Neue Mental-Health-Doku

26. Oktober 2020 11:53; Akt: 26.10.2020 12:01 Print

«Der Film zeigt, wie verletzlich wir alle sind»

Regisseur Mark Waters dem Geschäftsmann James Sebastiano Jr. auf der Suche nach der Heilung seiner Angststörung. Im Interview sprechen die beiden über die gemeinsame Arbeit.

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Die Corona-Pandemie schürt derzeit in Menschen rund um die Welt Ängste und Panik. Erscheint euer Film zum perfekten Zeitpunkt?

James: Sieht so aus. Wenn wir nach Screenings im Publikum fragen, wie viele schon Erfahrungen mit Angst- und Panikattacken oder Depression machten, gibt es selten jemanden, der nicht die Hand hebt.

Der Film folgt dir, James, in Therapiesitzungen und sogar zu einer schamanischen Ayahuasca-Zeremonie. Das sind sehr emotionale und verletzliche Momente.

Mark: Ich glaube, dass James dafür offen war, ist für den Film entscheidend. Man hat selten Gelegenheit, jemanden in so intimen Momenten zu sehen.

James: Nach physischen Vorführungen standen die Leute Schlange, um von eigenen Ängsten zu erzählen. Auf Instagram kriegen wir täglich Nachrichten.

Was kann uns der Film im Umgang mit Ängsten lehren?

Mark: Dass das Leben viel mehr ist als das, was man uns beibringt.

Meint ihr damit das klassische Bild vom American Dream?

Mark: In gewisser Weise. Der Film zeigt, wie verletzlich wir sind, wenn wir uns zu sehr an einem Status und an flüchtigen Dingen orientieren, wenn gewisse Dinge plötzlich nicht mehr verfügbar oder möglich sind.

James: Menschen, die negative Gefühle akzeptieren können, tun sich mit Krisen leichter. Das zeigt die Pandemie sehr gut: Du kannst deine Emotionen unterdrücken, dich täglich betrinken und einfach alles ignorieren, bis es vorbei ist, oder du kannst Angst, Panik oder Wut akzeptieren, zu- und loslassen.

Was kann der Film uns lehren?

Mark: Dass niemand mit seinen Ängsten alleine ist. Leid ist ein integraler Teil unseres Lebens. Allein die Tatsache, dass jedes Leben endet, macht traurig. Aber nichts ist statisch, und es gibt Wege, mit Angst, Panik und Depression umzugehen.

James: Absolut. Ich selber habe durch die Arbeit an diesem Film überhaupt erst realisiert, dass es nicht normal ist, 24/7 gestresst zu sein und regelmäßig Panikattacken zu haben. Wir müssen verstehen, dass es okay ist, über diese Dinge zu sprechen.

«Chasing the Present»

Der New Yorker Unternehmer James Sebastiano Jr. (35) leidet seit knapp 20 Jahren an Panikattacken. Vor fünf Jahren machte er sich mit Regisseur Mark Waters (35) auf die Suche nach einer Lösung und reiste um die Welt, um mit Menschen zu sprechen, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen zu Experten wurden, darunter Wissenschaftsjournalist Graham Hancock, Psychologin Zelda Hall, Zen-Meister Gary Weber oder Comedian Russell Brand. Der mehrfach prämierte Film folgt Sebastiano in intime Situationen von Gesprächstherapien über eine Ayahuasca-Zeremonie zum privaten Outing gegenüber seinem Vater.

«Chasing the Present» ist teils in der deutschen Fassung als Video on Demand auf iTunes, Vimeo, Google Play, Microsoft Watch und Vudu verfügbar.

(L'essentiel/Melanie Biedermann)

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