Geheime Absprachen

28. Oktober 2021 10:53; Akt: 28.10.2021 11:04 Print

Verletzten Google und Facebook das Kartellrecht ?

Google soll Facebook bei der Vergabe von Werbeplätzen eine privilegierte Stellung zugesprochen haben. Die beiden Unternehmen streiten ab, das Wettbewerbsrecht verletzt zu haben.

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Im Prozess zwischen dem Tech-Giganten Google und der US-Justizbehörde sind neue, brisante Details aufgetaucht. Die Klage läuft bereits seit 2020 und betrifft eine mögliche Verletzung des Kartellgesetzes durch das Unternehmen. Nun hat eine Nichtregierungsorganisation die gesamte Klageschrift fast vollständig unzensiert veröffentlicht. So kann man neu sehen, was die schwarzen Balken im Dokument zuvor zu verbergen versuchten.

Konkret geht es bei der Klage um Online-Werbung. Google ist mit rund 70 Prozent Marktanteil der unangefochtene Marktführer, was den Verkauf von Werbeplätzen auf Websites angeht, wie die «NZZ» berichtet. Dabei handelt es sich um sogenannte Banner, die innerhalb Millisekunden an den oder die höchstbietenden Kunden verkauft werden, wenn ein User oder eine Userin eine Website aufruft.

Versteigerung manipuliert

Um zu verstehen, worum es bei diesem Prozess genau geht, muss man zuerst begreifen, wie die Werbung überhaupt auf Websites gelangt. Dies geschieht mittels sogenanntem Header Bidding, dank dem die Betreiber und Betreiberinnen von Websites ihre Werbeplätze an mehreren Börsen gleichzeitig zur Versteigerung anbieten können. Wer am meisten bietet, gewinnt auch den Werbeplatz auf einer bestimmten Website.

Google wird nun angeklagt, eine eigene solche Header-Bidding-Plattform erstellt zu haben und dort die Versteigerungen so manipuliert zu haben, dass in einigen Fällen ausgewählte Anzeigekunden und -kundinnen die Auktion gewonnen haben – selbst wenn sie gar nicht das höchste Auktionsgebot geliefert hatten.

Weiter auffällig ist laut den Gerichtsdokumenten, dass der zweite große Player in der Online-Werbung, Facebook, das eigene Projekt zu einer Header-Bidding-Plattform im Jahr 2017 eingestellt hat. Dies scheint überraschend, da Facebook aus einem solchen Projekt viel Profit hätte schlagen können. Wie die Dokumente aber zeigen, wird vermutet, dass Facebook das Projekt aufgrund einer Absprache mit Google fallen gelassen hat.

Unternehmen streiten Schuld ab

Aus der Anklageschrift geht hervor, dass Google Facebook explizit gebeten haben soll, die Pläne für eine eigene Header-Bidding-Plattform einzustellen. Im Gegenzug soll Google versprochen haben, Facebook bei jeder zehnten Anzeige die Auktion gewinnen zu lassen – egal, ob Facebook tatsächlich am meisten für die Werbebotschaft bezahlt oder nicht.

Damit aber nicht genug. Weiter sollen die beiden Unternehmen vereinbart haben, dass Facebook bei seinen Angeboten einen gewissen Preis nicht unterschreiten sollte. So sollte sicher gestellt werden, dass die Preise für Online-Anzeigen hoch bleiben. Die Übereinkunft soll den Codenamen «Jedi Blue» getragen haben.

Die beiden Unternehmen streiten den Vorwurf, gegen das Kartellrecht verstoßen zu haben, allerdings ab. Facebook hält gegenüber dem «Wall Street Journal» fest, dass solche Deals in der Werbebranche nichts Außergewöhnliches seien und Facebook auch mit anderen Unternehmen ähnliche Übereinkünfte eingegangen sei. Google weist wiederum darauf hin, dass die Werbepreise im Online-Raum in den letzten Jahren gefallen sind. Daher handle es sich nach wie vor um ein hochkompetitives Feld.

(L'essentiel/Dominique Zeier)

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