Komikerin Enissa Amani

29. April 2018 15:01; Akt: 29.04.2018 15:03 Print

«Wenn ich verkacke, fällt das auf»

Enissa Amani ist die erste deutsche Komikerin, die ein Netflix-Special erhält. Die 32-Jährige über Humor, die Kardashians und Hass im Netz.

Der Trailer zu Enissa Amanis Comedy-Special. Quelle: Netflix.

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Du machst dich über Klischees lustig. Mit welchem Vorurteil hast du zu kämpfen?

Ich bin der Typ Frau, den man erst mal in eine Schublade stecken will. Die Frauen in Deutschland sind eher dezent und natürlich. Dann kommt ein Mädchen wie ich, mit High Heels, Fönfrisur und falschen Nägeln. Damit bediene ich ein Klischee in Deutschland.

Das kann auch ein Vorteil sein, oder?

Durchaus, zum Beispiel wird man eher unterschätzt und kann die Leute dann positiv überraschen. Aber es hat Nachteile. Bis ich die Anerkennung in der Branche bekam, das hat lange gedauert.

Dein Look erinnert an die Kardashians. Was hältst du von denen?

Nichts! Ich höre das auch nicht gern. Die sind mir von der Optik her zu viel. Ich hatte eine Nasen-OP, aber sonst lasse ich nichts machen. Da ist eher Beyoncé ein Vorbild, die sich zwar auch sexy zeigt und manchmal Oberflächliches zelebriert, aber auch künstlerisch eine Aussage hat.

Du hast eine große Fangemeinde auf Social Media. Wie gehst du mit Hatern um?

Es ist wie bei Nicht-Prominenten. Du kommst mit 50 Leuten super aus, aber mit einem hast du Streit. Und genau darauf fokussierst du leider. Man muss lernen, das für sich auszublenden.

Glaubst du, manche gönnen dir den Erfolg nicht?

Es wäre zu einfach, Kritik als Neid abzutun. Manchmal gibt es auch einfach ehrliche Kritik. Aber wer mehr Hass als Liebe erfährt, überlebt in der Showbranche sicher nicht dauerhaft.

Wie schaffst du es, ein so gemischtes Publikum abzuholen?

Meine Themen sind sehr urban, ich rede viel über Hip-Hop, Kendrick Lamar und meine Generation. Aber ich versuche auch, die 70-Jährigen im Publikum mitzunehmen. Am meisten freut mich, wenn die nach der Show zu ihren Enkeln sagen: «Schau mal, ich weiß etwas über Tupac, das du nicht weißt!»

Die Comedy-Szene ist männlich dominiert in Deutschland. Wie erlebst du das?

Als Frau wirst du manchmal gebucht, weil es einfach viel weniger Komikerinnen gibt. So funktioniert Fernsehen halt auch. Andererseits wird man viel kritischer beäugt. Man kommt sich vor wie die einzige Frau in einer Männerfußballmannschaft. Wenn ich verkacke, fällt das mehr auf.

Ist es als witzige Frau schwieriger, zu daten?

Es gibt dieses Vorurteil, dass humorvolle Frauen burschikos sind. Ich bin ja sehr Mädchen. Das mögen viele Jungs. Ich bin nicht die klassische Frau zum Pferdestehlen, die schnell in die Rolle der besten Freundin rutscht.

Jede Frau, die ich kenne, sagt: Ein Mann muss Humor haben. Auch ein Klischee?

Also Lachen ist in der Beziehung wirklich das Allerwichtigste. Ich mag aber keine Clownerie, also Männer, die nie ernst sein können. Gesunder Humor ist so sexy. Und Authentizität. Die Designerin Patricia Field sagte, es ist nicht J Los Arsch, der ausschlaggebend ist für ihre Erscheinung, sondern die Art, wie sie ihn trägt. Was bedeutet, dass es bei fast allem nur darum geht, wie du es rüberbringst.

«Enissa Amani: Ehrenwort» ist ab 26. April auf Netflix verfügbar.

(L'essentiel)

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