SAR-Wert

16. Februar 2020 14:37; Akt: 16.02.2020 14:47 Print

Strahlt das iPhone 11 Pro viel stärker als erlaubt?

Laut einem unabhängigen Testlabor gibt das neueste Apple-Modell beinahe doppelt so viel Strahlung ab, wie in den USA erlaubt – entgegen den Angaben von Apple.

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Das neuste Smartphone von Apple, das iPhone 11 Pro, strahlt gewaltig. Das behauptet das unabhängige Forschungslabor RF Exposure Lab, das das Modell getestet hat. Das Resultat: Der gemessene SAR-Wert (siehe Box) liegt bei 3,8 Watt pro Kilogramm. Das Limit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist bei 2 Watt je Kilogramm angesetzt. In den USA liegt das Limit noch tiefer. Laut der US-Kommunikationsbehörde FCC ist dieses bei 1,6 Watt je Kilogramm angesetzt.

Laut der Messung des RF Exposure Lab strahlt das iPhone 11 Pro also mehr als doppelt so stark wie in den USA erlaubt. Auch die Limite der WHO wird überschritten. Stellt sich die Frage, weshalb dieser Wert so stark von jenem, den Apple selbst kommuniziert hat, abweicht. Laut Hersteller liegt der SAR-Wert des iPhone 11 Pro bei 0,99.

Unterschiedliche Testergebnisse

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, führte die FCC selbst Tests am iPhone 11 Pro durch. Dabei konnte kein überhöhter SAR-Wert gemessen werden. Wie kam RF Exposure Lab also auf diesen Wert?

Dazu gibt es laut Joel Moskowitz, Strahlen-Wissenschaftler an der Universität Berkeley, verschiedene Theorien. Gegenüber IEEE Spectrum, sagt er, dass die Testmethoden von RF Exposure Lab fehlerhaft sein könnten. Allerdings handelt es sich um ein zertifiziertes Testlabor, das ständig Tests dieser Art durchführt.

Verschiedene Geräte getestet

Die zweite Möglichkeit sei beunruhigender, so Moskowitz: RF Exposure Lab habe die Telefone, die getestet wurden, selbst gekauft. Jene Geräte, die von der FCC getestet wurden, seien jedoch von Apple zur Verfügung gestellt worden. «Es wäre ein Leichtes, diese Telefone mit einer Spezial-Software zu versehen, sodass sie weniger stark strahlen», so Moskowitz.

Die Tech-Website BGR sieht dies aber eher als Verschwörungstheorie an. Sie gibt eine andere Erklärung: Die Studie von RF Exposure Lab wurde von Penumbra Brands in Auftrag gegeben. Die Firma macht ihr Geld mit dem Verkauf von Schutzhüllen, die die Strahlung eines Smartphones – beispielsweise eines iPhones 11 Pro – mindern sollen. «Die Firma warnt also vor der Strahlung des iPhones und ist gleichzeitig gewillt, den Kunden eine Hülle gegen dieselbe Strahlung zu verkaufen. Wie praktisch», heißt es auf der BGR-Website.

Apple hat sich bisher nicht zu den gemessenen Werten von RF Exposure Lab oder zu den Anschuldigungen von Moskowitz geäußert.

Veraltete Testmethoden

Während sich die Wissenschaft nach wie vor uneins über die tatsächliche Strahlengefahr durch Handys ist, geben Experten des deutschen Bundesamtes für Strahlungsschutz folgende Tipps, um die persönliche Strahlenbelastung von Mobiltelefonen zu verringern:

  • Verwenden Sie Kopfhörer oder eine drahtlose Freisprecheinrichtung (Head-Set) mit einem schwachen Bluetoothsender (Leistungsklasse 2 oder 3), um die Strahlung am Kopf zu reduzieren.
  • Nutzen Sie bevorzugt moderne Mobilfunknetze wie LTE (4G) oder UMTS (3G), die strahlungsärmer als die ältere Technologie GSM arbeiten. Überprüfen Sie diesbezüglich die Einstellungen Ihres Mobiltelefons oder wenden Sie sich an Ihre Verkaufsstelle.
  • Verwenden Sie im Innern von Gebäuden oder im Zug wenn möglich WLAN zum Telefonieren und zur Datenübertragung. Überprüfen Sie die Einstellungen Ihres Mobiltelefons.
  • Vorsicht bei Schutz- und Abschirmprodukten, welche die Strahlenbelastung reduzieren sollen. Wenn die Verbindungsqualität verschlechtert wird, ist das Mobiltelefon gezwungen, stärker zu strahlen.
  • Personen, die ein elektronisches medizinisches Implantat tragen, sollten einen Abstand von 30 cm zwischen dem Mobiltelefon und dem Implantat einhalten.

Zudem sollten Smartphones nicht zu nahe am Körper getragen werden. Die Tests, die den SAR-Wert eines Telefons ermitteln, überprüfen die Strahlung, wenn ein Telefon 5 Millimeter vom Körper entfernt gehalten wird. Dies ist zwar nicht viel, bei einer normalen Nutzung befindet sich das Telefon aber häufig in einem Abstand von rund 2 Millimetern vom Körper entfernt. Dies ist ein Grund, weshalb einzelne Strahlenforscher seit längerem eine Überholung der Messmethoden des SAR-Werts fordern.

(L'essentiel/doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Niemand am 16.02.2020 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so wild . . . solange es nur die Lebensdauer von Menschen abkürzt . . .

  • Megadeath am 17.02.2020 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt haben die Leute alle ein smartphone und jetzt haben sie erst angst vor der Strahlung

  • Julie am 17.02.2020 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mit einer entsprechenden App kann das Handy den Mikrowellenherd ersetzen

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  • Megadeath am 17.02.2020 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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  • Julie am 17.02.2020 08:00 Report Diesen Beitrag melden

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  • Niemand am 16.02.2020 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so wild . . . solange es nur die Lebensdauer von Menschen abkürzt . . .