Kryptowährungen

03. Juli 2019 16:09; Akt: 03.07.2019 16:23 Print

Wieso stoppt niemand die Bitcoin-​​Betrüger?

Ein Bitcoin-Portal wirbt mit Fake-Interviews. Lockvögel sind DJ Bobo, Roger Schawinski oder Roger Federer. Warum kann den Betrügern nicht das Handwerk gelegt werden?

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Betrügerische Bitcoin-Portale treiben ihr Unwesen: Mit gefälschten Interviews im Layout von Schweizer und deutschen Nachrichtenseiten missbrauchen die Betrüger die Identitäten von Schweizer Prominenten. Die neuesten Lockvögel sind DJ Bobo und Roger Schawinski, wie «Watson» berichtet. Sie werben unfreiwillig für ein Bitcoin-Portal, das sie reich gemacht haben soll. Die Fake-Interviews kursieren auf Facebook. Ebenfalls betroffen sind die Musiker Bligg und SRF-Moderatoren wie Sandro Brotz, Susanne Wille und Kurt Aeschbacher.

Fake-Roger soll Karriere für Bitcoins aufgeben

Die Betrugsmasche ist nicht neu: Bereits im März kursierte auf Facebook ein gefälschtes Interview mit Roger Federer. Im Artikel warb der Tennisstar angeblich für das Portal «The Bitcoin Code» – natürlich ein Fake (20 Minuten berichtete).

Federer habe aber keine Strafanzeige eingereicht, weil nicht habe eruiert werden können, wer den Post verfasst habe, und weil kein Bezug zur Schweiz ersichtlich gewesen sei, sagt sein Anwalt Filippo Th. Beck zu 20 Minuten.

«Großteil der Betroffenen melden den Betrug nicht»

Die Betrugsmasche ist den Behörden seit einiger Zeit bekannt. Da ein Großteil der betroffenen Privatpersonen den Betrug nicht melden, sind laut Max Klaus, Stellvertretender Leiter der Schweizer Melde- und Analysestelle Informationssicherung (Melani), keine repräsentativen Zahlen verfügbar.

«Bisher sind bei Melani aber Meldungen im mittleren zweistelligen Bereich eingegangen.» Man vermute, dass es sich bei der Betrugsmasche um eine Version des sogenannten Vorschussbetrugs handle. «Betroffene sollten sich am besten an die zuständige Kantonspolizei wenden, um eine Strafanzeige gegen die Betreiber des Portals einzureichen», rät Klaus.

Warum kann man die Betrüger nicht stoppen?

Weshalb es so schwierig ist, den Betrügern auf die Schliche zu kommen, liegt laut Klaus daran, dass es sich um Profis handelt. «Sie wissen sich gut zu verstecken.» Bei den Kantonspolizeien Zürich und Aargau sind bisher keine solche Fälle bekannt.

Dies bestätigt auch Laura Brand, Projektleiterin bei der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP). «Die Betrüger verwischen ihre Spuren online sehr geschickt.» Die vorhandenen IP-Adressen würden jeweils verschleiert, beispielsweise mithilfe von Umleitungen über Proxy-Server oder mit der Nutzung des Tor-Netzwerks. «So führen die Spuren am Schluss ins Ausland», sagt Brand. Viele Verfahren würden deshalb eingestellt.

«In den letzten Jahren ist ein regelrechter Hype um sagenhafte Gewinne mit Kryptowährungen entstanden. Es gibt eine große Anzahl betrügerischer Websites, die diese Goldgräberstimmung ausnutzen und bei kleinen Anlagen große Gewinne versprechen», warnt Brand. In den meisten Fällen gebe schon eine kleine Google-Recherche Anhaltspunkte über die Seriosität des Angebots.

«Facebook verdient auch an gefälschter Werbung»

Warum die Fake-Artikel nach wie vor den Usern auf Facebook angezeigt werden, hat laut Stefan Thöni, It-Experte und Präsident der Piratenpartei Zentralschweiz, mehrere Gründe. «Grundsätzlich haben soziale Medien das Gefühl, dass sie jenseits unseres Rechtraums stehen.» Beispiel dafür sei das lasche Vorgehen Facebooks gegen Hasskommentare, während gleichzeitig unproblematische Inhalte wie am Fließband gelöscht werden würden. Außerdem verdiene Facebook mit Werbung – egal, ob echt oder gefälscht – Geld, so Thöni.

«Fake-Werbung generiert mindestens genauso viele Klicks wie richtige Werbung. Außerdem würden aufwendige Kontrollmechanismen einen riesigen Aufwand für Facebook generieren.» Tatsächlich werden die Fake-Interviews teils auch als gesponserte Inhalte auf Facebook präsentiert, wie ein Screenshot belegt (siehe Bildstrecke). Facebook verdient an diesen gesponserten Beiträgen Geld.

«Wir gehen gegen diese Art von Anzeigen vor»

Facebook toleriere das aber nicht. «Diese Art von Anzeigen hat absolut keinen Platz auf Facebook und wir entfernen alle, die uns gemeldet wurden», so ein Sprecher zu L' essentiel. Die Leute hinter diesen irreführenden Anzeigen würden ihre Taktiken laufend anpassen, um nicht entdeckt zu werden.

«Während wir unsere Tools diesbezüglich ständig verbessern, können wir nicht alle Missbrauchsfälle verhindern», so der Facebook-Sprecher. Das Unternehmen verpflichte sich dazu, diese Anzeigen schnell zu entfernen und gegen die Personen dahinter vorzugehen.

(L'essentiel/mm)

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