«Disenchantment»

17. August 2018 10:05; Akt: 17.08.2018 10:10 Print

«Simpsons»-​​Macher setzt auf feministische Fantasy

Knapp zwanzig Jahre nach «Futurama» mischt Kult-Produzent Matt Groening die Serienlandschaft mit einer saufenden Mittelalter-Prinzessin und viel Zeitgeist auf.

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Mit «The Simpsons» hat Matt Groening 1989 einen Kult geschaffen. Die clevere Animationsserie um den charmanten Kleinstadt-Deppen Homer Simpson und seine Working-Class-Familie bringt bis heute Popkultur-Witz und Politsatire unter einen Hut.

Bevor die Simpsons im kommenden Serienjahr in die 30. Staffel gehen und knapp 20 Jahre nach dem Start des sieben Staffeln umfassenden «Futurama»-Intermezzos 1999, wagt sich der 64-jährige Cartoon-Papst an frischen Stoff. Wir stellen seine neue Serie «Disenchantment» vor.

Der Trailer zur neuen Groening-Welt. (Video: Netflix)

Die Geschichte

Prinzessin Bean soll in Dreamland mit einem schnöden Schönling verheiratet werden, schafft sich mithilfe neuer Verbündeter und herrlich unroyaler Eskapaden aber einen Weg aus dem goldenen Käfig. Im Vorfeld war die Rede von «Game of Thrones» meets «The Simpsons». Im Sound, der rebellischen Prinzessin und dem unverkennbaren Animationsstil erkennt man beides wieder, doch am Ende ist «Disenchantment» vor allem Coming-of-Age-Story meets Fantasy und Feminismus – eine Kombi, die auch ohne große Labels klarkäme.

Die Zeitgeist-Themen

Das bröckelnde Patriarchat, die saufende Prinzessin, die als Antiheldin trotzdem immer irgendwie alles im Griff hat, ein verzauberter Elf, der aus seinem Land flüchten muss, weil er das konstante Glück nicht erträgt, und das satanische Schattenkätzchen, das Böses gut erscheinen lässt und Grenzen zwischen den Polen verwischt. «Disenchantement» ist voll wertvoller Zeitgeist-Bezüge, und Matt Groening packt sie trotz potenzieller Schwere in leichte Unterhaltung.

Der Femi-Faktor

Eine Animationsserie um einen weiblichen Lead zu bauen, mag eine Marketing-Entscheidung gewesen sein, die Umsetzung ist aber auch im Jahr 2018 noch eine Seltenheit und allein deshalb so relevant wie wichtig. Und Prinzessin Bean ist weder klassische Heldin noch Überfrau, sondern ein strauchelnder Teenager, der in einer chaotischen Welt versucht, ein bisschen zu sich selbst zu finden. In diesem überdrehten Universum steckt viel Authentizität, ein Ansatz, den «Broad City»-Star Abbi Jacobson (34) längst beherrscht und auch in dieser Sprechrolle gut umsetzt.

Die Zukunft

«Disenchantment» wird keinen zweiten «Simpsons»-Kult auslösen, aber das konnte nie das Ziel sein. Im besten Fall nistet sich Groenings neue Satire-Welt in den Herzen einer erweiterten Zielgruppe ein, im schlechtesten schafft sie ein paar Staffeln gute Unterhaltung für die alte.

Die zehn Folgen der ersten Staffel von «Disenchantment» sind ab sofort bei Netflix im Stream.

(L'essentiel/mel)

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