Scharfe Kritik

10. Juli 2020 10:19; Akt: 10.07.2020 10:39 Print

Zuckerberg kann Gemüter nicht besänftigen

Mehrere Firmen haben sich zu einem Werbeboykott gegen Facebook zusammengeschlossen. Auch nach einem Treffen mit Zuckerberg sind die Gemüter nicht besänftigt – im Gegenteil.

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Diese Woche hat sich der Facebook-CEO Mark Zuckerberg mit Vertretern jener Unternehmen getroffen, die seine Plattform mit einem Werbe-Stopp boykottieren wollen. Mit dabei waren aber auch Vertreter verschiedenster Menschenrechtsorganisationen. Sie alle verließen das Treffen ernüchtert, wie Cnn.com berichtet. «Das Meeting, das wir gerade abgeschlossen haben, war eine Enttäuschung», wird der Präsident von «Color of Change», Rashad Robinson, zitiert.

Dies sieht auch die Medien-Aktivistengruppe «Free Press» ähnlich. Facebook habe den Boykott und den Aufruf der Unternehmen, etwas zu ändern, noch immer nicht verstanden. «Anstatt einer Timeline zuzustimmen, innerhalb welcher gegen den Hass und die Missinformation auf Facebook vorgegangen werden kann, hat der Unternehmensführer die nur immer gleichen Argumente gebracht und unsere Bitte überhaupt nicht verstanden», heißt es.

Ein Monat ohne Werbung

Bei Facebook selbst klingt es allerdings anders. «Dieses Treffen war eine Möglichkeit für uns zu hören, was die Organisatoren der Kampagne erreichen möchten und von unserer Seite her zu bestätigen, dass wir gegen Hassreden auf unserer Plattform ankämpfen. Wir wissen, dass wir nach unseren Taten und nicht nach unseren Worten beurteilt werden», sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Am Werbeboykott teilgenommen hat bisher eine Vielzahl an großen und kleinen Unternehmen, darunter The North Face, Pfizer und Levi Strauß. Die Firmen haben sich dazu verschrieben, mindestens einen Monat lang keine Werbung auf Facebook zu schalten, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Plattform aktiver gegen Hassreden und soziale Ungerechtigkeit vorgehen soll. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hatte, war Facebooks Entscheid, nicht auf eine Serie kontroverser Posts des US-Präsidenten Donald Trump zu reagieren. In einem dieser Posts drohte der Präsident damit, dass «Looting» (Ausrauben) zu «Shooting» (Erschießen) führen würde.

Die Forderungen

Tatsächlich dauerte das Meeting zwischen Zuckerberg und den Aktivisten gerade mal eine Stunde und wurde via Zoom durchgeführt. Nebst dem CEO selbst seien auch COO Sheryl Sandberg und Chief Product Officer Chris Cox anwesend gewesen. Dabei seien alle Punkte, die die Organisationen von Facebook verlangen würden, dargelegt worden:

Dazu gehört, dass das Unternehmen eine Person in die Firmenführung aufnimmt, die ein «tiefes Verständnis über Bürgerrechte» mit sich bringt. Außerdem solle es regelmäßige Inspektionen geben, die die Plattform nach Hassreden und Missinformationen durchsuchen. Darüber hinaus sollten private Gruppen, die auf Hass und gefährliche Verschwörungstheorien spezialisiert sind, gesperrt werden. Zu diesem Zweck sollen alle Moderatoren einen Anti-Hass- und Anti-Bias-Workshop absolvieren müssen. Zudem sollten Werbungen, die offensichtliche politische Lügen verbreiten, gesperrt werden.

«Wir haben zehn Punkte vorgestellt und haben zu keinem davon Feedback oder auch nur einen Zeitrahmen, in welchem sie umgesetzt werden sollen, bekommen», sagt Jonathan Greenblatt, CEO von «Anti-Defamation League», zu Cnn.com. Dem kann Jessica Gonzalez, CEO von «Free Press» nur zustimmen: «Wir sind es wirklich leid, immer nur vage Versprechungen zu bekommen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nochmals an einem solchen Meeting teilnehmen werde, bevor Facebook tatsächlich Engagement zeigt.»

«Wieso sind wir überhaupt hier?»

Tatsächlich sei es genau ein solches Meeting gewesen, das Robinson überhaupt erst auf die Idee eines solchen Boykotts gebracht habe. «Als wir uns am 1. Juni zum ersten Mal trafen, habe ich mehrmals gesagt: Was machen wir hier – Mark, wieso sind wir überhaupt hier?» Dabei sei ihm klar geworden, dass nur ein drastischerer Schritt helfen könne.

Facebook selbst scheint das Treffen allerdings als Erfolg abzustempeln. In einem Statement, das nach dem Meeting veröffentlicht wurde, heißt es: «Es hat uns sehr dabei geholfen, zu lernen, was wir noch verbessern können.» Demnach könnten nicht alle, aber einige Punkte umgesetzt werden.

(L'essentiel/dz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ivan Streusalz am 10.07.2020 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn das nichts bringt hillft nur noch der Boykott durch die User. Jeder der gegen Hass auf Facebook ist sollte es einfach nicht mehr benutzen. Erst wenn dann der Kurs an der Börse fällt werden sie anfangen nachzudenken….

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  • Jean Muller am 10.07.2020 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Als ob FaceBook das Boykott der paar Werbekunden kratzen würde: Gesamtwerbeeinnahem von Facebook 2019: 69,7 Milliarden Dollar Werbeeinnahmenverlust durch die 'Boykotteure': 57 Millionen Dollar! Ausreden sind da um gebraucht zu werden.

  • Marco am 10.07.2020 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kartellbildung um Zensur einzufordern? Auf den ersten Blick scheinen die Absichten der Firmen gut zu sein, doch oft trügt der Schein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jean Muller am 10.07.2020 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Als ob FaceBook das Boykott der paar Werbekunden kratzen würde: Gesamtwerbeeinnahem von Facebook 2019: 69,7 Milliarden Dollar Werbeeinnahmenverlust durch die 'Boykotteure': 57 Millionen Dollar! Ausreden sind da um gebraucht zu werden.

  • Marco am 10.07.2020 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kartellbildung um Zensur einzufordern? Auf den ersten Blick scheinen die Absichten der Firmen gut zu sein, doch oft trügt der Schein.

  • Ivan Streusalz am 10.07.2020 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn das nichts bringt hillft nur noch der Boykott durch die User. Jeder der gegen Hass auf Facebook ist sollte es einfach nicht mehr benutzen. Erst wenn dann der Kurs an der Börse fällt werden sie anfangen nachzudenken….

    • René Petry am 12.07.2020 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      Dazu sind die User zu dämlich. Es hieß in der Vergangenheit nicht umsonst, dass die Klugen bei Twitter sind und die Doofen bei Facebook. Das war selbstverständlich vor Instagram und Tiktok. Diese toppen die Dummheit noch ....

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