In Innenräumen

17. November 2020 10:08; Akt: 17.11.2020 10:22 Print

Online-​​Rechner ermittelt dein Ansteckungsrisiko

Wie groß ist das Risiko, sich im Büro, bei einer Feier oder im Klassenzimmer mit Sars-CoV-2 zu infizieren? Die Antwort gibt ein neuer Corona-Rechner.

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Die Gefahr, sich mit Sars-CoV-2 zu infizieren, ist drinnen größer als draußen. Das ist bereits bekannt. Doch Innenraum ist nicht gleich Innenraum: Wie groß das Ansteckungsrisiko tatsächlich ist, hängt auch immer von der jeweiligen Situation und von den ergriffenen Maßnahmen ab.

Um die Infektionsgefahr für verschiedene Szenarien genauer berechnen zu können, haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC) im deutschen Mainz gemeinsam mit Kollegen vom Cyprus Institut auf Zypern den «Covid-19-Risiko-Kalkulator» entwickelt.

Einfache Anwendung

Der Rechner beruht auf einem einfachen Algorithmus, der Messdaten zur Virenlast in Aerosolen, zur Menge der Schwebeteilchen, die Menschen bei verschiedenen Aktivitäten abgeben, und zum Verhalten der Partikel in Räumen berücksichtigt, teilt das MPI mit. Im Fokus der Berechnung stehe das Infektionsrisiko durch Aerosole. Zur Gefahr, sich über größere, schnell zu Boden fallende Tröpfchen zu infizieren, wenn man mit Trägern des Virus über kurze Distanz spricht, lacht oder singt, erlaube es jedoch keine Aussagen.

Für die Berechnung des jeweiligen Infektionsrisikos muss man kein Virologe sein: Der Online-Rechner ist einfach aufgebaut. Wer wissen will, wie hoch die Ansteckungsgefahr für ihn ist, muss bloß die wichtigsten Daten wie die Dauer des Aufenthalts, die ungefähre Raumgröße und die Anzahl der Personen eingeben. Zudem lässt sich angeben, ob Masken getragen werden oder regelmäßig durchgelüftet wird. Insgesamt stehen derzeit vier vordefinierte Szenarien zur Auswahl: Feste, Chorproben, Klassenzimmer oder Büro.

Sind alle Eingaben gemacht, errechnet der Algorithmus die Übertragungswahrscheinlichkeit für die vom Nutzer eingestellten Szenarien – für die individuelle Ansteckungsgefahr, aber auch diejenige für irgendeine Person im Raum.

Maßnahmen wirken deutlich

«Wir möchten einen Beitrag leisten, damit zum Beispiel eine Schule oder ein Geschäft selbst ausrechnen kann, wie hoch das Infektionsrisiko in den Räumen ist und wie effektiv welche Sicherheitsmaßnahme ist», sagt Jos Lelieveld, Direktor des MPIC und Erstautor der im «International Journal of Environmental Research and Public Health» publizierten Studie. In dieser stellen er und seine Kollegen die Berechnungsgrundlage und die Annahmen vor, die der Rechnung zugrunde liegen.

Laut Angaben des MPIs zeigen die Berechnungen, «dass man das Infektionsrisiko durch regelmäßiges Stoßlüften etwa um die Hälfte, durch zusätzliches Maskentragen sogar um einen Faktor fünf bis zehn senken kann.»

Nicht perfekt, aber ziemlich nahe dran

Das Team um Lelieveld betont, dass der Online-Rechner nicht über alle Zweifel erhaben sei. Einerseits würde ausschließlich die Übertragung via Aerosole berücksichtigt. Andererseits seien noch einige Aspekte des Coronavirus nicht abschließend untersucht. «Unseren Annahmen liegt der derzeitige Stand der Wissenschaft zugrunde», sagt Frank Helleis, Physiker am MPIC. «In der Rechnung stecken mehrere Variablen und Annahmen. So machte es einen Unterschied, ob und wie viel Menschen in einem Raum sprechen und singen, wie hoch die Viruskonzentration im Speichel ist und wie die Raumluftwechselrate ist, aber jeder Faktor geht über einen einfachen Dreisatz in die Kalkulation ein», so Helleis, der die Rechenbasis erstellt hat.

Nichtsdestotrotz sind die Forschenden überzeugt, dass ihr Algorithmus helfen kann, das Risiko von Infektionen in Innenräumen besser zu verstehen und durch geeignete Maßnahmen zu verringern.

Den «Covid-19-Risiko-Kalkulator» findest du hier.

(L'essentiel/Fee Anabelle Riebeling)

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