15 Jahre Youtube

12. Februar 2020 07:59; Akt: 12.02.2020 08:09 Print

Vom Hobbyfilmer-​​Spielplatz zum Video-​​Imperium

Seit anderthalb Jahrzehnten gibt es Youtube. Was mit einem banalen Tiervideo begann, wurde zu einem Milliardengeschäft und einem der größten Portale der Unterhaltungswelt.

storybild

In 15 Jahren Youtube hat das Unternehmen einen rasanten Aufstieg erlebt. (Bild: DPA/Carsten Rehder/Symbolbild)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Den Anfang machten ein paar Elefanten im Zoo von San Diego. «Das Coole an diesen Typen ist, dass sie diesen echt langen Rüssel haben», sagt Youtube-Mitgründer Jawed Karim, zwei Dickhäuter im Hintergrund. Das erste Video auf der Online-Plattform war banal und unspektakulär - ganz im Gegensatz zum Aufstieg von Youtube, der folgen sollte. Die Website entwickelte sich rasch zum Inbegriff des kurzweiligen Internet-TVs und ist heute eine Supermacht der Unterhaltungswelt. Doch so groß der Erfolg, so groß ist inzwischen auch die Kritik. Zum 15. Geburtstag am Samstag (15. Februar) ist Youtube umstritten wie nie.

Nette Tierfilmchen wie den Elefanten-Clip gibt es zwar noch immer, doch die Zeiten der Unschuld sind längst vorbei. Die Übernahme durch Google, die Kommerzialisierung, die Werbemilliarden - der einstige «Broadcast Yourself»-Spielplatz für Privatvideos ist für Googles Mutterkonzern Alphabet längst nur noch ein großes Geschäft. Mit dem rasanten Wachstum der Bandbreite haben jedoch auch Einfluss und Verantwortung massiv zugenommen. In der Ära von Fake News, Hetze und Filterblasen im Netz ist Youtube ein steter Stein des Anstoßes.

«Alle sind die ganze Zeit wütend auf dich»

Das weiß auch Youtube-Chefin Susan Wojcicki: «Alle sind die ganze Zeit wütend auf dich», sagte sie der New York Times vergangenes Jahr in einem Interview zu Youtubes umstrittenem Umgang mit extremen Inhalten. Enorme rund zwei Milliarden aktive monatliche Nutzer hat die Plattform nach eigenen Angaben inzwischen. Vor fünf Jahren waren es noch halb so viele. Was Youtube zu Alphabets Erlösen beiträgt, war lange eines der bestgehüteten Geheimnisse der Finanzmärkte - kürzlich gewährte der Konzern erstmals Einblick. 2019 spielte die Plattform demnach bereits Werbeerlöse von gut 15 Milliarden Dollar ein.

Dass Youtube-Chefin Wojcicki alle Hände voll zu tun hat, liegt folglich nicht an den Finanzen. Probleme machen vor allem anstößige Inhalte und der Umgang damit. Soziale Medien geraten zunehmend unter Druck, gegen die Verbreitung von Propaganda und Extremismus vorzugehen, Youtube ist hier keine Ausnahme. Alleine schon die schiere Masse an Videos - über 300 Stunden an Material werden pro Minute von Nutzern hochgeladen - macht das Ausmisten zu einer Herkulesaufgabe. Doch kann sich ein Großkonzern mit einem Jahresgewinn von über 34 Milliarden Dollar mit sowas rausreden?

Fragwürdige Videos verbreiten sich schnell

Fest steht: Regelwidrige Clips können sich auf der Plattform durch ständiges Wiederhochladen so rasant verbreiten, dass Youtube trotz ausgeklügelter Algorithmen mit dem Löschen kaum hinterherkommt. Kritiker bezweifeln aber, dass das Unternehmen alles in seiner Macht stehende tut. In den vergangenen Jahren kam es zu etlichen Skandalen - von Selbstmord-Aufnahmen in den Trending-Empfehlungen über Pädophilen-Clips und Sex-Videos im Kinderbereich bis hin zu Videos mit Holocaust-Leugnung und anderer Propaganda. Ex-Mitarbeiter beschuldigten Youtube, die Kontrolle kontroverser Inhalte dem geschäftlichen Nutzen unterzuordnen - also den Werbeerlösen.

So etwas würde das Unternehmen natürlich nie zugeben. Doch gegenüber der New York Times gab Wojcicki durchaus Schwächen im Umgang mit problematischen Uploads zu. «Ich weiß, dass wir es besser machen können, aber wir kommen dahin», sagte die 51-Jährige. «Wir erreichen einen Punkt, an dem wir viele dieser Probleme gelöst haben, und ich habe das Gefühl, dass wir schon deutliche Fortschritte gemacht haben.» Das war im April 2019. Seitdem wurde es tatsächlich deutlich ruhiger um die Plattform, auch wenn es weiter viele Kontroversen gibt - etwa um politische Werbung und manipulative Inhalte.

unerschöpfliche Fundgrube

Es wäre allerdings auch unfair, Youtube zum 15-jährigen Jubiläum auf Diskussionen um strittige Videos zu reduzieren. Ein großer Teil der bisherigen Geschichte ist von harmlosen viralen Phänomenen geprägt - die Plattform ist eine schier unerschöpfliche Fundgrube für Clips aller Art, in der sich von Musikvideos über Rezepte bis hin zu historischen Sportübertragen oder Beauty- und Lifestyle-Guides eigentlich alles findet. Das Portal ist eine Art riesiges Archiv, das Nutzer durch sein cleveres Empfehlungssystem bei der Stange hält.

Youtube hat die Unterhaltungsindustrie nachhaltig verändert und sogar Spuren in der Berufswelt hinterlassen - aus Hobby-Entertainern wurden Youtuber, die an Werbeerlösen beteiligt werden und teilweise ordentlich Geld mit ihren Videos verdienen. Einige von ihnen sind Stars, an denen sich Millionen von Fans orientieren. Die Plattform hat maßgeblich dazu beigetragen, der Influencer-Kultur den Weg zu ebnen. Die Kommerzialisierung geht indes weiter: Inzwischen versucht Youtube auch schon, mit selbst produzierten Inhalten und Bezahlabos im von Netflix dominierten Streaming-Markt Fuß zu fassen.

(l'essentiel/dpa)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.