«Facebook Files»

26. Oktober 2021 07:45; Akt: 26.10.2021 07:49 Print

Neue Enthüllungen bringen Facebook in Bedrängnis

In veröffentlichten internen Dokumenten wird deutlich, wie wenig Kontrolle das Unternehmen über Inhalte auf der Plattform hat. Nun könnten Regulatoren zum Schlag ansetzen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Negativ-Schlagzeilen zu Facebook hatten sich in den vergangenen Wochen und Monaten gehäuft: Die Whistleblowerin Frances Haugen sagte vor dem amerikanischen Kongress aus, dass das Unternehmen Profit über Inhalte stellt. Das «Wall Street Journal» hatte zuvor schon enthüllt, dass Facebook nichts gegen schädliche Inhalte für Jugendliche macht und zudem ethnische Konflikte weltweit anheizt.

Im September waren dann sämtliche Dienste des Konzerns für einige Stunden nicht erreichbar. Nun ist eine neue Ladung Enthüllungen einer internationalen Recherche-Koalition erschienen, zu der auch die Tamedia-Zeitungen gehören.

«Wir haben keine Chance mitzuhalten»

Grundlage der «Facebook Files» sind hausinterne Untersuchungen, die Facebook allerdings nie veröffentlichte. Die Abteilung «Civic Integrity Team» ist hausintern damit beauftragt, Hass und Hetze auf der Plattform zu unterbinden. Die Truppe soll 40.000 Personen stark sein. Doch offenbar scheitern die Wächterinnen und Wächter regelmäßig an der Aufgabe. Die Tamedia-Zeitungen berichten unter anderem von Testversuchen mit US-Profilen, die belegten, wie viele Hassnachrichten eine Durchschnittsuserin erhält.

Noch viel größer scheinen die Probleme außerhalb des Heimatlandes des Konzerns zu sein. Die Plattform gibt es in 70 Sprachen, doch Facebook investiert offenbar zu wenig Ressourcen in die Analyse vieler Fremdsprachen. In den Files sind Warnungen eines beteiligten Ingenieurs enthalten, der warnt, dass die Überwachung in Ländern wie Myanmar oder Äthiopien ungenügend seien. Posts, in denen zu Gewalt aufgerufen wurde, seien zuvor nicht kontrolliert worden. Die Tamedia-Zeitungen führen etwa Beispiele aus Indien auf, in denen Nationalisten Angriffe auf Pakistan feiern, oder Bilder teilen, in denen die Flagge des Nachbarlandes mit Füssen getreten werden.

Mehrere Mitglieder des Civic Integrity Teams haben nach kurzer Zeit erschöpft wieder aufgegeben. Ein Insider schrieb in internen Mails: «Wir haben keine Chance mitzuhalten».

Droht gar die Zerschlagung?

Innerhalb von Facebook macht man sich offenbar Sorgen um die eigene Zukunft. Das Nutzerwachstum ist ins Stocken geraten. Vor allem in westlichen Staaten haben Millionen von Teenagerinnen und Teenagern die Plattform verlassen und sind auf Konkurrenten wie Tiktok ausgewichen. Die Konzernspitze will darum alles daran setzen, eine neue Generation an möglichst jungen Userinnen und Usern für sich zu gewinnen. Vor kurzem hat Facebook zudem angekündigt, eine Virtual-Reality-Welt namens «Metaverse» bauen zu wollen.

Ob es dazu kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Denn die neuesten Enthüllungen bringen Facebook noch mehr in Bedrängnis. Die Chefriege des Unternehmens wusste offenbar bereits zuvor von den Enthüllungen der «Facebook Files». Am Sonntag hatte der oberste PR-Chef des Unternehmens und früherer britischer Vize-Premier, Nick Clegg, gewarnt, dass es eine «sehr schwere Woche» werden könnte, wie «Yahoo News» berichtete.

In den USA und Europa beschäftigt sich die Politik seit längerem mit dem Konzern. US-Präsident Joe Biden hatte gegenüber Medien erklärt, dass Facebook wegen der Verbreitung von Fake News auf der Plattform am Tod Tausender während der Corona-Pandemie eine Mitschuld trage. Die mächtige Federal Trade Commission hat zudem eine Kartellbeschwerde gegen den Konzern eingereicht. Und Whistleblowerin Haugen soll laut der «New York Times» auch vor Parlamentarierinnen und Parlamentariern in London und Brüssel auftreten.

(L'essentiel/Patrick McEvily)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.