Algorithmus geleakt

08. Dezember 2021 08:56; Akt: 08.12.2021 10:35 Print

So will Tiktok seine Nutzer süchtig machen

Eine Milliarde Menschen nutzen mindestens einmal pro Monat Tiktok. Ein geleaktes Dokument zeigt: Die Videoplattform will in erster Linie die Bildschirmzeit ihrer Nutzer erhöhen.

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Die Videoplattform Tiktok des chinesischen Mutterkonzerns ByteDance schafft es wie wohl kein anderes Medium, seine Nutzerinnen und Nutzer an sich zu binden. Ende September hat Tiktok nach eigenen Angaben die Schwelle von einer Milliarde monatlich aktiven Nutzerinnen und Nutzern überschritten. Für einige kann das sogar in einer Sucht enden. Ende März 2019 teilte Tiktok mit, man sorge sich um seine Nutzerinnen und Nutzer. Deswegen könne man seine Bildschirmzeit in der App per sofort kontrollieren und auf Wunsch limitieren – auf 40 bis maximal 120 Minuten pro Tag.

Nun berichten die «New York Times» und der «Spiegel» über ein internes Dokument mit dem Titel «TikTok Algo 100», das bis ins Detail beschreiben soll, wie der bisher unbekannte Algorithmus von Tiktok funktioniert. Die Erkenntnisse aus diesem geleakten Dokument lassen nicht darauf schließen, dass Tiktok ernsthaft daran interessiert ist, dass weniger Zeit auf der App verbracht wird. Im Gegenteil.

Laut den englischsprachigen Unterlagen ist als oberstes Ziel definiert, dass immer mehr Menschen die App täglich nutzen. Ähnlich wichtig ist Tiktok eine starke Bindung und hohe Loyalität der Kundinnen und Kunden. Einfacher zu messen und beeinflussen sei aber, wie viel Zeit jemand auf der App verbringt. Dazu heißt es im Dokument: «Alle Verbesserungen bei der Verweildauer verbesserten auch die Kundenbindung.»

Algorithmus zielt auf möglichst lange Bildschirmzeit

Tiktoks Algorithmus ist demnach konsequent für eine möglichst lange Nutzungsdauer der App ausgerichtet. Von einer Begrenzung oder von Maßnahmen zur Eindämmung der Bildschirmzeit sei im Dokument nirgends die Rede, so der «Spiegel» weiter. Stattdessen werde zum Beispiel erklärt, was man gegen das «Problem der Langeweile» tun könne.

Langeweile könne auftreten, wenn Nutzerinnen und Nutzer ausschließlich Videos angezeigt würden, die ihnen sowieso gefielen. Die Befürchtung von Tiktok: Wird jemandem langweilig, schließt diese Person die App. Der Algorithmus soll nun offenbar genau das verhindern. Zum Beispiel durch eine breitere thematische Streuung der angezeigten Videos.



Der Algorithmus zeichnet sich dafür aus, die kleinsten Signale der Anwenderinnen und Anwender zu erkennen. Dazu gehört, wie lange sich jemand ein Video anschaut, wo ein Kommentar gepostet oder ein Like gesetzt wird, oder wann jemand vorzeitig zum nächsten Video wechselt. So gut wie keine Rolle spielen laut des Dokuments die Interessen der Freundinnen und Bekannten. Die App setze stattdessen ganz auf die Analyse der Nutzer-Interaktion.

Tiktok als «Abhängigkeitsmaschine»

Nicolas Kayer-Bril von der Berliner Forschungsorganisation AlgorithmWatch bezeichnet Tiktok im Interview mit dem «Spiegel» als «eine Abhängigkeitsmaschine». Das Ziel der Videoplattform sei eindeutig: Die Verweildauer auf der App soll erhöht werden. Tiktok müsse den «Für-Dich-Feed» eigentlich in «Für-uns-Feed» umbenennen, so Kayer-Bril weiter.

Die App schlage nicht in erster Linie Videos vor, die die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer erhöhen würden, sondern solche, die die Bildschirmzeit erhöhen würden. Kayer-Bril vergleicht die Videoplattform mit Tabakkonzernen: «Die wissen auch, was sie tun müssten, damit ihre Produkte weniger süchtig machen. Aber sie gestalten sie trotzdem anders.»

(L'essentiel/job)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bil am 09.12.2021 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den scheiss well ech net an kucken Ech net

  • Valchen am 08.12.2021 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den Deckel passt net méih op Der Pandora hier Késcht. Iwwer Déi léscht, Gen gin d’Ménschen Smombien gemaach, absichtlech. China-Agent Zuckerberg an séng Komplizen laachen Séch and Fëischtchen! ;—//

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bil am 09.12.2021 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den scheiss well ech net an kucken Ech net

  • Valchen am 08.12.2021 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den Deckel passt net méih op Der Pandora hier Késcht. Iwwer Déi léscht, Gen gin d’Ménschen Smombien gemaach, absichtlech. China-Agent Zuckerberg an séng Komplizen laachen Séch and Fëischtchen! ;—//

    • Pablo am 09.12.2021 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      Ech benotzen och Facebook, TikTok an Co. sin dofir awer nach kee smombie ech kennen meng Grenzen.

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