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07. September 2017 16:08; Akt: 07.09.2017 16:12 Print

«The Circle» rechnet mit modernem Technokult ab

In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dave Eggers gerät Emma Watson in den Sog von Tom Hanks' IT-Sekte. Sehenswert!

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Emma Watson (li.) und Karen Gillan in «The Circle». (Bild: Verleih)

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Im Grunde steht es allen Mitarbeitern ja frei, ihre Social-Media-Profile ins firmeninterne Netz einzugliedern, doch wer nicht mitzieht bekommt Besuch von einem Pärchen besorgter Kollegen, das die Wahrung von Privatsphäre als persönlichen Affront zu erachten scheint. Mae (Watson), die Neue beim «Circle», dem hippsten und einflussreichsten IT-Giganten des Planeten, war in ihrer Freizeit zu sehr mit ihrem an MS leidenden Vater (Bill Paxton in seiner letzten Rolle) beschäftigt, um der vermeintlich zwanglosen Aufgabe nachzukommen. Leider nicht die beste Ausrede, schließlich gibt es am Firmencampus gleich vier Selbsthilfegruppen für Angehörige von MS-Erkrankten. Da ist es doch quasi eine Schande, dass Mae ihre Sorgen für sich behält...

Dazugehören, das heißt dieser Tage immer öfter, sein Leben öffentlich zu machen, sprich mit Fremden zu teilen. Von den Kehrseiten der technischen Spielereien, die so vieles vereinfachen – von der Partnersuche bis zur Steuererklärung – handelt «The Circle».

Überwachung

Wer Schnappschüsse seiner frisch zubereiteten Thai-Nudelgerichte postet, muss damit rechnen, dass ihm das allmächtige Internet Anzeigen asiatischer Lieferservices zukommen lässt. Harmlos, könnte man meinen; doch was wäre, wenn nach drei Wochen Nudeldiät auch gleich der Werbeclip eines Ernährungsberaters im Social-Media-Account aufscheint? Und nach sechs Wochen womöglich der Doktor an der Tür klingelt?

In «The Circle» laufen die Dinge recht schnell aus dem Ruder. Mae kommt kaum dazu, sich über ihren gut bezahlten Job mit der tollen Krankenversicherung zu freuen, schon stellt ihr neuer Boss Eamon Bailey (Tom Hanks) sein neues Prestige-Projekt vor: Mini-Kameras, die mit Leichtigkeit an öffentlichen (und privaten) Plätzen angebracht werden können und für Sicherheit sorgen sollen. Schließlich verhält man sich besser, gewaltfrei und gesetzestreu nämlich, wenn man unter Beobachtung steht.

Unter ihren Kollegen teilt nur Ty (John Boyega) Maes Bedenken, dass die neue Technologie zugleich als globales Überwachungsinstrument dient. Trotz seiner Warnungen springt Mae schließlich aber doch auf den Zug auf und wird sogar zum Aushängeschild der Circle-Ideenschmiede. Ständig trägt sie eine Kamera bei sich, um ihr Leben lückenlos offenzulegen – bis der vermeintliche Fortschritt ein Opfer fordert.

Abrechnung

«The Circle» handelt von den totalitären Ambitionen einer einflussreichen Tech-Elite, ist in erster Linie aber eine clevere Abrechnung mit Social-Media-Wahn und Internet-Sucht. Weit hergeholt ist das gezeigte Schreckensszenario keineswegs und gerade deshalb so fesselnd.

Obwohl die Trailer des Films einen Thriller vermuten lassen, handelt es sich bei «The Circle» tatsächlich um einen (sehenswerten!) Mix aus Drama und Gesellschaftsstudie. Schade nur, dass ein paar der interessantesten Figuren – etwa Ty und Bailey – nicht mehr Screentime und Hintergrundgeschichte bekommen haben.

«The Circle» startet am 8. September in den Kinos.

(L'essentiel)

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