalls Millionen von Abnehmern finden. Weil die großen Studios das Mittelsegment aber zunehmend vernachlässigt haben, bietet sich den Indies hier eine Chance.

Der Platz wird eng

Ein Blick zurück: Die letzten paar Jahre waren von einem riesigen Hype um Indie-Games geprägt. Plattformen wie Steam und der Zugang zu günstigen Entwicklungssoftware ließen kleine Entwicklerstudios wie Mario-Pilze aus dem Game-Boden ploppen. Nicht alle welkten im Schatten der Großen: Spiele wie beispielsweise «Minecraft» erreichten ein Millionenpublikum. «Die Indies werden generell größer», sagt Marty. Sprich: Sie Stoßen in den leer gewordenen Raum der AA-Games vor.

Für die kleinen Studios wird der Platz dagegen enger: Wegen des Hypes drängen immer mehr Kleinstentwickler auf den Markt. Es erweist sich zunehmend als schwierig, in der Flut wahrgenommen zu werden. Ihre Chance liegt paradoxerweise oft bei großen Playern wie Sony, Nintendo und Microsoft, die sich spannende Indie-Studios unter den Nagel reißen, um am Hype teilzuhaben.

Ein neuer Hype

Auch die finnische Gamedesignerin Karoliina Koorppoo («Cities: Skylines») sieht eine neue Generation von Indie-Games. «Der Markt wächst», sagt sie und die Entwickler würden immer mehr Plattformen bedienen und Optionen wahrnehmen. Mit dem wachsenden Bewusstsein für Business-Aspekte veränderten sich auch die Spiele: Weniger Kunst, mehr Kommerz. Sie sieht die Zukunft deshalb vor allem im sogenannten «data based game design»: Das Spielverhalten wird gemessen und das Design der Games entsprechend auf die Ergebnisse abgestimmt. So erhofft man sich erfolgreichere Spiele.

Die Prognose: Obwohl immer mehr kleine Fische im Teich der Indie-Games mitschwimmen, richtet sich das Augenmerk in der nächsten Zeit verstärkt auf denjenigen, die über die Größe der Stubenentwickler hinauswachsen und mit spannenden mittelgroßen Games einen neuen Hype schaffen. Mit ihrem Erfolg haben einige Indie-Studios das Kapital dafür bereits geschaffen. Und vielleicht werden sie eines Tages sogar zur einer ernsten Konkurrenz für die heutigen Game-Elefanten.

(L'essentiel/jag)