Monatslohn 420 Euro

13. April 2017 07:00; Akt: 12.04.2017 22:05 Print

Undercover in einer iPhone-​​Fabrik in China

Ein Student der New York University hat sechs Wochen in einer chinesischen iPhone-Fabrik gearbeitet. Er erzählt von langen Tagen und monotoner Arbeit.

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Dejian Zeng ist in China geboren und studiert derzeit an der New York University. Für sein Sommerprojekt hatte er sich letztes Jahr etwas Besonderes ausgedacht. Er arbeitete sechs Wochen lang in Shanghai in einer Fabrik von Pegatron, einem Zulieferer von Apple.

100.000 Leute arbeiten laut Zeng auf dem Areal. Es ist nur eine von vielen ähnlichen Fabriken, die für Techfirmen Gadgets herstellen. Die Erfahrungen, die er letzten Sommer gesammelt hatte, teilte Zeng nun auf Businessinsider.com.

1800 Schrauben am Tag

Bewerben musste er sich nicht für den Job am Fließband, er ging einfach zur Fabrik. «Dann überprüfte jemand, ob meine Hände intakt sind und ob ich das englische Alphabet auswendig kann», so Zeng. Dann wurden Fingerabdrücke genommen und es gab eine ärztliche Untersuchung, die umgerechnet neun Euro kostete.

Nach einer Sicherheitsschulung samt Einweisung konnte er mit der Arbeit beginnen. «Der Zutritt zur eigentlichen Fabrik ist mit zwei Sicherheitsschleusen inklusive Metalldetektoren gesichert, Smartphones und Feuerzeuge sind verboten», erzählt er. In den ersten Tagen wurde er der Fertigungsstraße für das iPhone 6S zugeteilt. «Ich habe den Lautsprecher ins Gehäuse geschraubt. Es war eine Schraube, die ich reindrehen musste. Danach ging das montierte Teil an die nächste Station», so Zeng. Diesen Vorgang wiederholte er rund 1800 Mal pro Tag.

Schlafen verboten!

Zeng arbeitete Nachtschicht. Sein Arbeitstag begann um 19.30 Uhr. Bis zur ersten Pause verstrichen zwei Stunden. «Viele Mitarbeiter nutzten die kurze Pause, um zu schlafen.» Zwei Stunden später gab es eine Pause von 50 Minuten. Dann gingen die Mitarbeiter in die Kantine, wo es Essen gab. Die Mahlzeiten bestünden meist aus Gemüse, Hähnchen und Reis, so Zeng. Manchmal hätte es auch Äpfel oder andere Früchte dazu gegeben.

Für das Essen musste er zwischen 5 und 8 Yuan, umgerechnet etwa einen Euro bezahlen. Das Essen war jedoch nicht von hochwertiger Qualität. Wer eher fertig war mit Essen, nutzte die verbleibende Zeit zum Schlafen. Wer außerhalb der Pausenzeiten beim Herumliegen erwischt wurde, den erfassten die Kontrolleure. «Das erfährt die ganze Fabrik. Passiert es mehrere Male, erhält man weniger Lohn», sagte Zeng.

iPhone 7: «Der Kunde ist da»

Unter dem Strich verbrachte der NYU-Student zwölf Stunden pro Tag in der Fabrik, inklusive der Pausen, die nicht bezahlt wurden. Er arbeitete sechs Tage die Woche. Dafür bekam er einen Lohn von 3100 Yuan pro Monat ausbezahlt, umgerechnet sind das rund 420 Euro. Der Basislohn sei niedriger, sagt Zeng. Nur wer Überstunden mache, erhalte diesen Lohn. Tagsüber schlief er mit sieben anderen Mitarbeitern in einem Saal, der zehn Autominuten von der Fabrik entfernt war.

Ab August 2016 bekam Zeng eine neue Aufgabe: Er arbeitete am iPhone 7, das Apple letzten Herbst enthüllte. Das Arbeitsklima habe sich schlagartig verändert, erzählt er. Die Kontrollen am Eingang wurden verschärft und die ganze Fabrik wurde auf Vordermann gebracht. Auch seien Mitarbeiter von Apple vor Ort gewesen. Die Vorarbeiter hätten dann immer gesagt: «Der Kunde ist hier.»

Zeng hat ein iPhone SE

Laut Businessinsider.com hat Apple insgesamt 16 Überprüfungen in besagter Fabrik durchgeführt. 99 Prozent aller Angestellten würden unter 60 Stunden pro Woche arbeiten, heißt es in einem Statement. In den letzten fünf Jahren sei der Monatslohn demnach um mehr als 50 Prozent gestiegen und liege damit höher als der gesetzlich geforderte Mindestlohn in Shanghai.

Was rät Zeng Kunden in den USA und in Europa, die sich über die Zustände in den Fabriken Gedanken machen? «Ein Boykott ist wohl nicht realistisch», sagt Zeng. Es sei aber wichtig, diese Zustände zu thematisieren. Auch sollte den Menschen im Westen bewusst sein, dass für ihr iPhone eine Menge Leute Tag und Nacht gearbeitet haben, um es zu produzieren. Zeng hat selbst ein iPhone SE. Nach seinem Abschluss an der NYU will er für eine chinesische Nonprofit-Menschenrechtsorganisation arbeiten.

(Video: Youtube/NYU Wagner)

(L'essentiel/tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JRTLL am 13.04.2017 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    A mon avis il n'a pas "infiltré" Apple pour: "Er erzählt von langen Tagen und monotoner Arbeit"...C'est simplement de l'espionnage industriel ciblé, car si c'est pour raconter ce qu'il fait, il pouvait aller chez Samsung ou chez Unitronics etc...

Die neusten Leser-Kommentare

  • JRTLL am 13.04.2017 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    A mon avis il n'a pas "infiltré" Apple pour: "Er erzählt von langen Tagen und monotoner Arbeit"...C'est simplement de l'espionnage industriel ciblé, car si c'est pour raconter ce qu'il fait, il pouvait aller chez Samsung ou chez Unitronics etc...