Golden Globes

08. Januar 2018 07:12; Akt: 08.01.2018 07:17 Print

Stars protestieren in Schwarz gegen Übergriffe

In Beverly Hills wurden die 75. Golden Globes verliehen. Als beste Schauspieler wurden Frances McDormand und Gary Oldman ausgezeichnet.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema

Der Kriminalfilm «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» von Martin McDonagh hat bei den 75. Golden Globes mit vier Auszeichnungen abgeräumt. Der Film erhielt am Sonntagabend die Ehrung als bestes Filmdrama in Beverly Hills, Hauptdarstellerin Frances McDormand bekam für ihre Rolle den Preis als beste Schauspielerin. Ihr Kollege wurde als bester Nebendarsteller ausgezeichnet und Martin McDonagh erhielt den Golden Globe für das beste Drehbuch.

Als beste Tragikkomödie wurde «Lady Bird» ausgezeichnet. Regisseurin Greta Gerwig, dankte allen Beteiligten des Films. Auch Hauptdarstellerin Saoirse Ronan konnte einen der goldfarbenen Globusse mit nach Hause nehmen – sie erhielt die Auszeichnung als beste Darstellerin in einer Komödie.

Als bester Darsteller wurde Gary Oldman in «Darkest Hour» ausgezeichnet. Der Mexikaner Guillermo del Toro wurde für seine Regie von «Shape of Water – Das Flüstern des Wassers» mit dem Golden Globe bedacht. Der Film erhielt zudem den Preis für den besten Soundtrack von Komponist Alexandre Desplat.

Das deutsche Drama «Aus dem Nichts» von Regisseur Fatih Akin hat den Golden Globe als bester nicht-englischsprachiger Film gewonnen. Das gab der Verband der Auslandspresse am Sonntagabend bei der 75. Golden-Globe-Gala in Beverly Hills bekannt.

«Aus dem Nichts» mit Hauptdarstellerin Diane Kruger ist in diesem Jahr auch der deutsche Oscar-Kandidat. Akin dankte auf der Bühne unter anderem seiner Hauptdarstellerin. «Das ist deine, das ist unsere», sagte er zu Kruger, mit der Trophäe in der Hand.

Bei der Globe-Verleihung konkurrierte Akins Thriller unter anderem mit dem Gewinner des Europäischen Filmpreises, der schwedischen Satire «The Square» von Ruben Östlund. Weitere Nominierungen in der Sparte waren der kambodschanische Film «First They Killed My Father» von Angelina Jolie, «Fantastic Woman» aus Chile und «Loveless» aus Russland.

Krönung der Karriere

Die 58-jährige amerikanische Schauspielerin Allison Janney gewann zudem die erste Golden-Globe-Trophäe in ihrer Laufbahn. Für ihre Rolle als herzlose, strenge Mutter in der Tragikomödie «I, Tonya» wurde sie in der Nacht zum Montag in Beverly Hills zur besten Nebendarstellerin gekürt.

Seit 2001 war Janney bei den Globes fünfmal für Fernsehauftritte nominiert gewesen, darunter mit ihrer Rolle als Pressesprecherin «CJ» in der US-Politserie «West Wing». Nun gewann sie auf Anhieb mit ihrer ersten Film-Nominierung und setzte sich dabei gegen Mary J. Blige («Mudbound»), Hong Chau («Downsizing»), Laurie Metcalf («Lady Bird») und Octavia Spencer («Shape of Water») durch.

Vor und hinter der Kamera

Der kalifornische Schauspieler James Franco gewann den Golden Globe als bester Hauptdarsteller in einer Komödie. Der 39-Jährige überzeugte den Verband mit seiner Rolle als exzentrischer Regisseur Tommy Wiseau in der Tragikomödie «The Disaster Artist». Der Film, bei dem Franco auch Regie führt, erzählt die Entstehungsgeschichte des schrägen Kultstreifens «The Room», der von Wiseau inszeniert wurde.

Franco setzte sich bei der 75. Globe-Verleihung am Sonntagabend gegen Daniel Kaluuya («Get Out»), Hugh Jackman («The Greatest Showman»), Ansel Elgort («Baby Driver») und Steve Carell («Battle of the Sexes») durch.

Erfolgreicher Neuling

Der amerikanische Schauspieler Sam Rockwell holt seine erste Golden-Globe-Trophäe. Bei der Preis-Gala in Beverly Hills wurde der 49-Jährige als bester Nebendarsteller für seine Rolle in dem Independent-Film «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» geehrt. Darin spielt er einen rassistischen und gewalttätigen Polizisten.

Rockwell setzte sich bei der Globe-Verleihung gegen Christopher Plummer («Alles Geld der Welt»), Armie Hammer («Call Me By Your Name»), Richard Jenkins («Shape of Water») und Willem Dafoe («The Florida Project») durch.

Für Kollegen einsetzen

Im Alter von 101 Jahren stand auch eine besondere Person auf der Bühne in Hollywood: Im Rollstuhl sitzend hat Grandseigneur Kirk Douglas bei der Golden-Globe-Verleihung in Los Angeles den Preis für das beste Drehbuch angekündigt.

Die mit ihm auf der Bühne stehende Schauspielerin Catherine Zeta-Jones erinnerte daran, dass sich Douglas bereits früh für Kollegen eingesetzt hatte, die in den 1940er- und 1950er-Jahren auf Hollywoods Schwarzer Liste mit mutmaßlichen Kommunisten standen.

Lebenswerk

US-Moderatorin und Talkshow-Queen Oprah Winfrey hat in diesem Jahr den Cecil B. DeMille Award fürs Lebenswerk erhalten. Da sie als erste schwarze Frau diese Auszeichnung erhalte, hoffe sie, das habe einen Einfluss auf junge Mädchen, die die Preisverleihung verfolgten, so Winfrey.

Das Publikum ehrte sie mit stehenden Ovationen. Winfrey sprach in ihrer Rede zudem die Skandale um sexuelle Übergriffe an: «Die Wahrheit zu sagen, ist das mächtigste Werkzeug, das ihr alle habt.» Die Schauspielerin und Geschäftsfrau bekam den Preis von Reese Witherspoon überreicht.

Roter Teppich ganz in Schwarz

Der rote Teppich ganz in Schwarz: Zur diesjährigen Verleihung der Golden Globes sind am Sonntag in Beverly Hills viele Stars in Schwarz gekommen, um ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung in der US-Unterhaltungsindustrie zu setzen. Frauen und Männer gleichermaßen liefen zu der Gala im Beverly Hilton in schwarzen Kleidern und Anzügen.

Auslöser der Proteste war der Skandal um den US-Film- und Fernsehmogul Harvey Weinstein, der mehr als hundert Frauen sexuell belästigt oder gar vergewaltigt haben soll. Schauspielerin Meryl Streep sagte dem Sender E! auf dem roten Teppich: «Die Leute sind sich jetzt eines Ungleichgewichts der Macht bewusst. Das hat zu Missbrauch in unserer Branche geführt. (...) Es ist überall.» Die dreifache Oscar-Gewinnerin hob hervor, Männer und Frauen fühlten sich nun «ermutigt, in einer breiten, schwarzen Reihe zusammenzustehen».

Männer zeigen Solidarität

Viele Männer, die ohnehin im schwarzen Smoking gekommen wären, hatten bereits im Vorfeld ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht und trugen nun zusätzlich ein schwarzes Hemd unter dem schwarzen Jackett. «Ich denke nicht, dass dies ein stiller Protest ist. Das wird die Leute dazu bringen, über das Thema zu sprechen», sagte Schauspieler David Thewlis der Nachrichtenagentur AFP.

Zahlreiche Stars brachten als ihre Begleitung zudem Aktivistinnen oder Aktivisten mit. So kam Streep mit Ai-jen Poo, der Vorsitzenden der Nationalen Vereinigung der Hausangestellten. Unter den Gästen war auch Tarana Burke, die den Hashtag #MeToo im Internet ins Leben gerufen hatten. Unter diesem Hashtag hatten zahllose Frauen und Männer in den sozialen Netzwerken von ihren Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen berichtet.

Trotzdem ausgefallene Kreationen

Trotz der ernsten Botschaft verzichteten viele Stars aber nicht auf ausgefallene oder gewagte Kreationen bei ihren Kleidern. Oscar-Gewinnerin Catherine Zeta-Jones kam in einem langen Kleid mit tiefem Ausschnitt und durchsichtigem Rock. Farbtupfer gab es auf dem roten Teppich nur sehr wenige – hier mal ein grüner Lidschatten, dort mal eine orange Schärpe.

Die Golden Globes werden vom Verband der Auslandspresse in Hollywood vergeben. Die Filmpreise gelten als Stimmungsbarometer für die Oscar-Verleihung, die in diesem Jahr am 4. März stattfinden soll.

Die Gewinner


Hollywoods Auslandspresse hat am Sonntag zum 75. Mal die Golden Globes verliehen. Die Preise für Film und Fernsehen wurden in Beverly Hills überreicht. Die Gewinner in den Filmsparten lauten:


Bestes Filmdrama: «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»
Beste Komödie/Musical: «Lady Bird»
Bester Schauspieler in einem Filmdrama: Gary Oldman («Darkest Hour»)
Beste Schauspielerin in einem Filmdrama: Frances McDormand («Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»)
Bester Schauspieler in einer Komödie/Musical: James Franco («The Disaster Artist»)
Beste Schauspielerin in einer Komödie/Musical: Saoirse Ronan («Lady Bird»)
Bester Nebendarsteller: Sam Rockwell («Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»)
Beste Nebendarstellerin: Allison Janney («I, Tonya»)
Beste Regie: Guillermo del Toro («The Shape of Water»)
Bestes Drehbuch: Martin McDonagh («Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»)
Bester nicht-englischsprachiger Film: «Aus dem Nichts» (Deutschland)
Beste Filmmusik: Alexandre Desplat («The Shape of Water»)
Bester Filmsong: This Is Me aus «The Greatest Showman» Bester Animationsfilm: «Coco»

(L'essentiel/chk/sda/ap/afp)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleißig – Tag für Tag gehen Hunderte Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in einer Fremdsprache verfasst. Wir geben nur Kommentare in den Landessprachen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch frei. Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten, werden sofort gelöscht. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar oder in Versalien geschrieben sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken.

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

«L'essentiel» ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@lessentiel.lu
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.