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22. August 2019 14:10; Akt: 22.08.2019 14:26 Print

Am Smartphone hängen ist das neue Rauchen

Models wie Kaia Gerber oder Gigi Hadid warnen mit einer Handyhülle vor dem Schaden, den Social Media anrichten kann. Das sagt die Expertin im Interview.

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Auf Instagram zählen ihre Bilder mehrere Tausend Likes, ihre Followerzahl liegt im siebenstelligen Bereich. Nun kommen die Mirror-Selfies von Hailey Bieber, Gigi Hadid oder Kaia Gerber mit einer Botschaft daher, die an die Warnung auf Zigarettenschachteln erinnert: «Social Media seriously harms your mental health» – «Social Media gefährdet Ihre geistige Gesundheit».

Wir haben die Trendforscherin Angel Schmocker gefragt, was hinter diesem Phänomen steckt. Schmocker hat an der Zürcher Hochschule der Künste Trends & Identity studiert und mit ihrer Masterarbeit «Sick Style – Welcome to the New World of Sadness» abgeschlossen. Ihr aktuelles Forschungsprojekt heißt «Exploring the New World of Sadness».

Frau Schmocker, wie schätzen Sie dieses Phänomen ein?

Ich habe erst vor kurzem in der «New York Times» einen Artikel darüber gelesen, in dem das Fazit war, dass diese Tendenz noch steigen wird: Es ist ein Zeichen von Luxus, dass es sich eine Person leistet, nicht die ganze Zeit am Screen zu hängen. Nach dem Internet-Boom und der darauffolgenden Smartphone-Euphorie ist es jetzt vor allem ein kritisches und soziales Image, das zunehmend an Status gewinnt. Gleichzeitig werden einem die Konsequenzen des eigenen Medienkonsums immer bewusster. Am Style der Sticker erkennt man auch ganz klar den Bezug zur Suchtthematik: Screentime ist das neue Rauchen und Junkie sein will heute niemand mehr.

Ist dieses Phänomen besorgniserregend?

Das offene Teilen von Meinungen zu Themen der psychischen Gesundheit ist an sich nicht Schlechtes, solange es nicht ins Lächerliche gezogen oder trivialisiert wird. Es ist gut, dass der Wille da ist, darauf aufmerksam zu machen. Mir persönlich ist die Formulierung ein bisschen zu dramatisch, zu radikal. Denn Social Media kann auch viel Gutes. In unserer Forschung haben wir viele starke Beispiele dafür gefunden, wie man sich durch einen offeneren Austausch auch unterstützen und Stigma-Barrieren überwinden kann.

Ist das Reden über psychische Gesundheit also Trend?

Psychische Gesundheit wird auf Social Media heute mehr denn je diskutiert. Es ist ganz klar eine große Trendströmung, die von Megatrends wie der Digitalisierung, der Individualisierung und nicht zu vergessen dem Gesundheitstrend beeinflusst wird. Vom Livestreamen von Panikattacken bis hin zu Softcore-Communities, die aufmunternde Quotes zu Self-Care und Awareness teilen, ist die digitale Welt der Gefühle ein extrem spannender Ort. Diesen Ort versuchen wir zurzeit an der ZHdK mit Unterstützung der Gesundheitsförderung Schweiz greifbarer zu machen.

Schwingt da auch ein Stück Selbstironie mit?

Diese Stars, die mit den Stickern bekannt geworden sind, sind oftmals junge Frauen, die offen ihre Meinung zu Körperbild, Hasskommentaren und Mediendruck teilen. Insofern sind es sicherlich Persönlichkeiten, die diese Botschaft ernst meinen und sie auch am eigenen Leib erfahren haben. Gleichzeitig ist es natürlich auch immer ein wenig selbstironisch, so wie das Teilen von Digital-Detox-Tipps auf Facebook.

Inwiefern kann Social Media die psychische Gesundheit beeinträchtigen?

Social Media ist immer auch ein Spiegel unserer Gesellschaft, im Positiven wie im Negativen. Das Riskante ist, dass durch die unkontrollierte Informationsflut oft eine gewisse Extremisierung stattfindet, dazu zählt eben auch die Konfrontation mit zu perfekten oder zu prekären Inhalten.

Hast du auch schon einmal auf Social Media über deine Probleme gesprochen? Geht es dir genauso? Dann melde dich und erzähl uns, wie du damit umgehst.

(L'essentiel/vhu)

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