Neuer Hashtag

29. September 2020 20:37; Akt: 30.09.2020 10:09 Print

Wieso diese Fotos auf Instagram kritisiert werden

Mit #samebodydifferentpose wollen Influencerinnen für mehr Realität auf Instagram sorgen. Doch der Hashtag hat genau die gegenteilige Wirkung.

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#samebodydifferentpose soll auf Instagram für mehr Selbstliebe sorgen.
(Bild: instagram)

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Den Bauch eingezogen, den Po rausgestreckt und die Knie leicht überschlagen: So inszenieren sich die meisten Influencerinnen auf Instagram. Neu stellen einige dieser Aufnahme eine weitere gegenüber. Den Bauch locker oder gar etwas rausgedrückt, Schultern und Rücken entspannt, die Beine stehen gerade nebeneinander, damit keine Lücke dazwischen entsteht. Versehen wird das Ganze mit dem Hashtag #samebodydifferentpose – also gleicher Körper, andere Pose.

Der Grundgedanke hinter diesen Bildern: Lasst euch nicht von Licht, Pose und Co. reinlegen – was ihr hier auf Insta seht, ist nicht die Realität. Die Gegenüberstellungen werden zigfach geliked, die Insta-Community steht auf vorher/nachher-Bilder. Die 33-jährige Influencerin Danae Mercer erreicht mit solchen Posts mittlerweile 1,9 Millionen Followerinnen und Follower.

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FAKE HOURGLASS SELFIES : The standing version ⏳ Because my gosh this pose is popular at the moment, but you don’t need WAIST TRAINERS or WEIRD TEAS to get there. Don’t let any dodgy brands convince you otherwise. Here’s how influencers do it: ❣️ Lower camera and tilt it up. This makes longer leg lines ❣️Wedgie. Higher bikini is more flattering. ❣️POP into one hip. I’m not just leaning. I’ve actually physically popped my weight into it so I can really create an exaggerated hip shape. ❣️Cross the other leg over. You’ll see I actually have HIP DIPS and SADDLEBAGS (both totally human things) but this magically ‘eliminates’ them. ❣️Exhale. Squeeze core. Shoulders go back. ❣️Stand on tiptoe. ⌛️ BAM! Take the ‘effortless’ and ‘so relaxed’ selfie. Plus I’m also using the SIDE LIGHT from the window here to create more ab definition. So that’s the secret. It’s very uncomfortable and looks ridiculous getting into, but at least there’s no waist slimming wraps and wild detoxes required. Trust me, those things are never, ever required. Even when insta-ads say otherwise. Just a lil reminder today that social media isn’t real. You got this. x Swimwear @calirae.co #instavsreality #instagramvsreality #slimthicc #hourglassbody #selflove #selfacceptance

Ein Beitrag geteilt von Danae | Angles + Self Love (@danaemercer) am

Toxisch statt ermutigend

Die Krux am Ganzen: Die meisten Frauen, die unter dem Hashtag posten, sind schlank und entsprechen selbst mit Blähbauch und Röllchen den gängigen Schönheitsnormen. Das ist auch den Userinnen und Usern auf Instagram aufgefallen, die solche Posts zunehmend kritisieren.

Denn ermutigend sind die Gegenüberstellungen der unterschiedlichen Posen nicht. Im Gegenteil: Sie zeigen auf eine toxische Art und Weise, wie selbst schlanke, normschöne Frauen vermeintlich unvorteilhaft aussehen.

Überhaupt auf unterschiedliche Weise posieren zu können, setze bereits ein bestimmtes Körperbild voraus, wie Influencerin @danielleisanxious in einem Post schreibt. Für mehr Diversität habe sie die Bilder des Hashtags nachstellen wollen. «Aber mein Körper wird diese Posen niemals nachstellen können, weil ich nicht schlank bin», schreibt die Kanadierin.

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Recreating viral images of thin bodies pt. 8. Representation matters. That’s why I’m recreating viral images of thin bodies within the self love community on social media. This was a hard one for me to do. Because the truth is, my body will never be able to replicate these poses because I am not thin. I can’t pose to achieve a thigh gap. I can’t strategically position my underwear to give me a thinner waist. My body causes my ‘different’ poses to look the same. I will be fat, one way or another. I can’t pose away the scrutiny and hatred shown toward my body. While the original image I’m sure helps people, they don’t land well with people who aren’t thin for this reason. Respect and thanks to @namastehannah for the image inspo.

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«Ich wirke fett. So oder so.»

«Ich kann nicht einfach anders posen, um eine Thigh Gap zu bekommen. Ich kann meine Unterwäsche nicht strategisch positionieren, um eine dünnere Taille zu haben.» Bei ihrem Körper sähen die unterschiedlichen Posen allesamt gleich aus. I«ch wirke fett. So oder so. Ich kann die Abscheu, die meinem Körper entgegengebracht wird, nicht einfach wegposieren.»

Auch die deutsche Body-Positivity-Instagrammerin @radicalsoftness__ äußert sich zum Hashtag. «Mich nerven diese Posts.» Schließlich hätten die meisten Menschen, die solchen Content posten, das Privileg, schlank zu sein. «Bitte drückt nicht extra Fettpolster raus», schreibt sie. Die habe schließlich jede und jeder beim Sitzen. «Versucht nicht, irgendeinen Makel zu finden, nur um beim Body-Positivity-Trend mitzumachen.»

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Habt ihr ein thin privilege? Hier eine kleine Checkliste: - Sagen Ärzt*innen zu dir, dass bestimmt dein Gewicht schuld ist an deinen gesundheitlichen Problemen? - Gibt es in Klamottenläden meistens nicht deine Größe? - Sagt man zu dir öfter „Aber dein Gesicht ist echt schön!“ (Und meint: Dein Körper weniger) - Denken andere Menschen oft von dir, dass du wegen deines Aussehens faul bist? - Musst du im Flugzeug wegen deines Gewichts mehr zahlen? - Musst du dich im Flugzeug in einen Sitz quetschen bzw. passt dieser nicht? - Wirst du beobachtet oder verurteilend angesehen, wenn du in der Öffentlichkeit isst? - Wird dein Körpertyp in den Medien als „Pandemie“ bezeichnet? - Verdrehen Menschen die Augen, wenn du dich im Bus neben sie setzen willst? - Werden dir ständig ungefragt Abnehmtipps gegeben? —> Nein? Trifft alles nicht zu? Herzlichen Glückwunsch, you have thin privilege! Was bedeutet das nun? Es bedeutet NICHT, dass du dich dünn fühlen (musst) oder, dass du nicht mit deinem Körper struggelst. Es bedeutet auch nicht, dass du dich deshalb wohl in deinem Körper fühlst oder du keine Probleme damit hast, ihn zu zeigen. Du fühlst was du fühlst und jede*r kann unabhängig des Körpertyps mit seinem*ihrem Körper struggeln. Es bedeutet, dass du von der Gesellschaft nicht wegen deines Körpers diskriminiert wirst. Dass dich oben genannte Punkte, unabhängig von deinem eigenen Gefühl zu deinem Körper, nicht betreffen. So, und warum habe ich das jetzt gesagt? Weil mich diese ganzen Posts mit den extra rausgedrückten Fettpolsterchen nerven. Und weil diese Menschen, welche nicht ins thin privilege fallen, absolut nicht helfen. Sogar im Gegenteil. Versteht mich nicht falsch. Ich feiere es, wenn ihr euren Körper zeigt, wie er ist! Ich feiere es, dass ihr euch traut ihn real zu zeigen, wenn ihr schon lange Probleme hattet. Das kann, unabhängig vom Gewicht, ein riesen Schritt für euch persönlich sein. Aber bitte drückt nicht extra Fettpolster raus. Die hat jede*r beim sitzen. Versucht nicht irgendeinen Makel zu finden und diesen dann zu zeigen nur um beim aktuellen „bodypositivity“ Trend mitzumachen.

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Einige rudern bereits zurück

Userin @Namastehannah hat mit ihren über 350.000 Followern auch bereits einige solcher Vergleichsbilder geteilt und fühlt sich nun missverstanden. Sie hat die Kritik zum Hashtag in ihrer eigenen Kommentarspalte mitbekommen und nun ein Statement dazu veröffentlicht.

«Ich sage nicht, dass eine Pose besser sei als die andere», schreibt die Yogalehrerin und Bloggerin auf Insta. Sie wolle lediglich zeigen, wie unterschiedlich ein Körper wirken könne – je nach Pose, Licht und anderen äußeren Einflüssen.

«Ich möchte, dass ihr eure Selbstliebe nicht von eurer Körperform abhängig macht.» Bleibt zu hoffen, dass wir in Zukunft nicht nur öfter verschiedene Posen auf in unseren Feeds sehen, sondern auch unterschiedliche Körperformen.

(L'essentiel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc am 29.09.2020 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass was für ein unterschied. Super das sie das macht.

  • jimbo am 29.09.2020 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann een net esou ausgesait, da muss een dat entweder accepteieren oder eppes dofir machen. An net iwwer dei meckeren, dei eben esou ausgesinn.

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  • MentalGoat am 01.10.2020 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wat Problemer. Di eng genausougudd wéi di aner.

Die neusten Leser-Kommentare

  • MentalGoat am 01.10.2020 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wat Problemer. Di eng genausougudd wéi di aner.

  • jimbo am 29.09.2020 21:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann een net esou ausgesait, da muss een dat entweder accepteieren oder eppes dofir machen. An net iwwer dei meckeren, dei eben esou ausgesinn.

    • Jumbo am 30.09.2020 08:08 Report Diesen Beitrag melden

      Naicht verstaan wourem et bei Body-positivity geht :-)

    • Dumbo am 30.09.2020 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Ma just verstanen. Se sollen mat hirem éegenen Body zerfridden sinn amplaatz dann iwert aneren hiren besseren Body ze meckeren. Wann se net zerfridden sinn léit et un hinnen fir selwer eppes dergeint ze machen.

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  • Marc am 29.09.2020 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass was für ein unterschied. Super das sie das macht.