Subversiv zocken

12. Juli 2013 13:06; Akt: 12.07.2013 15:02 Print

Snowden ist bereits ein Gameheld

Die NSA verpfiffen und bereits wieder auf Datenjagd: In «Snowden’s Leaks» klauen Spieler als Edward Snowden geheime Infos.

Held oder Verräter? Edward Snowden im Game «Snowden's Leak: The Game». (Video: YouTube/mijngame)

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Kein Tag vergeht, ohne dass der Whistleblower Edward Snowden heiß gehandeltes Thema in den Medien wäre. Welcher Staat gewährt im Asyl? Schafft er es überhaupt, heil dort anzukommen? Der Thriller, der sich um den NSA-Whistleblower derzeit entspinnt, kann locker mit den besten Spionagestorys mithalten – nur, dass es hier um die bittere Realität geht.

Der gekonnte Datenklau

Dies hat findige Köpfe nicht davon abgehalten, bereits das erste Spiel zum Thema Snowden zu veröffentlichen: «Snowden’s Leak: The Game». Im Browserspiel schlüpfen Spieler in die Haut des Whistleblowers und müssen unentdeckt durch die Gänge der NSA-Räumlichkeiten schleichen, um an geheime Daten zu gelangen. Damit Snowden unentdeckt bleibt, kann er sich hinter der amerikanischen Flagge oder Bildnissen des US-Präsidenten Obama verstecken. Hat der Spieler die Daten gesammelt, schmeißt er die Datensticks aus dem Fenster und macht sich aus dem Staub.

Die Entwickler des Spiels haben «Snowden’s Leak: The Game» nach eigenen Angaben in nur drei Tagen entwickelt. Entsprechend rudimentär spielt es sich. Der Spaß liegt indessen in der Subversion und in der heimlichen Bewunderung für den Gejagten.

Von bierernst bis subversiv komisch

«Snowden’s Leak» ist nicht das erste Spiel, das aktuelle Ereignisse abbildet. Für Aufsehen gesorgt hatte zum Beispiel das Game «The Death of Osama Bin Laden» als Download-Episode der «Kuma War»-Reihe. Das PC-Spiel erschien kurz nachdem Osama Bin Laden aufgespürt und getötet worden war und im Game kann sowohl die Seite der Navy SEALs wie auch diejenige der Terroristen gespielt werden.

Aus der «Kuma War»-Schmiede kommt auch die Episode «The Fall of Sirte: Gaddafi’s Last Stand», im dem die Jagd nach dem libyschen Diktator Muammar Gaddafi nachgestellt werden kann. Das Entwicklerstudio Kuma Reality Games bestätigte später, dass es Auftragsarbeiten für die amerikanische Regierung ausgeführt hätte.

Aufstand mit Witz

Auf witzigere Weise kommentierte hingegen das Spiel «London Looters» die Aufstände, die 2011 London erschüttert hatten. Im Browserspiel musste der Spieler mit einem Knüppel seinen Shop vor Plünderern schützen. In die gegenseitige Kerbe schlug das bierernste Browserspiel «London Riots: The Game», das Spieler in die Haut von Krawallmachern steckt: Sie müssen darin Polizeiautos anzünden und Schaufensterfronten zerstören.

Den aktuellen Aufständen in Nordafrika und den südeuropäischen Ländern widmet sich das Game «Riot», in welchem Spieler sowohl die Seite der Demonstranten wie auch der Polizei spielen können.

Mit Humor die Mächtigen schlagen

Ebenfalls für Kontroversen hatte das 2004 veröffentlichte «Waco Resurrection» gesorgt, in dem Spieler fast buchstäblich in die Haut des Sektenführers David Koresh schlüpfen: Sie ziehen sich eine Koresh-Maske über und müssen als Sektenführer den Angriff des FBI und Intrigen von innen und außen überstehen. Das Spiel basiert auf der gewaltsamen Erstürmung der Sektenanlage von David Koresh nordöstlich von Waco, Texas. Laut den Machern handelt es sich bei «Waco Resurrection» um ein Kunstprodukt, das den ideologischen Konflikt aufzeigen soll.

Dies gilt in abgeschwächter Form letztlich auch für «Snowden’s Leak: The Game» wie auch für die anderen Games mit Realitätsbezug. Auch in «Snowden’s Leak» schlüpft der Spieler in die Haut des Verräters (aus Sicht der US-Behörden) und stiehlt Daten, die die Weltöffentlichkeit über die finsteren Machenschaften der NSA aufklären. Dass es im Game mit einem gewissen Schalk geschieht, gehört mit zur Subversion. Denn diese weiß: Humor ist die beste Waffe, denn er macht das Unerträgliche erträglicher und die Mächtigen schwächer.

Gespielt werden kann «Snowden's Leak» hier.

(L'essentiel Online/Jan Graber)

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